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iIch bin nicht gut genug?
„Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“
(Röm 7,19)
Der Apostel Paulus würde klar sagen, dass ich zusammen mit allen anderen Menschen nicht gut genug wäre. Es ist gewissermaßen ein Grundpfeiler seiner Theologie. Ein Menschenbild, das Vielen in der Gegenwart zu negativ ist und dem gegenübersteht, was wir heute gern gesagt bekommen.
Kein „Du schaffst das!“, kein „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“ und kein „Du bist gut genug!“. Paulus attestiert: Mein Wille zum Guten reicht nicht aus, denn am Ende verfalle ich als Mensch immer wieder dem Bösen, schade meinen Mitmenschen und bleibe hinter dem zurück, was Gott eigentlich will.
Ein hartes Urteil, doch steckt in diesem Menschenbild eine große Freiheit, und zwar zweifach:
Ich werde frei, gnädiger zu meinen Mitmenschen mit ihren Fehlern zu sein. Dann sehe ich in ihnen Menschen, die vielleicht das Gute beabsichtigt haben, aber genau wie ich selbst immer wieder am hohen Ziel scheitern. Auch sie sind Geschöpfe Gottes, die sich in dieser unperfekten menschlichen Situation befinden. Eine Situation, eine Macht, aus der wir uns nicht selbstwirksam befreien können und die Paulus mit einem klaren Namen benennt: Sünde.
Alle Menschen werden befreit von dem Anspruch, selbst die Garanten des Guten und damit die Heilsbringer der Welt zu sein. Das schützt nicht nur vor Selbstüberforderung, sondern vor allem vor Selbstüberschätzung. Wir Menschen, unsere Taten, unsere Lösungen, Institutionen und Systeme sind niemals nur gut und schon gar nicht perfekt. Zu keiner Zeit können sie für sich beanspruchen, was nur Gott gewährleisten kann: das Gute.
Kein negatives oder pessimistisches, sondern vielmehr ein ehrliches Menschenbild, das Paulus uns hier darbietet. Eines, das ungeschönt auf unsere Grenzen hinweist.
Aber bei Paulus bleibt dies am Ende auch nur die eine Seite der Medaille, der Ausgangspunkt. Denn hinter dem Nicht-Gut-Genug-Sein wartet auf uns stets Gottes Gnade, das Trotz-allem-von-Gott-geliebt-Sein. Eine Liebe, die nicht durch Gut-Sein erkämpft, sondern im Glauben an Christus bloß empfangen werden will. Eine Liebe, die uns erst als Beschenkte Schritt für Schritt zum Guten hin verändert.
Oder wie Martin Luther es einmal auf den Punkt gebracht hat: „Darum sind die Sünder schön, weil sie geliebt werden; sie werden nicht geliebt, weil sie schön sind.“
So sind wir trotz allem geliebt und das ist mehr als gut genug.

