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Mitgefühl ist Gottesklang
Vor kurzen war ich zu einer Veranstaltung über Martin Luther King im Andreasgemeindehaus. Der bekannte Satz: “ I have a Dream“, der gegen die Rassentrennung zielte, traf dabei mein Herz. Und ich fragte mich verschämt: „Wovon träume ich heute?“ Gibt es mehr als die kleine Parzelle, in der ich mich eingerichtet habe, zwischen Fitnessstudio, Schwimmbad, Chor, Andacht, Familie und Freunden? Da ist der Wunsch nach Frieden, nach Meinungsfreiheit und vor allem nach Mitgefühl.
.Was meine ich mit Wort? Mitgefühl ist für mich wie ein Gottesklang, der durch die Welt geht und Menschen berührt. Es ist aber nicht meins. Es geschieht. Darin schlägt das Leben. „Ich nehme das versteinerte Herz aus ihrer Brust und schenke ihnen einen Herz, das fühlt.“ So erfahren wir es von dem Propheten Hesekiel. Dieses Herz ist ein Herz, in dem Gottes Liebe schlägt.
Mitgefühl scheint bei manchen Menschen in Misskredit geraten zu sein. Wer verächtlich über „Empathie“ spricht und nur noch Augen für Starke und Machttreiber hat, übersieht das Wesentliche: Sich selbst! Denn wer „ich, ich, ich“ ruft, ist noch lange nicht bei sich angekommen, ja er übersieht sich meines Erachtens. Mitgefühl haben, heißt für mich, den ganzen Menschen wahrzunehmen, mit seinen Stärken und Schwächen, mit seiner Verletzlichkeit ja manchmal mit seiner Bedürftigkeit. In mir und in anderen.
Zu sich selbst zu stehen, die Verletzungen, Beschädigungen und Beeinträchtigungen genauso ernst zu nehmen, wie Stärke, Föhlichkeit und Tatkraft ist nichts für Feiglinge. Das schmerzt manchmal und verwirrt. Aber es macht mich ganz und Gott liebt den ganzen Menschen, nicht nur das Bild, das wir von uns machen.
Es gehört Stärke dazu, nicht dem Trend zu folgen und vor allem das Negative zu sehen. Sie tragen eine eine Brille, die alles im schlechten Licht zeigt. Da fehlt Mitgefühl.
Es darf nicht sein, dass jungen Menschen gesagt wird: Kümmert euch selbst um eure Rente, ebenso wie es unerträglich ist, wenn alte Menschen Flaschen sammeln müssen. In Nazideutschland wurden viele Menschen verachtet, unberührbar sein war gesellschaftsfähig. Die Konsequenzen sind bis heute spürbar.
Ich glaube: Der Ehrliche, der Mensch, der Mitgefühl zeigt, ist nicht der Dumme. Er ist Ebenbild Gottes.
Wenn man genau darauf achtet, spürt man es. Da erezählt jemand, dass seine Frau nun ein Pflegefall sei und mitin einer ganz neuen Situation konfrontiert ist. Ich erlebe viel Mitgefühl und Vertrauen, im Schwimmbad, Studio, im Chor und Andacht, halt da, wo ich gerade bin. Das macht mir Mut, auch weiterhin die Augen offenzuhalten nach Menschlichkeit und Mitgefühl. Sie sind Fingerzeig Gottes, Gottesklang!
Selbstvergessene Menschen, die auf Mitgefühl pfeifen, sie werden nicht gewinnen.
Am Ende der Veranstaltung zu Martin Luther King, stand eine ältere Dame auf und fragte zurückhaltend: Sollen wir jetzt nicht “We shall overcome“ singen? Fast 100 Besuchende stimmten mit ein.

