Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke
  • Presbyterium: v.l.n.r. Renate Schillak, Christiane Lohmeyer (stellv.Vorsitzende), Inge Dennenmoser, Heinirch Nunnenkamp, Karin Rieke, Ewald Schwenzfeger, Gudrun Scholle (Kirchmeisterin) und Antje Tittmann. Vositzende Pfrn. Antje Kastens (feht leider auf dem Foto)
  • Der Altarraum in Pr. Oldendorf
  • Gospelwettbewerb in Pr. Oldendorf

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Pr. Oldendorf

"Konnte mich nur noch an Gott wenden"



Konzertlesung: Fünf Jahre nach seinem Unfall liefert Samuel Koch 800 Zuhörern in Pr. Oldendorf
eine schonungslose Selbstanalyse
von Imme LOhmeyer-lorek NW25.11

Pr. Oldendorf. Wie kann jemand, der in seinem früheren Leben als ambitionierter Geräteturner der Inbegriff der Beweglichkeit war und seit fünf Jahren querschnittsgelähmt ist, jemals seinen inneren Frieden finden? Diese Frage drängt sich förmlich auf im Falle von Samuel Koch, dessen Unfall 2010 bei "Wetten dass...?" sogar einen hartgesottenen Entertainer wie Thomas Gottschalk von der Bildfläche verschwinden ließ.

Und doch scheint das der Fall zu sein, wovon sich die rund 800 Besucher, darunter viele Jugendliche, in der ausverkauften St.-Dionysius-Kirche in Pr. Oldendorf überzeugen konnten. Fünf Jahre nach dem Unfall präsentierte Koch sein zweites Buch "Rolle vorwärts", eine Autobiografie vom Leben als Querschnittsgelähmter.

Samuel Koch und Samuel Harfst machten auf ihrer Tournee mit 15 Konzertlesungen auf Einladung der Stiftung zur Förderung der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Pr. Oldendorf wirklich den Eindruck, als seien sie echte Freunde, die gemeinsam durch viele Krisen gegangen sind. Die schon vor Kochs Unfall die Vorliebe für ein Lieblingslied teilten, das Harfst auch mit seiner dreiköpfigen Band spielte.

Zu Beginn schien es fast, als plauderten beide in ihrem Wohnzimmer über Kulturgeschehen, unter anderem Schillers "Räuber", und das Leben im Allgemeinen. Samuel Koch wirkte locker und ruhig, fast gelassen. Doch dann fanden die Fragen und die Nöte, die sich zwangsläufig aus Kochs Unfall ergaben, ihren Raum. Der Schauspieler las aus seiner Zeit in der Reha, in der er anderen Menschen in seiner Situation begegnete, wie der 15-jährigen Rebecca bei der Wassertherapie, die er zunächst wegen ihrer Fortschritte beneidete, die dann aber ihrem Tumorleiden erlag. Oder er berichtete vom unglaublichen Leiden auf der Intensivstation und der leisen Hoffnung, dass er wieder laufen könne und in die Natur rennen würde. Eine schonungslose Selbstanalyse.

"Irgendwann wurde mir klar, dass ich mich nur noch an Gott wenden konnte", sagte Koch und beantwortete damit die häufig gestellte Frage, was ihm Kraft gäbe. Er habe schließlich begriffen, dass er nur ein kleines Rädchen im riesigen Universum sei. Im Publikum herrschte betroffenes Schweigen. Bewundernswert, dass es für ihn immer noch genügend Dinge gibt, für die er danken kann. Er sei weiterhin neugierig aufs Leben und auf die Menschen, denen er noch begegnen wird, endete Koch seinen Vortrag, der fast wie ein Gebet ausklang.

Während Koch das erste Mal in Pr. Oldendorf war, war sein Namensvetter bereits im Vorjahr mit seiner Band im Gemeindehaus zu Gast. Mit seiner von tiefem Glauben geprägten Musik unterstrich er die Aussagen Kochs. Nicht nur der Klassiker "Wunder", der beide Freunde einst zusammenführte, ging in seiner Aufrichtigkeit unter die Haut. Auch die schlichten Liebeslieder wie "Mit dir kommt der Sommer" oder das Lied an die tote Geliebte waren Perlen lyrischen und musikalischen Empfindens.

Gemeinsam mit Bruder David Harfst an den Schlaginstrumenten und Dirk Menger am Klavier und am Cello war die Band ein eingespieltes Team. Raffinierte Lichteffekte steigerten noch das Konzerterleben, für das die Zuhörer teils von weit entfernt angereist waren. Der sagenhafte Applaus am Ende und auch zwischen den einzelnen Szenen zeigte, dass Kochs Thematik noch immer ein breites Publikum interessiert.