Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Worte der Besinnung für den 29. November 2025

Pfarrer Michael Beening

„BAP nimmt mehr als 5000 Zuschauer mit auf eine Zeitreise.“ – Unter dieser Überschrift berichtete ein Artikel im Sommer über ein Konzert der Kölner Deutschrockband mit ihrem 74-jährigen Sänger Wolfgang Niedecken.
Wenn wir in der Adventszeit das alte Kirchenlied singen „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit …“, dann ist das für Christen ebenfalls eine Zeitreise.
„Es kommt …“ – Oft denke ich dabei an Menschen, denen ich im Laufe meines Lebens die Tür geöffnet habe. Manche wurden erwartet, aber es waren vor allem die Überraschungsbesuche, von denen mir einige in Erinnerung bleiben: Die Tante meiner Kindheit z.B., die immer betonen musste, wie groß wir Kinder geworden seien und die meinen Bruder und mich mit ihren feuchten Küssen überfordert hat. Mir fällt der Nachbar ein, der sich ständig beschwert hat, weil wieder einer von uns das Fahrrad vor seiner Garage abgestellt hatte. Der Postbote mit dem blauen Brief von der Schule kommt mir in den Sinn, in dem mitgeteilt wurde, dass meine Versetzung in die nächste Klasse gefährdet sei.
Mancher Besuch stand zur unpassenden Zeit vor der Tür, hat mich – ich gebe es ehrlich zu – gestört im Tagesablauf, hat meine Terminplanung durcheinandergebracht und mein Tun unterbrochen.
Trotzdem habe ich nur wenige Gäste abgewiesen. Und wenn es doch einmal geschah, hat mich mein schlechtes Gewissen noch tagelang begleitet.
„Es kommt der Herr der Herrlichkeit …“ – Aus diesem alten Advents-Hit klingt die gespannte Erwartung, dass jemand kommen wird, dessen Gegenwart das Leben verändern wird.
Dieser Herr der Herrlichkeit, für den wir die Tore hoch und die Türen weit machen sollen, ist niemand Geringeres als Gottes Sohn! Er wird an viele Türen klopfen, weil er einziehen möchte in unser Reden und Handeln, in unsere Gedanken und Gefühle. Er ist Retter, Heiland und Erlöser! Er ist Richter und Anwalt! Er ist der Messias, auf den glaubende Menschen seit Ewigkeit warten.
Sein Besuch ist in den Schriften des Alten Testaments angekündigt. Er kommt nicht überraschend. Auf ihn können wir uns einstellen und vorbereiten.
Er lädt uns zu einer besonderen Zeitreise ein! Nicht wie die Gruppe BAP in die Musik und das Lebensgefühl der achtziger Jahre, sondern zurück zu den Augenblicken, in denen wir die Botschaft unseres Wochenspruches sehr persönlich erlebt haben: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ (Sacharja 9,9b)
Jesu Zeitreise führt aber noch weiter, denn er öffnet uns sogar einen Blick in die Zukunft, wenn er sagt: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden …“ (Johannes 10,9)
Was für eine schöne Aussicht! – Darauf will ich gerne antworten: „Komm, o mein Heiland Jesus Christ, meins Herzens Tür dir offen ist …“


Pfarrer Michael Beening (Stemwede)