Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Worte der Besinnung für den 24. Januar 2026

Pfarrerin i.R. Christine Scheele

"Vor einigen Jahren machte ich in der Wismarer Nikolaikirche Urlaubsvertretung über Sylvester. Zu einem Konzert verteilte ich so kleine Kärtchen mit der Jahreslosung. Ich gab sie auch einem jungen Mann, der sie interessiert las und dann lächelte. „Wie schön“, sagte er. „Jetzt gibt es in der Kirche auch eine Lotterie.“ Es war aufrichtig. Er kannte sich in Sachen Kirche nicht aus. "Siehe ich mache alles Neu“! so lautet die Losung 2026.
In diesem Jahr wird in die Vollen gegriffen: „Siehe, ich mache alles Neu!“ Ich nähere mich diesem Wort zögerlich und erinnere mich an das letzte Jahr. Ich musste und durfte im vergangenen Jahr einiges loslassen und habe einige Kostbarkeiten wie Freundschaften behalten, konnte neue gewinnen. 

Das Weihnachtsfest war besonders. Es begann mit der Aufführung des Weihnachtsoratoriums, dort konnte ich mich ganz besonders spüren, der Heilige Abend war so kostbar, weil ich erkennen konnte: Gott will bei mir wohnen!
Das gemeinsame Singen beflügelte mich. Mit mir und zugleich mit anderen zu sein, das ist ein großes Geschenk, vielleicht sogar Gottesgeschenk.
„Siehe ich mache alles neu! „Das verunsichert mich zunächst einmal. Zu viel Neues macht mir sogar Angst. Schon mein selbst auferlegtes Wörterfasten ist so schwer. Dabei hätte ich es leichter, wenn ich nicht so viel sprechen würde.
„Siehe ich mache alles neu,“ vielleicht muss ich auf Sachen verzichten, die mir lieb und teuer sind, vielleicht muss ich mich umgewöhnen - und vielleicht kommen die Bedrohungen von aussen wirklich. Augen zu und durch? Und dann noch die Ohren zuhalten? Das ist keine gute Idee. Gegenüber dem Bedrohlichen und der Gefahr, gibt mir die Jahreslosung Mut für den nächsten Schritt.
Nicht ich mache alles neu, nein Gott ist es! Johannes der 23 sagte, als er sich Nächte um die Ohren schlug, weil er sich um die Kirche sorgte „Es ist deine Kirche Gott, mach Du. Ich muss jetzt schlafen.“
In Zeiten der Unsicherheit helfen mir Rituale, Dinge die ich täglich mache. Sie sind für mich ein Geländer mit dem ich mich durch den Tag hangele. Dazu gehören die täglichen kleinen Gedichte, gesellige Sporteinheiten, dazu gehört noch mehr die tägliche Abendandacht in der St. Andreaskirche. Von Montag bis Freitag gibt es um 18 Uhr eine Unterbrechung des Alltags, das Handy ist ausgeschaltet und es wird gebetet und gesungen, es werden Worte aus der Bibel vorgelesen. Kurz und knackiges Gotteslob, wo ich mich daran erinnere, wem ich mich verdanke und auf wen ich mich verlassen kann. Das geht gemeinsam besser. Am Mittwoch ist Taizegebet und am Donnerstag Friedensgebet.
Ich wünsche uns allen solche Rituale, Anker, die uns helfen wahrhaft Menschen zu sein. So ist Religion: Die Rückbindung an das, was uns wirklich trägt.
Menschen, die den Abgesang auf die Kirche singen, haben das Gespür dafür vielleicht verloren. Sie haben vergessen, das es Gott ist, der die Welt gründet und erhält. Und sie verlieren damit viel. Schade !"


Pfarrerin i. R. Christine Scheele