Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Gioachino Rossini (1792-1868), Petite Messe solennelle

St.-Andreas-Kirche Lübbecke - Sonntag, 6. Oktober 2019 - 18 Uhr

 

Gioachino Rossini (1792-1868), Petite Messe solennelle


Hanna Zumsande, Sopran - Anna Schors, Alt - Mirko Ludwig, Tenor - Hinrich Horn, Bass
Klavierduo Gründling - Christoph Grohmann, Harmonium - Kantorei an St. Andreas Lübbecke - Leitung: Heinz-Hermann Grube

Eintrittspreise: 18,- € (nummerierte Plätze), 12,- €/8,- € (nicht nummerierte Plätze)

„Das ist keine Kirchenmusik für euch Deutsche, meine heiligste Musik ist doch nur immer semi seria“, sagte Rossini einst zu Eduard Hanslick.

Natürlich, man könnte die Musik Rossinis aufs „Opernhafte“ reduzieren und den tiefen Ernst in seiner Musik überhören.

Man könnte ebenfalls mit einstimmen ins Lamento über „uns Deutsche“, die sich stets so ernst und verkniffen geben und in der Tat im Blick auf geistliche Musik Phasen strikter Reglementierung gekannt haben.

Auch könnte man die „Heiterkeit“ in Rossinis Messe mit Unernsthaftigkeit und Oberflächlichkeit verwechseln. Der deutsche Musikjournalist August Wilhelm Ambros beteuert darum: „Es war ihm Ernst, aber sein Ernst war eben Heiterkeit aus einem durch und durch liebenswürdigen Gemüth“. Rossini selbst scheint das Problem erkannt zu haben, geht darauf aber ebenfalls „semi seria“ ein: „Lieber Gott – voilá, nun ist diese arme kleine Messe beendet. Ist es wirklich heilige Musik, die ich gemacht habe oder ist es vermaledeite Musik? Ich wurde für die Opera buffa geboren, das weißt du wohl! Wenig Wissen, ein bisschen Herz, das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies.“

Ich möchte aber gerne in Rossinis Musik eine Heiterkeit hören, die der berühmte Kirchenlieddichter und Zeitgenosse Rossinis Philipp Spitta „Glaubensheiterkeit“ genannt hat. „Gott singen und loben und die Menschen erfreuen, wie die Lerche in der Luft und die Nachtigall auf dem Baume, das ist eine feine, lustige Kunst, die hat von Moses und David bis auf Luther, Paul Gerhardt und Claudius immer ihre Schüler und Freunde gefunden, und weil es eine feine Kunst ist, die weder Gott und Menschen verbieten, so übe ich sie auch, versteht sich – wie mir der Schnabel gewachsen ist…“

Da drücken zwei Große des beginnenden 19. Jahrhunderts, die eigentlich überhaupt nichts miteinander zu tun haben, im Blick auf ihren Glauben Ähnliches aus. Warum? Beide spüren, dass in der Freiheit der Kunst sich die Freiheit des Glaubens widerspiegelt. Ja, dass ein Leben, das sich geborgen unter Gottes Schutz weiß, unbeschwert mit allen Mitteln singen, dichten, tanzen, spielen kann und darf.

Also macht uns Rossini mit seiner Messe ein wunderbares Geschenk. Er lässt uns teilhaben an seiner Heiterkeit und macht aus uns eine Gemeinschaft der Vergnügten.