Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Worte der Besinnung für den 17. Oktober 2026

Heinz-Hermann Grube

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist.“ So steht es in der Bibel. Und es ist sozusagen das Motto dieses Sonntags. Aber: Was ist „gut“? Und wer sagt mir, was gut ist?
Als Musiker interessiert mich, was gute Musik ist. Und, na klar, so sagen die einen: das bestimme ich ja wohl selbst, was gut ist und was nicht gut ist. Gut ist, was mir gefällt. Aber als Musiker interessiert mich natürlich auch, was anderen gefällt. Denn ich will ja nicht Musik machen und keiner will zuhören. Gut ist also, was anderen gefällt? Und schließlich bin ich ja als Musiker nicht vom Himmel gefallen. Ich hatte meine Lehrer und meine Lehrerinnen. Und die haben mir genau gesagt, was gute Musik ist.

Auch in der Kirche wurde lange darüber gestritten, welche Musik für Gottesdienst und Kirche gut ist und welche nicht. Bach zum Beispiel sollte auf keinen Fall „Opernhaftes“ in den Leipziger Kirchen zu Gehör bringen. Diese Musik lenke ja davon ab, sich auf Gottes Wort zu konzentrieren. Richtig schlimm waren die Diskussionen, ob denn Jazz in der Kirche gespielt werden dürfe. Da fielen bisweilen auch rassistische Argumente, die hier nicht abgedruckt werden sollen.
Das Motto „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist“ steht im Propheten Micha. Vollständig lautet der Vers: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ Oder in einer neuen Übersetzung: „Es wurde dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: das Rechte tun, Nachsicht mit anderen haben und bewusst den Weg mit deinem Gott gehen.“ Ich nehme hinzu, dass Jesus ziemlich klar definiert hat, was Gott von uns erwartet: Gott lieben und meinen Nächsten lieben wie mich selbst.

Das eine nicht ohne das andere. Wer nur ich, ich, ich sagt, verfehlt die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Wer sich selbst nur für andere verzehrt, verkürzt Gottes Liebe, die doch auch mich selbst meint. Wer nur „Gott“ ins Feld führt, verliert die Liebe zu sich selbst und zu den anderen aus den Augen. Gut ist, wer die drei Dimensionen der Liebe lebt. Wahrlich: das ist eine große Herausforderung. In Familie, in der Kirche, in der Gesellschaft.
Die Musik könnte dafür ein gutes Übungsfeld sein. Ich darf und soll meinen eigenen Geschmack bilden und einbringen. Ich vergesse aber meine Zuhörer nicht. Und ich frage nach dem, was Tradition und Umfeld an Gutem bereitet haben. Und als Kirchenmusiker frage ich danach, wie ich am besten und schönsten unserem Gott ein Loblied singen kann.


Kreiskantor i. R. Heinz-Hermann Grube