Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Das Wandelröschen

Pfarrer Steffen Bäcker

Zu meinen Lieblingsblumen im Sommer in unserem Garten gehört das Wandelröschen. Es hat schöne Blüten, es duftet zart und es ist eine Freude für die Insekten.
Das Wandelröschen kommt aus den Tropen, deshalb kann es im Winter nicht draußen bleiben. Es muss in unserer Garage überwintern. Doch dort fehlt ihm fast alles, was es zum Leben braucht, vor allem: Wärme und Licht. Nur für Wasser kann ich sorgen. Ausgangsperre für das Wandelröschen sozusagen.
Das Wandelröschen wirft alle Blätter und Blüten ab. Anders als bei unseren Laubbäumen im Wald ist das für das Wandelröschen eine reine Notmaßnahme. Eigentlich würde s das ganze Jahr über Blätter und Blüten haben – wenn es nicht in der kalten, dunklen Garage stünde. Aber da muss es ja hin, sonst erfriert es.
Vor ungefähr einer Woche habe ich nun mein Wandelröschen aus der Garage geholt und es in unser Wohnzimmer gestellt. Nicht gerade ein Zierde, so ein kahles Gewächs. Aber schon nach gut einer Woche passiert etwas Wunderbares: Mein Wandelröschen treibt ganz kleine, zarte, grüne Triebe. Die Not ist überwunden, es kann wieder wachsen mit Wasser, Licht und Wärme.
Wen ich es im Mai auf die Terrasse stelle, dann braucht mein Wandelröschen noch ein bisschen, um sich an die „echte“ Sonne draußen zu gewöhnen. Aber ich habe die Hoffnung, dass es dann wieder blühen wird. Denn die Not ist vorbei.
Manchmal kann auch ein Wandelröschen predigen!


Steffen Bäcker, Pfarrer in Bad Holzhausen und Börninghausen