Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Worte der Besinnung für den 28. März 2026

Pfarrerin Kristina Laabs

Konfirmandenunterricht. Wir reden über die Passionszeit, über das, was mit Jesus geschehen ist: ein Freund verrät ihn, er wird verhaftet, zu Unrecht verurteilt, verspottet, misshandelt, verliert sein Leben und hält doch bis zum letzten Atemzug an seinen Überzeugungen fest. Sein Gottvertrauen trägt ihn, obwohl ihn furchtbare Schmerzen quälen. Am Ende sagt er: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!“

Wir machen eine kurze Unterrichtspause. Danach setzen wir uns zusammen, um einen Gottesdienst vorzubereiten, den wir nach Ostern mit der Gemeinde feiern wollen. Es geht um Lebensfreude, Gemeinschaft, Hoffnung. Eine Konfirmandin schlägt den Song „Für immer Frühling“ von Soffie vor. Die Sängerin erzählt darin, wovon sie träumt: Von einem Land, in dem alle gerne leben, weil es dort keinen Hunger, keinen Krieg, keine Ungerechtigkeit gibt. Jeder wird satt, Gäste sind immer willkommen, niemandem ist kalt, alle sterben alt. Demokratie wird ganz selbstverständlich gelebt, jeder und jede darf mitreden und mitgestalten, ob Einheimischer oder Zugewanderter, Erwachsener oder Kind.

Ein utopischer Traum? „Ich nenn‘ es Heimat“, entgegnet Soffie. „Sterbend träume ich davon“, höre ich sie ihr Lied beenden. Ich bin überrascht. Bleibt dieses Land doch nur ein Traum, eine unerfüllte Sehnsucht? Doch als ich mir zuhause den Songtext ausdrucke, bemerke ich einen Hörfehler. Ich habe wohl die Passionsgeschichte unbewusst mit dem Frühlingslied verknüpft. Denn die letzte Zeile lautet tatsächlich: „Bis ich da bin, träume ich davon.“

Es bleibt also die Hoffnung, dass der Traum Wirklichkeit werden kann. Vielleicht schon jetzt, vielleicht erst in weiter Zukunft. Aber Soffie trägt diesen Traum in sich und versucht, ihn schon jetzt mit ihrem Lied umzusetzen. Nicht anders ist es bei Jesus. Allerdings zeigt er, dass sich dieser Traum verwirklichen lässt: mit Gottes Hilfe. Denn wo er Menschen mit Gottes Wort beschenkt, werden sie gesund, setzen sich für Gemeinschaft und Frieden ein, teilen alles miteinander.

Doch Feindseligkeit, Neid und Machtinteressen anderer machen es ihnen schwer, ihren Traum zu leben. Die Kraft, trotzdem daran festzuhalten, gibt uns Christen und Christinnen die Osterbotschaft. Sie zeigt uns: Der Einsatz dafür ist nicht vergeblich. Eines Tages wird es dieses Land geben, in dem für immer Frühling ist, das Gute für immer über das Böse siegt.

 

Pfarrerin Kristina Laabs