Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Kirche als Ort der Begegnung

Alexander Kröger


Dr. Martina Aras (36), im Hintergrund die St.-Andreas-Kirche in Lübbecke.
 

Lübbecke, den 17. August 2026

Seit dem Sommer verstärkt Dr. Martina Aras den Evangelischen Kirchenkreis Lübbecke. Im Rahmen einer auf drei Jahre angelegten Projektstelle widmet sie sich den Schwerpunkten Ökumene, interkulturelle Theologie, kulturelle Vielfalt und Frauenseelsorge.

„Mir ist es wichtig, dass Kirche Begegnungen ermöglicht und Menschen einen Ort bietet, an dem sie sich willkommen, angenommen und zugehörig fühlen. Außerdem möchte ich dazu beitragen, interkulturelle Vielfalt zu fördern und Frauen auch in schwierigen Situationen seelsorglich zu begleiten“, erzählt Martina Aras. Ihr persönliches Engagement und der Lebensweg der syrisch-orthodoxen Theologin sind eng mit ihrer eigenen Familiengeschichte verbunden.

Ihre Eltern mussten in den 1980er-Jahren aufgrund ihres christlichen Glaubens ihre Heimat in der Südosttürkei verlassen und nach Deutschland fliehen. Als Christen konnten sie ihren Glauben dort nicht frei leben und waren Repressionen ausgesetzt. Diese Erfahrungen prägten auch ihre in Deutschland geborene Tochter.

Schon früh beschäftigte Martina Aras die Frage, was es bedeutet, für den eigenen Glauben einzustehen – und die Erkenntnis, dass Religionsfreiheit keineswegs selbstverständlich ist. Auch in Deutschland erlebte sie schon als Jugendliche, dass ihr christlicher Glaube nicht selbstverständlich wahrgenommen wurde. Aufgrund ihres Aussehens hätten Menschen ihr häufig nicht geglaubt, dass sie Christin sei. „Ich wuchs damit auf, meinen christlichen Glauben immer verteidigen zu müssen. Das war anstrengend, aber zugleich auch sehr prägend“, erzählt die 36-Jährige.

Diese Erlebnisse prägten auch ihre Berufswahl. Zunächst studierte sie Katholische Theologie und Germanistik auf Gymnasiallehramt. Während eines Studienjahres in Wien beschäftigte sie sich intensiv mit Ostkirchenkunde und Ökumene, also mit der Einheit und Zusammenarbeit der verschiedenen christlichen Kirchen. Ein Forschungsaufenthalt führte sie zudem nach Oxford, wo sie unter anderem ihre Kenntnisse über die Traditionen der orientalisch-orthodoxen Kirchen vertiefte. Anschließend promovierte sie in Systematischer Theologie zum Thema „Glaube und Heilung aus der Perspektive der syrischen Kirchenväter“.

Erste berufliche Erfahrungen sammelte Aras beim Erzbistum Paderborn und an der Theologischen Fakultät Paderborn. „Inhaltlich lagen meine Schwerpunkte hier vor allem auf Orthodoxie und Ökumene sowie auf Migrationskirchen“, erzählt die Theologin.

Auch über ihre berufliche Tätigkeit hinaus engagiert sie sich für die Zusammenarbeit der christlichen Kirchen. Im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Nordrhein-Westfalen (ACK NRW) vertritt sie die orientalisch-orthodoxen Kirchen. Zudem gehört sie dem Wissenschaftlichen Beirat der Syrisch-Orthodoxen Kirche an.

„Das Schöne an Ökumene ist für mich, dass der Dialog immer auch ein Ort konkreter Solidarität ist. Hier begegnen sich Menschen unterschiedlicher Konfessionen, um gemeinsam Verantwortung für unsere Welt und die Herausforderungen unserer Zeit zu übernehmen“, sagt Aras.

Mit ihrem Engagement im Evangelischen Kirchenkreis Lübbecke bringt sie nun ihre Expertise und ihre persönlichen Erfahrungen in die ländlich geprägte Region rund um das Wiehengebirge mit ihren Städten, Gemeinden und Dörfern ein. Ideen, um hier interkulturelle Begegnungen zu fördern, hat sie viele. Dabei geht es ihr auch darum, Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und Erfahrungen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Zum Beispiel lädt sie für Montag, 28. September 2026, von 16 bis 18 Uhr zu einem biografischen Schreibworkshop in das Thomas-Zentrum in Espelkamp ein. Die Teilnehmenden erhalten Anregungen und Hilfestellungen, um persönliche Erinnerungen und Erlebnisse zu Papier zu bringen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Anmeldungen sind bis zum 15. September per E-Mail möglich: martina.aras@ekvw.de.