Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Worte der Besinnung für den 20. April 2024

Aleksej Heinz, Gemeindeleiter der Noahgemeinde Lübbecke

Wäre Jesus heute bei Instagram?

Auf den ersten Blick ist die Antwort einfach. Natürlich wäre er das. Jesus war es wichtig, bei den Menschen zu sein, sie mit seinen Lehren, Gedanken und Ideen zu erreichen. Ihm war es wichtig, voranzugehen und einzuladen, ihm nachzufolgen. An mehreren Stellen in der Bibel steht seine Einladung „Komm und folge mir nach“. Und wo findet man heute Menschen, die einem nachfolgen, also so genannte „Follower“? Laut Statistik nutzen ca. 30 Millionen Deutsche Instagram, es ist eine der fünf weltweit größten Angebote im Bereich sozialer Medien. Die Person Nummer 1 auf Instagram ist Christiano Ronaldo mit angeblich über 600 Millionen Menschen weltweit, die ihm folgen. Natürlich würde sich Jesus so eine Möglichkeit, Menschen zu erreichen und mit Ihnen Kontakt aufzunehmen, nicht entgehen lassen. Oder vielleicht doch?

Auf jeden Fall würde Jesus ziemlich viele Regeln brechen, die man bezüglich des Aufbaus der Follower, der Produktion von Inhalten und der Vergrößerung eigener Reichweite lernt. Jesus wäre mit Sicherheit unbequem, ihm wäre Wahrheit wichtiger als eigene Beliebtheit. Und vor allem würde er seinen Nachfolgern etwas abverlangen. Ein Beispiel? „Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“. Bei Instagram würde Jesus damit sicher sofort viele Follower verlieren. Wenn Nachfolge bedeutet, sich neu produzierte Inhalte anzusehen, diese zu kommentieren oder einfach zu liken und weiter zu klicken oder wenn sie bedeutet, jemanden, den man persönlich nicht kennt, aus der Ferne zu bewundern, dann wäre das Jesus wahrscheinlich unwichtig. Ist es denn bei ihm anders?

Das Wort Nachfolge wurde im Lauf der Geschichte immer wieder neu beleuchtet und gedacht. So kann es für Christen unterschiedliche Ausprägungen haben. Es gibt zwei zentrale Begriffe, mit denen man das Wort für nachfolgen übersetzen kann. Der eine Begriff ist mitreisen. Nachfolge bei Jesus ist eine persönliche Einladung, seine eigene Reise des Lebens mit ihm an der Seite zu verbringen. Der andere Begriff ist imitieren. Jesus braucht keine Likes und Kommentare, sondern Menschen, die wie er bereit sind, weg von sich selbst zu schauen, die Ängste, Sorgen und Nöte seiner Nächsten wahrnehmen und Werte wie Nächstenliebe, Mitgefühl, Demut oder auch Vergebung tatsächlich leben. Nachfolge kann große Taten nach sich ziehen, sie fängt aber mit kleinen Schritten im Alltag an. Folgt man Jesus nach, so sichert er in Johannes 8 zu, dass jeder, der ihm nachfolgt, nicht mehr im Dunkeln tappen, sondern das Licht und mit ihm das Leben haben wird. Ich weiß immer noch nicht mit Sicherheit, ob Jesus heute bei Instagram wäre, aber bei einer Sache bin ich mir recht sicher. Um es mit den Worten von Sören Kierkegaard zu sagen: „Jesus will keine Bewunderer, sondern Nachfolger.“


Aleksej Heinz, Gemeindeleiter der Noahgemeinde Lübbecke