Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Worte der Besinnung für den 07. März 2026

Pfarrer Eberhard Helling

Alles noch mal von vorne!

Können Sie sich das vorstellen: eine ganze Zeitungsseite nur weiß – kein Wort, kein Bild, keine Nachricht, kein Aufreger, keine lustige Mitteilung, kein Kommentar – nichts – einfach nur weiß. Was würde ich damit machen? Würde ich mir sofort einen Stift holen und meine Kommentare darauf schreiben – was mir gerade so durch den Kopf geht; weil ich die Leere nicht aushalte angesichts dieser sich immer verrückter drehenden Welt? Oder etwas unbeholfen ein Bild zeichnen von dem Politiker, den ich überhaupt nicht ausstehen kann und dann einen bissigen Kommentar dazu setzen?
Oder würde ich das weiße Blatt, dieses Nichts aushalten? Vielleicht einen Tag lang – immer wieder einmal darauf schauen – und dann festhalten, welche Bilder, Sätze, Worte sich einstellen: Bilder von den Menschen, die mir wirklich wichtig sind, mit denen ich lebe, die mich geprägt haben, die vielleicht schon lange nicht da sind, die mich aber mit ihrer Art, mit ihren Entscheidungen bis heute bestimmen. Und die Worte aufschreiben, die mich schon lange begleiten – z.B. meinen Konfirmationsspruch („Habe deine Lust am Herrn – und er wird dir geben, was dein Herz wünscht“), einen Satz von meinem alten Chef, („Spaß kost!!!“) oder einen Wort von Bischof Desmond Tutu und dem Dalai Lama - wir lesen gerade in einer Gruppe ein von den beiden gemeinsam verfasstes Buch. 

Warum dieses alles: damit ich begreife, das ich nicht im Nichts versinke – ich werde getragen. So wie der Boden, auf dem ich stehe, mich trägt! So werde ich die ganze Zeit getragen – ob ich das glaube oder nicht, ob ich das wahrnehme oder nicht! Das Nichts, die weiße Zeitungsseite ist nicht leer. Es ist gefüllt mit Bildern, Geschichten, Worten, die mich bis jetzt bestimmt haben. Es wird sich zeigen, was Bestand hat – bestimmt nicht alles …! 

In diesen Zeiten von Unsicherheit, Unklarheit, was die Zukunft bringt, halte ich es für überlebens-notwendig sich klar zu machen, auf welchem Grund wir stehen, was uns wirklich trägt. Wir werden getragen. Mich trägt die Hoffnung, die in der Jahreslosung zum Ausdruck kommt: „Gott spricht: Siehe ich mache alles neu!“ Wir sind nicht auf das Chaos, die Zerstörung, den ewigen Kampf angelegt. Das Neue kommt – seht ihr`s?!

Eberhard Helling, Pfarrer in Lübbecke