Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Worte der Besinnung für den 23. April 2022

Pfarrerin Sigrid Mettenbrink

Wem gehört das Grab? Beim Weg über unseren Friedhof kommt mir diese Frage manchmal in den Sinn. Ich bleibe stehen. Lese einen Namen. Sehe Geburtsdatum und den Todestag. Erinnere mich an einen Menschen, den ich noch kannte oder den ich selbst beerdigt habe. Manche Namen sind mir fremd, lebten vor meiner Zeit als Pfarrerin in Oppenwehe und Levern.
Wem gehört das Grab? Beim Weg über die österlich geschmückten Friedhöfe zu unseren Liebe, sind Sie sicher auch schon mit dieser Frage stehengeblieben.
Das Grab Jesu nahe Jerusalem gehörte ursprünglich dem wohlhabenden Josef von Arimathea. Er hatte veranlasst, Jesus in seiner Grabeshöhle auf seinem Land beisetzen zu lassen. Jesus wurde auf seinem Grund und Boden beerdigt.
Was jetzt folgt, wissen wir. Drei Tage später ist das Grab leer. Die Frauen berichten, Jesus ist wahrhaftig auferstanden.
Das leere Grab wurde im Laufe der Zeit nicht unwichtiger. Im Gegenteil, es bekommt eine besondere Bedeutung.
Menschen sind dem Auferstandenen begegnet. Das leere Grab wurde seitdem nie wieder belegt. Es bleibt leer. Der Stein bleibt weggerollt Ein Stück Grund und Boden zwischen allen Gräbern, dass frei bleibt.
Wem gehört das leere Grab?
Ich glaube, das es wichtig sein könnte, sich mit dieser Frage zu beschäftigen.
Es gibt ein leeres Grab zwischen allen Gräbern, die Namen tragen. Ein leeres Grab zwischen all den Gräbern dieser Welt. Das leere Grab Jesu ist zwischen all dieser Not und allem Leid in dieser Welt, eine Leerstelle.
Dieses Stück Erde kann keiner einnehmen. Er gehört allein Gott und seiner Liebe. Er gehört keiner Nation, keiner Kirche, keiner Theologie, keiner Interpretation, keinem Paradigma, keiner Hermeneutik.Es ist ein Ort mit eigener Wahrheit.
Dieser Ort verkauft sich für keine Währung . Es ist Grund und Boden, auf dem wir selbst frei sind.
Unser Glaube, der das leere Grab ernst nimmt, ist eine innere Bewegung. Es geht nicht nur um ein vergangenes historisches Ereignis. Es geht um einen inneren Ort, der sich mit der Kraft des leeren Grabes verbindet. Es geht um ein neues Bewusstsein, das Gottes universale Liebe, etwas Konkretes in unserem Leben ist, die zum Leben und Frieden anstiftet. Es geht darum, dass wir den Namen Jesu nicht belanglos nennen, sondern lernen von seinem Kraftfeld zu nehmen und uns Zeit nehmen, in ihm zu ruhen. Ostern ist noch mehr als Weihnachten ein Fest, dass uns spirituell herausfordert. An Ostern lernen wie, dass Gott nicht nur Mensch wird, sondern dass er uns ins Jesus einen Ort schenkt jenseits des Todes.
Es geht nicht darum einen Standpunkt einzunehmen, den man verteidigt, sondern einen Ort des Lebens mit anderen zu teilen.
Das leere Grab gehört allen, die nach dem Leben suchen. Es gehört allen, die sich in diesen Tagen, für das Leben einsetzen.
In vielen Orten und Häusern unseren Gemeinden feierten unsere ukrainischen Gäste, Frauen und Kinder ihr erstes Osterfest bei uns.
Ihnen gilt heute besonders unsere Hoffnung und unser Glaube.
Wir können in dieser Welt nur auf das Leben und Frieden vertrauen, wenn in uns selbst Leben und Frieden ist.
Möge das leere Grab Jesu in uns bleiben, als ein Ort, der uns zum Leben zieht, uns selbst lebendig macht und die Hoffnung auf Leben und Frieden an allen Orten dieser Welt nie begraben lässt.

Mit österlichen Grüßen- besonders an alle ukrainischen Gäste in unserem Kirchenkreis Lübbecke,


Ihre Pfarrerin Sigrid Mettenbrink
( Pfarrerin in Levern und Oppenwehe)