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Ha-Pu!
Vor mir steht – noch als Geschenk verpackt, mit Bonbons gefüllt -
eine große, weiße Tasse! Ich betrachte die Tasse und plötzlich spüre ich, wie ich leise vor mich hinlächle!
Es war ein besonders sonniger Frühlingstag: Der Samstag der vergangenen Woche. Gerade hatten wir Konfirmation gefeiert. Die Kirche war picke-packe-voll gewesen: Mit Eltern, Großeltern, Paten, Geschwistern, Freunden, Gästen! Ein großes Ereignis!
Nicht nur die Konfirmandinnen und Konfirmanden waren sichtlich gespannt, auch ich war – wie immer an solchen Festtagen – ziemlich aufgeregt.
Zum Abschluss des Gottesdienstes zogen wir gemessenen Schrittes aus der Kirche hinaus. Jetzt ging ich mit den Jugendlichen und Teamern ins benachbarte Gemeindehaus. Nun nur noch die Treppe hinauf in den ersten Stock. Dann war es geschafft: „Ha-Pu!“
Alle Anspannung fiel von mir ab. Erleichterung machte sich breit!
Ich musste erstmal tief durchatmen:
Ich war froh, dass alles so glatt und reibungslos verlaufen war.
Alles war gut gegangen! „Ha-Pu!“ Wir konnten zufrieden sein!
„Ha-Pu!“ Offenbar rutschen mit diese beiden Silben viel häufiger heraus, als es mit bislang bewusst war!
„Ha-Pu!“ Es ist ein kleiner Stoßseufzer! Ich mache damit mein Ein- und Ausatmen hörbar. Dieser kurze Ausruf signalisiert wohl auch: Ich brauche eine Pause. Mit einem „Ha-Pu!“ unterstreiche ich tiefes Luftholen. Wenn ich recht sehe, kann ich damit – je nach Betonung – Freude, Zufriedenheit und eben Erleichterung wiedergeben, aber auch – in anderer Stimmlage - Anspannung und Anstrengung, Genervt-Sein oder gar Verärgerung sowie Verständnislosigkeit zum Ausdruck bringen.
„Ha-Pu!“ Meinen Konfis war diese Eigenart scheint’s sehr aufgefallen. Denn:
Der Konfi-Teamer verteilte die Konfirmationsurkunden und ich wollte gerade die Frisch-Konfirmierten zu ihren Familien entlassen, da trat einer der Jungen vor und überreichte mir mit freundlichen Worten – als Dankeschön für die gemeinsame Konfi-Zeit – eben diese stabile
Porzellantasse. Auf ihr stehen – gut lesbar - alle Vornamen der Konfis dieses Jahrgangs. Vor allem: Eine große Sprechblase ziert die Vorderseite. Darauf steht: „Ha-Pu!“
Ich habe mich so sehr gefreut! Ich musste schmunzeln! Ein bisschen fühlte ich mich auch ertappt! Ich war gerührt! Ich bin es noch!
„Rogate“ heißt der morgige Sonntag, der fünfte Sonntag der Osterzeit: „Betet!“ Eine Einladung zum Gebet. Ich komme ins Nachdenken: Ist mein kleiner Stoßseufzer nicht immer auch ein kurzes Stoßgebet? Manchmal fehlen mir die Worte. Wie oft kann ich weder Glück und Dank, noch Wunsch und Bitte, geschweige denn Stress und Ärger in Worte fassen. Und doch darf ich all‘ dies vor Gott bringen! Sei es auch nur in einem knappen „Ha-Pu!“
Ich wünsche allen ein schönes Wochenende und einen gesegneten Sonntag „Rogate“!

