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„So still, dass jeder von uns wusste, das hier ist für immer. Für immer und ein Leben und es war so still.
So still, dass alle Uhren schwiegen, ja, die Zeit kam zum Erliegen. So still und so verloren gingst du fort.“
Es ist die Stille, die bleibt, wenn ein Mensch stirbt. Jupiter Jones beschreiben es in ihrem Song „Still“ so treffend, bewegend und nachfühlbar. Die Stille, die einen Raum erfüllt, wenn ein Mensch gegangen ist, ist einzigartig, schwer zu beschreiben und doch so präsent. Kein Atem, kein Rascheln, nur Stille.
Als Notfallseelsorger werde ich oft in solch eine Situation gerufen. Eben war da noch Lärm, als Einsatzkräfte um ein Leben kämpften, jetzt ergreift die Stille den Raum und erstickt oft genug die Worte derer, die fassungslos zurückbleiben. Alle gehen, verlassen die Einsatzstelle, ich bleibe, bin da und halte die Stille aus. Wir schweigen, denn „hierfür gibt′s kein Wort das jemals das Gefühl beschreiben kann.“
„So laut die Stunden nach dem Aufschlag, als es galt das alles zu erfassen und verstehen und es war so laut, dass alles, was wir dachten, nichts als Leere zu uns brachte. So laut und so verloren war es hier, als Stille bei uns wohnte, anstatt dir.“
Laut ist es in den Köpfen und Herzen derer, die fassungslos schweigen und deren Leben sich in diesen Momenten unumkehrbar verändert. Vor zwei Stunden haben sie noch miteinander gesprochen, gegessen, gelacht oder sich umarmt, jetzt ist der liebe, der vertraute Mensch nicht mehr da. Sein Körper liegt noch im Nebenraum, er selbst ist gegangen und hat die Tür mit lautem Knall ins Schloss fallen lassen. Die Lautstärke im Kopf lässt keine Gedanken und kein Verstehen zu. Die Stille lässt sich vor lauter Lärm nicht wahrnehmen, die Zeit und das Leben stehen still.
„Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten!“ So spricht Gott im 50. Psalm. „Ja, das habe ich! Ich habe in Deiner Not alle angerufen, damit sie Dir helfen. Sie sind gekommen, schnell, mit Blaulicht, Erfahrung und Wissen, aber sie konnten Dir nicht helfen. Nun sitze ich hier, ein Seelsorger an meiner Seite – wie geht es weiter und wo bist Du, wo ich Dich so dringend brauche?“
Ruhige Worte durchbrechen die Stille: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten!“ Sie dringen durch den Lärm der Leere im Kopf. Die Hand auf der schon kühlen Stirn, ein Segen für den letzten Weg. Das gemeinsame Gebet ist erfüllt von Vertrauen. Gott ist da und er bleibt; heute, morgen und auch wenn die Stille ein Teil des Lebens wird. „So still, obwohl ich dich mit jedem Tag vermiss und wo immer du auch gerade bist, du zeigst mir, dass Stille jetzt dein Freund geworden ist.“
-Geschrieben am 11.2., dem Tag des Notrufs-

