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Auch wenn es in diesen Tagen sommerlich warm ist, nähert sich eine andere Zeit, der Herbst steht vor der Tür. Am Sonntag wird in den meisten Kirchen Erntedankfest gefeiert.
Das ist ein schönes Fest, der Altar ist bunt geschmückt mit allem, was im Sommer gewachsen ist. Es ist die Zeit, um Danke zu sagen für alles, was gewachsen ist, aber auch für alles, was wir sonst haben und bekommen. Ein Dach über dem Kopf, ein Bett, Brot und Wasser, eine Arbeit, andere Menschen, die uns am Herzen liegen und mit denen wir leben, alles Dinge, für die es sich lohnt, Danke zu sagen.
Ich denke an den Sommer, der gewesen ist. Da tauchen Bilder auf von Sonnenschein, vom blauen Wasser im Schwimmbad, von lauen Abenden auf der Terrasse. In diesem Sommer mischen sich aber auch andere Bilder mit hinein in die guten Erinnerungen und die Sommergefühle. Der Rhein mit niedrigem Wasser, Felder mit vertrocknetem Mais, ein Urlauberpaar am Strand, aber der Horizont ist unnatürlich rot von dem Feuer, das auf der anderen Seite brennt. Es war ein sehr heißer Sommer, manchmal war es bedrohlich heiß, für alle.
Nun kommt der Herbst, mit anderen Farben, mit anderen Temperaturen. Und das Erntedankfest ist da, mit bunten Farben, mit den Früchten des Sommers. Ich frage mich, ob ich unbeschwert Danke sagen kann, wenn ich an diesen Sommer zurückdenke.
Ich muss an das Lied von Matthias Claudius denken, das für viele zum Erntedankfest dazugehört: „Wir pflügen und wir streuen“. Im Kehrvers heißt es: Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!
Wie mag es zu seiner Zeit, im Jahr 1783 hat er den Text gedichtet, gewesen sein? Da war die Landwirtschaft ja noch eine andere und es gab sicher Jahre, wo die Ernte schlecht ausfiel und die Leute wussten, dass es im nächsten Winter knapp werden kann. Sie haben in jedem Jahr Erntedankfest gefeiert und Gott für die Ernte gedankt, so wie wir es heute noch tun.
Vielleicht es das, denke ich, danken für das, was da ist. Wir können essen, wir werden satt, selbst nach einem heißen und trockenen Sommer. Viele haben dafür gearbeitet, auch unter manchmal schwierigen Bedingungen in der Landwirtschaft. Und Gott hat seinen Segen zu dieser Arbeit dazugegeben. Das ist ein Grund, um von Herzen Danke zu sagen.
Das andere ist, zu tun, was wir können, damit sich etwas verändert. Denn die Verantwortung bleibt, für die Umwelt, für Tiere, Pflanzen und Menschen zu sorgen, damit es allen gut geht und alle satt werden.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Erntedanksonntag!
