Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Worte der Besinnung für den 25. April 2026

Diakon Michael Biesewinkel

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ Dieser Satz aus dem zweiten Korintherbrief (5,17) ist weit mehr als ein frommer Wunsch. Er ist das Fundament für den Sonntag Jubilate. Haben Sie schon einmal versucht, eine völlig verrostete Schraube zu lösen? Manchmal hilft nur noch rohe Gewalt – oder ein kleines Wunder. Unser Alltag fühlt sich oft genau so an: festgefahren in alten Mustern oder belastet von schweren Nachrichten. Doch Jubilate – der Name bedeutet schlicht „Jubelt!“ – feiert das Gegenteil von Stillstand. Es ist das Fest der Neuschöpfung, ein geistlicher Frühling, der uns aus der Winterstarre locken will.

Wenn wir ehrlich sind, sieht die Welt am Montagmorgen oft noch alt aus. Die Sorgenfalten im Spiegel sind noch da, und mancher Konflikt schwelt weiter. Was meint Paulus also mit dieser „neuen Kreatur“? Er spricht nicht von einer kosmetischen Korrektur der Seele, sondern von einem tiefgreifenden Perspektivwechsel. In der Schöpfungsgeschichte hauchte Gott dem Staub den Lebensodem ein. In der Auferstehung Jesu hat er dieses Projekt konsequent weitergeschrieben und den Tod besiegt. Jubilate verbindet diese Linien: Das Staunen über das erste Grün im Garten, die Gewissheit, dass das Grab nicht das letzte Wort behält, und die Hoffnung auf eine Welt, in der Schmerz und Unrecht endlich überwunden sind.

Was heißt das für uns im Hier und Jetzt? Neuschöpfung bedeutet: Du musst nicht bleiben, wie du bist. Du bist nicht die Summe deiner Fehler oder der Gefangene deiner Vergangenheit. In Christus ist ein echter „Reset“ möglich, weil die Verbindung zur Quelle des Lebens wieder offen ist. Das ist kein billiger Optimismus, sondern die Freiheit, jeden Morgen neu zu beginnen, weil Gott die Welt bereits neu gedacht hat. Er sieht in uns nicht das Defizit, sondern das Potenzial. Wo wir nur das Ende sehen, fängt Gott erst richtig an zu gestalten.

Gehen Sie heute bewusst durch die Natur. Schauen Sie sich das fast schon trotzige Aufbrechen der Knospen an. Das ist kein Zufall, sondern göttliches Programm! Gott ist ein Fan des Lebens; er liebt das Werden mehr als das Vergehen. Jubilate lädt uns ein, diesen inneren Jubel wiederzuentdecken. Nicht, weil alles perfekt wäre, sondern weil wir wissen, wer die Regie führt. Das Alte hat keine Macht mehr, uns zu erdrücken. Wir sind eingeladen die Welt ein Stück heller zu machen – mit einem Lächeln, oder einer versöhnlichen Geste. Ein gesegnetes Wochenende für Sie!


Diakon Michael Biesewinkel