Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Worte der Besinnung für den 26. September 2026

Pfarrer Michael Beening

Wenn es etwas gibt, das ich in meiner Schulzeit abgrundtief gehasst und gefürchtet habe, dann waren es die „Bundesjugendspiele“. Die Teilnahme daran ist seit 1979 gemäß einem Beschluss der Kultusministerkonferenz an deutschen Schulen verpflichtend. Dies gilt seit dem Schuljahr 2023/24 auch für Grundschulen, die sich in ihren „Sportfesten“ ebenfalls dem sportlichen Leistungsdenken verpflichten.

Bei diesen, den „olympischen Spielen“ ähnlichen Wettkämpfen, wird von den Teilnehmenden erwartet, dass sie in den Disziplinen des leichtathletischen Dreikampfs – Laufen, Werfen und Springen – möglichst gute Leistungen erzielen. Diese werden mit Punkten bewertet und entweder mit „Siegerurkunden“ oder sogar mit „Ehrenurkunden“ belohnt. Kinder und Jugendliche, die weder eine Sieger- noch Ehrenurkunde erhalten, bekommen seit 1991 eine Teilnehmerurkunde.
Als sportliche Nullnummer bin ich bei derartigen Veranstaltungen regelmäßig mit Bauchschmerzen angetreten und was Urkunden angeht, genauso regelmäßig leer ausgegangen. Als die Teilnehmerurkunden eingeführt wurden, war meine schulische Laufbahn beendet. 

Bereits seit Jahren begleitet eine sehr kontroverse Debatte um Ziele, Inhalte und Formen die Bundesjugendspiele. Deren Befürworter betonen, dass Bewegung entscheidend für die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten und der Umgang mit Misserfolgen ein wichtiger Lerninhalt sei. Die Kritiker mahnen, dass eine schriftlich bestätigte schlechte Leistung unsportlichen Kindern für ihr gesamtes Leben die Motivation und Freude an der Bewegung rauben würde.
Wie sehr habe ich mir während meiner Schulzeit gewünscht, wenigstens ein einziges Mal eine Siegerurkunde öffentlich überreicht zu bekommen. Ohne diese Auszeichnung empfand ich mich als wertlos. Der Spott, dem ich als Verlierertyp ausgesetzt war, hat diesem Gefühl Nahrung gegeben. 

Umso freudiger klebe ich die Worte unseres neuen Wochenspruches so wie ein Pflaster auf die noch immer schmerzende Wunde meines beschädigten sportlichen Selbstwertgefühls: „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“ (1. Johannes 5,4c.) 

Nicht alles mitmachen und nicht jeden Wettkampf gewinnen zu müssen, ist manchmal der größte Sieg! Mag mir auch in dieser Welt mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals eine Urkunde verliehen werden, so ist mir im Bibelvers sogar die Ehrenurkunde in Aussicht gestellt! 

Jesus Christus höchstpersönlich wird sie mir überreichen, denn nicht ich muss die Welt überwinden, sondern er tut es in mir - aus Gnade und Liebe allein! 



Pfarrer Michael Beening (Stemwede)