Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Worte der Besinnung für den 24. Oktober 2026

von Diakonin Liane Stork

Sind Sie schon mal jemandem aufs Dach gestiegen? Vielleicht einfach deswegen, weil Sie auf normalem Weg nicht weiterkamen? Die vier Freunde aus der bekannten Geschichte im Markusevangelium haben es getan. Mutig waren sie, unkonventionell, ideenreich und flexibel. Und risikobereit, das hätte ja auch richtig schief gehen können. Aber die Begegnung ihres gelähmten Freundes mit Jesus war wichtig und ihnen jedes Risiko wert. Freunde wie diese vier kann man sich nur wünschen. Freunde, die einen tragen, sich für einen einsetzen und neue Wege finden. Vor allem dann, wenn man sich selbst gerade ohnmächtig und handlungsunfähig fühlt. Wie oft binden uns Angst und Sorgen auf unsere Matte? Drohen uns die finsteren Täler des Lebens zu resignieren und zu erstarren. Da sind Freunde dann hilfreich, die im Notfall Fantasie und Mut aufbringen, ein Dach aufzureißen, den Blick auf den Himmel freizumachen, neu zu denken und neue Möglichkeiten zu erkennen. Und auch einen neuen Zugang zu Jesus, zu Gott zu ermöglichen. Jesus selbst ist den Schriftgehrten seiner Zeit aufs Dach gestiegen, hat Löcher in ihre Dächer gerissen, um den Menschen die Liebe Gottes zu verkünden.  Luther ist der Kirche ganz gehörig aufs Dach gestiegen, hat für große, durchlässige Löcher gesorgt, um die Menschen zur Freiheit ihres Glaubens zu verhelfen. Wie viele andere Christen sind ihren Zeitgenossen aufs Dach gestiegen, um verhärtete Traditionen, moralisierende Wertevorstellungen aufzubrechen. Die Kirche braucht solch mutige Meschen, die die Not und die Last der Zeit erkennen und handeln. Und die auch bereit sind, auf das eigene Kirchendach zu steigen und ein Loch hineinzumachen, wenn äußere Zwänge und Blockaden, innere Erstarrtheit und düstere Zukunftsprognosen den Blick auf das Wesentliche verstellen - auf die Hoffnung und das Vertrauen auf Gott, auf seine Liebe zu seinen Kindern, zu uns. Auf Gott, der für seine Kirche sorgen wird – denn das hat er schon seit Anbeginn der Zeit getan. Und gerade heute brauchen wir wieder solche Schwestern und Brüder, die, wie die vier Freunde aus dem Markusevangelium,  mutig und entschlossen sind, neue Wege zu gehen. Die bereit sind, auch mal aufs (eigene) Dach zu steigen, wenn es nötig wird. Und durch ein aufgerissenes Loch den Himmel wieder sichtbar und Gott selbst bei und in uns wirksam werden zu lassen. Und das tut er, soviel ist gewiss.

 


Diakonin Liane Stork