Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Nettelstedt

Größe:  km²
Gemeindemitgliederzahl:  1704 (Juni 2016)

Gemeindebüro
Frau Annette Depping
Am Kindergarten 3
32312 Lübbecke
Tel.: 05741/6202
Fax: 05741/6204

nettelstedt@kirchenkreis-luebbecke.de

Öffnungszeiten des Gemeindebüros: Dienstag, Donnerstag + Freitag: 9.00 - 12.00 Uhr,  Mittwoch: 16.00 -18.30 Uhr

Gottesdienst : Sonntag 9.30 Uhr

 


Kirche in Nettelstedt

Kirchenmusik:
Horst Helmich - Kantor
Liga Kravale-Michelsohn - Chor Ouerbeet

Pfarrerin:

Britta Mailänder, Kirchstr. 2, 32312 Lübbecke, Tel. 05741/2349870, E-Mail: britta.mailaender@t-online.de


Jürgen Giszas, Gustavstr. 29, 32312 Lübbecke, Tel. 05741/809990, Fax: 05741/909976, E-Mail: juergen.giszas@kirchenkreis-luebbecke.de

Presbyterium:

 


vlnr:
Susanne Öwermann-Röding, Sandra Weber, Kerstin Rabe, Wilfried Röwekamp, Helga Lömker, Herbert Steinmeier, Sascha Wegener, Pfarrerin Britta Mailänder

Tageseinrichtung für Kinder
Ev. Kindergarten „Wannewupp“ in Nettelstedt
Am Kindergarten 5
32312 Lübbecke
Ev. Kindergarten Wannewupp, Leitung: Christina Nieschalk, Am Kindergarten 5, 32312 Lübbecke, Tel. 05741/6656, E-Mail: kiga.wannewupp@kirchenkreis-luebbecke.de

 

ein Friedhof in Nettelstedt

Karte Nettelstedt


Evang.-Luth. Kirchengemeinde Nettelstedt

Kirchstrasse 2
32312 Lübbecke
Tel: 05741/6202

Ev. Kindergarten „Wannewupp“

Am Kindergarten 5
32312 Lübbecke - Nettelstedt
Tel: 05741 - 6656

„Alt werden, wo das Herz schlägt.“

Selbtbestimmt wohnen und leben


Bild: Scheele

„Alt werden, wo das Herz schlägt.“

Christine Scheele

Auftaktveranstaltung für ein Projekt Wohnen im Alter in Nettelstedt.

„Alt werden, wo das Herz schlägt.“, so fasste Lutz Schäfer von der Diakonie das Projekt zusammen und beschrieb die Möglichkeiten ambulanter Hilfe durch die Diakonie. Ziel der Veranstaltung war es, die Nettelstedter für das Thema zu sensibilisieren und zugleich auf Möglichkeiten hinzuweisen, solche Vorhaben in die Tat umzusetzen. Wilfried Röwekamp, Initiator des Projektes, war sehr zufrieden mit der Resonanz: „Wir haben schon acht Menschen, die großes Interesse zeigen.“ Auch Achim Grube von der GBSL wies auf Möglichkeiten hin, wie z. B in Lübbecke[,] Wohnen im Alter realisiert werden konnte.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand aber der Vortrag von Henning Scherf. Der ehemalige Bürgermeister von Bremen (78) erzählte von seinem 30-jährigen WG-Leben in der Hansestadt. Konkret und liebevoll berichtete er von dem gemeinsamen Leben, von den Schwierigkeiten, aber vor allem von der Bereicherung, die das gemeinsame Leben bringt. Es gebe viele Gründe, um das Leben im Altere in einer WG zu führen. Zum einen leben im Deutschland 50% Singles, gemeinschaftliches Wohnen sei eine sinnvolle Alternative zum Alleinleben. Darüber hinaus möchten die Menschen soweit es geht, selbstbestimmt leben. Es gebe im Moment 30000 Projekte zu diesem Thema in Deutschland. Das sei sehr ermutigend und zeige, dass viele Menschen sich schon auf den Weg gemacht hätten, und zwar in den Städten und auf dem Land. Scherf habe sich mit anderen zusammengetan, die je nach Möglichkeiten den Umbau des Hauses in Bremen finanziert hätten. Kredite wurden abbezahlt und gemeinsames Leben praktiziert. „Jeder hat einen eigenen Bereich. Und jeder kann für andere kochen“., betonte Scherf. Das gemeinsame Frühstück habe sich nicht bewährt, da die Menschen sehr unterschiedlich seien. Dennoch treffe man sich einmal in der Woche zum gemeinsamem Essen und Austausch. Man fahre einmal im Jahr gemeinsam in Urlaub, mache Radtouren und habe auch so viel gemeinsame Zeit. Dazu gehöre auch das gemeinsame Pflegen sterbender Mitbewohner: „Das haben wir auch geschafft.“ Wichtig sei es, rechtzeitig mit anderen Menschen darüber zu sprechen und nach Möglichkeiten zu suchen, wie ein Projekt möglich werden könnte.

