Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Worte der Besinnung für den 22. August 2026

Pfarrer Eberhard Helling

Lässt der liebe Gott es nun regnen?!

Mich regt es jedes Mal auf, wenn ich gefragt werde, ob ich für gutes Wetter beten könne – schließlich wäre am Wochenende eine große Familienfeier – und da bräuchte man doch gutes Wetter. Und – das wird dann mit einem Augenzwinkern hinzugefügt – ich hätte doch einen besonders guten Draht nach oben – hahaha! Meine etwas patzige und zugleich theologisch korrekte Antwort ist dann jedes Mal: „ach wissen Sie, ich habe keinen besonderen Draht nach oben – das ist der gleiche, wie bei Ihnen – bitte sorgen Sie mal selbst beim lieben Gott für gutes Wetter.“ Dass der Gott, an den ich glaube, gar nicht für das Wetter zuständig oder auf jeden Fall nicht der Gut-Wetter-Gott für alle Lebenslagen ist, das sage ich dann höflicherweise lieber nicht – obwohl ich es eigentlich sagen müsste. 

Denn wie beim Wetter, so ist es auch in vielen Situationen: wir müssen klar benennen, wofür wir verantwortlich sind, was auf unser Konto geht und was nicht. Und ich denke, dass wir die Wetterkapriolen in den letzten Wochen mit dem völlig überdrehten Lebensstil unserer „Zivilisation“ zu verantworten haben. Es ist schon vor über 50 Jahren in dem Bericht vom „Club of Rome“, der alle führenden Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler der Zeit vereinigt hat, deutlich gesagt worden: der ausbeuterische Lebensstil unserer Zivilisation führt uns über die Grenzen der Belastbarkeit unserer Erde hinaus. Wir brauchen kluge und umsichtige Entscheidungen auf allen Ebenen, im persönlichen, im gesellschaftlichen und im internationalen Bereich, um die Folgen eines ungezügelten Wachstums eingrenzen zu können. Deswegen hieß der Bericht damals auch „Die Grenzen des Wachstums“

Dass solch ein Umsteuern möglich ist, sehen wir an den Werten der Ozonschicht. Hieß es noch vor einigen Jahren, dass sich die schützende Ozonschicht immer weiter abbaut, so können wir nun feststellen, dass strikte Maßnahmen Erfolge beim Schutz dieser lebenswichtigen Hülle zeigen. Wir wissen, dass ähnliche Maßnahmen zum Schutz unserer Schöpfung möglich und dringend erforderlich sind. Wir müssen uns nur dieser Verantwortung stellen und sie auch wirklich wahrnehmen – und nicht sie mit einer Reihe blöder Bemerkungen auf andere abwälzen oder gar den „lieben Gott“ zur Verantwortung ziehen, weil er uns nicht das schöne Leben präsentiert, das wir uns doch so gerne für uns selbst vorstellen. Und wenn es auch nur das schöne Wetter für die Fete am Wochenende ist.

Obwohl – in dieser Woche habe ich Gott für den Regen gedankt – was ist das: so etwas wie eine heilige Inkonsequenz…?!


Pfarrer Eberhard Helling