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Als Vikar verbringt man viele Wochen im Seminar für pastorale Ausbildung in Wuppertal. Theorie und Praxis wechseln sich dort munter ab. Unser letzter Block fiel allerdings etwas aus der Reihe: Das Thema „Spiritualität“ stand auf dem Programm. Die Dozierenden überraschten uns mit einer ungewohnten Aufgabe: Wir sollten im Park spazieren gehen - ganze zwei Stunden, jede und jeder für sich allein, in innerer Einkehr und Meditation.
Ich bin ehrlich: Mir kam das zunächst wie ein „Lückenfüller“ bis zum Abendessen vor. Nach den zwei Stunden dachte ich allerdings anders darüber. Wir wurden nämlich nicht uns selbst überlassen, sondern bekamen Meditationsfragen mit auf den Weg. Bei einer von ihnen blieb ich schließlich hängen: „Würde es in Ihrem Alltag einen Unterschied machen, wenn es Gott nicht gäbe?“
Der Theologe Dietrich Bonhoeffer hat einmal die These aufgestellt, dass die Christen in der Welt leben müssten, etsi deus non daretur („als ob es Gott nicht gäbe“). Bonhoeffer versuchte damals, nichtreligiös von Gott zu reden. Dieser wahrscheinliche Kontext der Frage war für mich in dem Moment allerdings nicht entscheidend. Stattdessen war ich höchst irritiert: „Leben, als ob es Gott nicht gäbe“ - mache ich das nicht ohnehin schon?! Gibt es sie nicht immer wieder, die Tage, an denen er – bis auf ein im Halbschlaf gesprochenes Vaterunser – in meinem Alltag so gut wie keine Rolle spielt? Die zwei Stunden im Park waren für mich ziemlich aufwühlend. Zurück im Seminar angekommen beschloss ich, das genaue Gegenteil zu versuchen, nämlich bewusst den Gedanken zu denken: „Was wäre, wenn es Gott gäbe?“
…
Gäbe es dann nicht jemanden, der mich im Innersten versteht - mit meinen Fragen und Zweifeln, meinen Ängsten und Sorgen, aber auch meinen Träumen und Hoffnungen?
Gäbe es dann nicht jemanden, für den ich mehr bin als meine Leistungen. Mehr bin als das, was andere in mir sehen oder ich selbst an Ansprüchen an mich stelle. Mehr bin als meine Verfehlungen oder meine Krankheit?
Gäbe es dann nicht jemanden, der diese Welt trägt und ihr letztlich ihren Sinn verleiht, auch wenn ich diesen nicht immer erkennen kann…?
Die gelegentliche Meditation der Frage „Was wäre, wenn es Gott gäbe?“ kann etwas Faszinierendes an sich haben. Sie ist wie ein Anstoß, das eigene Leben in einem neu-en Licht zu sehen. Welche Gedanken kommen ihnen hierzu? Vielleicht haben Sie ja in diesem Sommer ab und an Zeit für einen kleinen Spaziergang im Park…