Wilfried Röwekamp ist sich da ganz sicher: „Mit Gottes Segen gelingt ein solches Projekt auch in Nettelstedt. Viele Nettelstedter wollen alte werden, wo das Herz schlägt. Und das ist in Nettelstedt.“ 

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Wohnen im Alter: Henning Scherf spricht über sein Leben in der Wohngemeinschaft. In Nettelstedt wird an der Stillestraße ein Projekt geplant, in dem das gemeinschaftliche Wohnen im Mittelpunkt steht

Von Karsten Schulz

Lübbecke-Nettelstedt. Pfarrerin Britta Mailänder stand im Nettelstedter Gemeindehaus und begrüßte jeden Besucher freundlich. Gleich hinter ihr kam ein großer schlanker Mann auf die Interessierten zu. "Ich freue mich über so viele Menschen hier in der Kirche." Es ist Henning Scherf, einstiger Regierender Bürgermeister von Bremen, der ganz persönlich auf die Nettelstedter zuging. Einige nahm er sogar in den Arm - kommunikativ, warmherzig, so gar nicht wie man sich einen kühlen Norddeutschen vorstellt. Möglicherweise färbt da sein eigenes Lebensumfeld ab, das er sich mit seiner Frau und engen Freunden eingerichtet hat: eine selbstbestimmte Wohn- und Lebensgemeinschaft in Bremen.

»Eine Wohnform, die uns Menschen gerecht wird«

"Das ist eine Wohnform, die uns Menschen gerecht wird", hatte Pfarrerin Mailänder noch zur Begrüßung in Richtung Scherf vermutet. Es sei in Bremen etwas "Lebenswertes und Reizvolles" entstanden. Seit 1987 lebt und arbeitet Scherf in dieser "Hausgemeinschaft mit Freunden".

Mit strahlenden Augen und voller Überzeugung berichtete der ehemalige SPD-Politiker über seine langjährigen Erfahrungen. Beispielsweise von einem Freund, der mit 620 Euro Bezügen monatlich mit ihnen zusammen in einem eigenen kleinen Appartement lebt und die gleichen Rechte und Pflichten wie alle anderen hat. "Er ist eine Seele unserer Gemeinschaft. Vor allem die Kinder lieben ihn", sagte Scherf. Der ehemalige Bürgermeister ist mit seiner Frau inzwischen 56 Jahre verheiratet und wohnt in Bremen in einer eigenen knapp 90 Quadratmeter großen Wohnung in der Hausgemeinschaft. Doch auch er rückt mit allen zusammen, wenn zu Weihnachen 20 zusätzliche Menschen zu Besuch kommen. "Das ist dann wie ein großes Matratzenlager bei uns, wie eine Flüchtlingsunterkunft. Aber wir fühlen uns alle wohl", erzählt er und greift dabei mit seinen Armen in den Kirchenraum hinein, so als wolle er alle dort Sitzenden umarmen. Ursprünglich hatten sie einmal in der Gemeinschaft sieben Autos, jetzt kommen alle mit einem zurecht. Die Gruppe ist langsam gewachsen, sieben unterschiedliche Wohneinheiten, die miteinander verbunden sind, bilden die Wohngemeinschaft. Regelmäßig kommen alle zu Besprechungen und gemeinsamen Essen zusammen. Es gibt Räume für Treffen, jeder kann sich aber auch zurückziehen, wenn er es möchte. Selbstbestimmt leben, das ist das Ziel. Große Heime und Einrichtungen findet Scherf schrecklich. "Ich war mal in einem Haus, da waren 800 Menschen untergebracht. Fürchterlich."

Inzwischen habe sich auch in Deutschland die Einstellung gewandelt. Gemeinschaftliche Wohnformen würden stärker unterstützt und gefördert. Gut so. Er wisse von 3.000 Projekten in Deutschland. Das "Nationale Forum" in Hannover gebe darüber Auskunft.

Er freue sich, dass jetzt auch in Nettelstedt etwas derartiges entstehen soll. Hauptinitiator Wilfried Röwekamp, Kirchmeister der evangelischen Kirchengemeinde, freute sich, dass es bereits eine Gruppe von acht Interessenten gebe. Jetzt gehe es darum, eine Projektgruppe ins Leben zu rufen, die "etwas gemeinsam auf den Weg bringt". Mit dabei ist das Lübbecker Wohnungsunternehmen GBSL und das Diakonische Werk im Kirchenkreis. Vorgesehen ist ein Projekt mitten im Nettelstedter Ortskern an der Stillestraße.

Neue Westfälische vom 12. November 2016