Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Worte der Besinnung für den 12. September 2026

Kerstin Böger-Fischer, Jugendreferentin im Kirchenkreis Lübbecke

Kaum zu glauben wie schnell einen der Alltag wieder packt. Gestern noch an der See oder in den Bergen und -zack- heute wieder bei der Arbeit.

Da wir diesen Sommer mit dem Auto unterwegs waren, war das Navi ein wichtiger Begleiter. Kein lästiges Auto-Atlas wälzen, kein mühevolles Routen ausrechnen. Welche Route darf es denn sein: mit Autobahn oder ohne, die schnellste oder die kürzeste, Zapfsäule oder DC-Charger.  Hoffentlich ist das Navi aktuell genug, um mich um Staus und Baustellen herumzuführen. Manche Modelle warnen einen auch vor Blitzern, was die Reisekasse schont. Es gibt sogar die Reisezeit und eventuelle Verspätung an. So weit so gut, oder?

Wer hat sich nicht schon über die absonderlichen Wege gewundert oder geärgert, die einen das Navi manchmal schickt. Straßen, die man nie fahren würde, Wege von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt oder die verpasste Abfahrt, weil wir die Angaben falsch gedeutet haben. Wäre das Navi der kartenlesende Beifahrer, würde bestimmt ein: „An mir lag es nicht“ oder „ Kann ich ja nichts dafür, wenn du nicht zuhörst“ oder eine wüste Beschimpfung kommen, je nach Temperament. Vom Navi kommt lediglich ein entspanntes:“ die Route wird neu berechnet“ und weiter geht es. 
„Die Route wird neu berechnet“ sollten wir uns im Leben vielleicht auch öfter mal sagen, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Der Umweg ist passiert, es hilft kein nörgeln, schimpfen, bedauern. „Die Route wird neu berechnet“, damit es weiter gehen kann.

Während ich noch diese Zeilen schreibe, ereilt mich das Wahlergebnis der AFD und ich bin fassungslos. Was stimmt mit eurem Navi nicht? Hey, berechnet mal eure Route neu. Es muss weitergehen, aber doch nicht auf einem Weg, der uns schon mal an den Abgrund geführt hat. Wie können wir in einem Land leben, mit der gleichen Verfassung, mit den gleichen Rechten für alle Menschen, mit der gleichen Vergangenheit und doch so unterschiedlich unterwegs sein? Mich beunruhigt das sehr. Und eigentlich müsste jetzt irgendwie der Bezug zu Jesus oder Gott kommen, der mir seit Sonntag nicht so recht gelingen will. Nicht schon wieder, denke ich, Gott, lass es nicht schon wieder zu, dass Rechtextremismus in unserem Land die Oberhand gewinnt. Lass nicht zu, dass wir uns wieder hinter Ahnungslosigkeit und angeblichen Nichtwissen verstecken. Und gib uns vor allem eins: Mut. Bewahre unsere Demokratie, stärke alle, die sich für ein gutes Miteinander einsetzen und lass uns nicht vergessen: Jeder Mensch ist wertvoll!


Kerstin Böger-Fischer
Jugendreferentin im Kirchenkreis Lübbecke