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Einstimmen ist mehr als Zustimmen!
In diesen Wochen ist viel über zwei deutsche Künstler zu lesen, ohne dass sie sich selbst zu Wort melden würden: Vor vier Wochen, am 12. April, wurde Herbert Grönemeyer 70 Jahre alt. Und am 17. Mai kann Udo Lindenberg seinen 80. Geburtstag feiern! Wenn man Musikexperten glauben darf, dann haben die beiden Männer zwei Dinge gemeinsam: Erstens sind sie als Sänger sehr erfolgreich – und das inzwischen seit mehr als vier Jahrzehnten. Und zweitens können sie angeblich nicht wirklich (gut) singen.
Das sind zwei gute Nachrichten! Warum? Weil sie uns Mut zum Singen machen! Und das ist wichtig! Denn zu oft haben wir uns daran gewöhnt, dass Musik zwar in unserem Alltag medial ununterbrochen und ganz nach unseren Wünschen zur Verfügung steht – aber darüber gerät aus dem Blick, dass ganz grundsätzlich jede menschliche Stimme auch zum Singen geboren und gemacht ist. Wir verpassen wichtige Glücksmomente, wenn wir uns darauf beschränken, Musikstücke nur auszuwählen und anzuhören.
Denn beim Singen können wir besonders erfahren, dass Musik weit mehr als eine Aneinanderreihung von einzelnen Tönen ist. Ob Beethovens umfassende „Ode an die Freude“, John Lennons scheinbar schlichtes „Imagine“ oder Matthias Claudius` staunendes „Der Mond ist aufgegangen“ – der Klang von Musik weist immer weit über das hinaus, was dazu sichtbar nur in Noten und Texten festgehalten ist: Musik öffnet unser Herz für das, was über uns hinausgeht: für das Transzendente, für das, was bleibt!
Und im Singen eignen wir uns den Zugang zu dieser Welt in besonderer Weise an. Darum verwundert es auch nicht, wenn Menschen zu allen Zeiten in der Musik geradezu einen „Gottesbeweis“ erkennen, eine Macht, die uns kreativ, glücklich und sogar auch wieder gesund machen kann. Darum lädt der vierte Sonntag nach Ostern mit dem Namen „Kantate“ (= Singt!) auch genau dazu ein: „Singt dem HERRN ein neues Lied, denn ER tut Wunder!“, heißt es im Wochenspruch aus Psalm 98,1.
Können Sie etwa nicht singen? Doch, in jedem Falle können Sie das! Sie müssen sich dazu nur von falschen Opernhaus-Sänger-Maßstäben verabschieden und sich am echten Fußball-Fan im Stadion orientieren. Oder eben an Herbert Grönemeyer und Udo Lindenberg. Und warum? Weil jede nicht perfekte Stimme immer näher am Leben dran ist, weil sie originell ist, einzigartig wie das Leben und eben von Herzen! Einstimmen ist eben mehr als nur zustimmen - darauf kommt es an.
Pfarrer Klaus-Hermann Heucher, Pfarrer.

