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Am vergangenen Mittwoch war ein besonderer Gast beim Gottesdienst im Krankenhaus: ein Vertreter des Internationalen Gideonsbundes aus Minden war da, um mir als Krankenhausseelsorger Bibeln für das Krankenhaus und die Patientinnen und Patienten zu bringen. Der Gideonsbund verteilt und legt Bibeln kostenlos aus, etwa in Hotels, auf Kreuzfahrtschiffen, in Krankenhäusern, aber auch in Gefängnissen. Den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Gideonsbundes ist es eine Herzensangelegenheit, Bibel zu verteilen und damit zu helfen, dass Menschen die Bibel lesen können und neugierig auf die Bibel werden.
Wie schön, denke ich, dass es Menschen mit einer solchen Liebe zur Bibel gibt. Im Krankenhaus werde ich die Bibeln im Andachtsraum und in den Aufenthaltsräumen des Zentrums für seelische Gesundheit auslegen, bei Bedarf kann ich auch anderen Patienten eine Bibel ans Bett bringen. Immer wieder fragen Menschen im Krankenhaus nach einer Bibel, wollen darin lesen oder Texte meditieren.
Warum ist es so wichtig, dass Menschen in der Bibel lesen und darin lesen können?
Die Bibel erzählt in zahllosen Geschichten, in Liedern wie den Psalmen, und in Briefen, was Menschen mit Gott erfahren haben und wie sie Gott gehört haben. Die Geschichten des Alten und des Neuen Testaments erzählen davon, wie Menschen mit Gott gelebt haben. Es geht um Trost und Freude, um Hoffnung und Zuversicht, um Sehnsucht und Vertrauen, es geht aber auch um Schuld, Versagen und Versöhnung. Kaum eine menschliche Erfahrung ist der Bibel fremd. Die Geschichten der Bibel rücken das, was Menschen widerfährt, was sie denken und fühlen und erleben in das Licht Gottes.
Die Bibel erzählt aber keine Geschichten aus längst vergangener Zeit – auch wenn die Bibel schon 2000 und mehr Jahre alt ist. In den Geschichten und Texten der Bibel können sich Menschen auch heute wiederfinden.
Die uralten Worte des 23. Psalms etwa, die mit dem Vers „Der Herr ist mein Hirte“ beginnen, haben schon unzählige Menschen getröstet und ihnen auch in schwerer Zeit Halt und Vertrauen gegeben.
Die Gleichnisse Jesu, in denen Jesus mit der Welt, wie wir sie kennen, „spielt“ wie ein Künstler, haben viele Menschen veranlasst zu fragen ob die Welt immer so bleiben muss, wie sie ist.
Wenn ich als Seelsorger im Krankenhaus mit Patientinnen und Patienten rede, sind es öfters auch ein biblischer Gedanke oder eine Geschichte aus der Bibel, die uns auf neue Gedanken bringen.
Und manchem ist die Welt der Bibel mit ihren Geschichten von Abraham und David, von Elia und Jesaja, von Jesus und Paulus so etwas wie Heimat. Der langjährige Bundestagsabgeordnete, Minister und zuletzt Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, der ganz von seiner evangelischen Kirche und Tradition geprägt war, hat gesagt: „Wenn ich in ein Hotelzimmer komme und dort eine Bibel liegen sehe, dann ist es für mich so, als käme ich heim.“

