Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Die Auftaktveranstaltung zur Entwicklung des Konzepts



Hier finden Sie auf unserer Facebookseite ein Video, in dem Superintendent Dr. Gryczan die Anwesenden in Espelkamp begrüßt.



Aufbruch zu neuen Wegen - Startschuss für die Erarbeitung einer Kirchenkreiskonzeption mit Tagung im Ludwig-Steil-Hof erfolgreich gefallen

Anja Schubert

Espelkamp. „Es herrscht eine Aufbruchsstimmung“, freute sich Dr. Uwe Gryczan zu Beginn der Auftaktveranstaltung zur Erstellung einer Kirchenkreiskonzeption für den Kirchenkreis Lübbecke. Rund 120 Engagierte aus allen Gemeinden des Kirchenkreises hatten am Samstag den Weg zu der Großveranstaltung auf dem Gelände des Ludwig-Steil-Hofes in Espelkamp gefunden. Auch rund sieben Stunden später hatte der Superintendent des Kirchenkreises noch immer Grund zum Strahlen. „Dieser Auftakt ist sehr positiv verlaufen. Es hat viele Anregungen und Impulse gegeben, es ist ganz viel entstanden.“ Die Menschen aus den verschiedenen Regionen und Arbeitsbereichen seien durch die gewählte Methodik der Veranstaltung ins Gespräch gekommen, hätten sich in Kleingruppen kennen gelernt und ausgetauscht. „Angesichts dieser Fülle ist nun erst einmal eine längere Nacharbeit und Auswertung erforderlich.“ Damit der arbeitsintensive Prozess reife Früchte trägt, habe man sich mit den Pfarrern Norbert Deka(Gelsenkirchen) und Rüdiger Simoneit (Münster) zwei erfahrene Gemeindeberater zu Seite geholt. „Die beiden wissen wie Kirche tick und sind als externe neutral.“ Eintragfähiges Konzept soll bis zum Jahr 2018 erarbeitet sein.

Gryczan freute sich, dass auch anfängliche Skeptiker mittlerweile mit Blick auf eine zukunftsfähige Kirche bereit seien, sich und ihre Vorstellungen einzubringen. „Wir wollten mit dieser Veranstaltung motivieren, wollen noch einmal erläutern, warum dieser arbeitsintensive Prozess der Erstellung einer Kirchenkreiskonzeption notwendig ist. Vor allem wollen wir zunächst das Gemeinschaftsgefühl stärken. Denn wenn man gemeinsam ein gemeinsames Konzept entwickelt, muss man sich persönlich besser kennen lernen, die eigenen Ängste, Hoffnungen, Wünsche und Ideen austauschen und die Sorgen, Nöte und Vorschläge des Gegenübers ernst nehmen.“ Dies schien am Samstag rundherum gelungen.

Nach einführenden, motivierenden Worten des Superintendenten, des ehrenamtlichen Synodalvorstandsmitgliedes Henning von Eichel-Streiber und den „Hardfacts“ von Verwaltungsleiterin Elisabeth Halwe-Grote, die eine Handlungsnotwendigkeit untermauerten, sollten im Verlauf des Tages in gruppendynamischen Prozessen folgende Punkte erabeitet werden: Wo und wie schlagen die Herzen der Menschen, die dem Kirchenkreis ihr Gesicht verleihen? Die Erkundung der Stärken und Probleme der unterschiedlichen Arbeitsbereiche in den einzelnen Gemeinden sowie das Zusammenführen von „Hardfacts“, Prognosen und Problemfeldern vor dem Hintergrund der Stärken- und Ressourcennutzung zur Erstellung eines tragfähigen Programms.
Vier Querschnitte beleuchtet:
Aus der Fülle an Aspekten bildeten sich im Rahmen der Gruppenarbeiten vier Querschnittsthemen heraus: „Visionen und Stärken“, das Thema „Gebäude“ sowie der „finanzielle Aspekt“ und vor allem das Thema „Menschen, die in der Kirche mitarbeiten“.

Das Thema „Visionen und Stärken“ im Querschnitt habe gezeigt, dass Kirche im Kirchenkreis Lübbecke vor Ort in den Gemeinden sehr präsent sei. „Es gibt dort viele Stärken, die es gilt, über die Gemeindegrenzen hinweg zu transportieren, damit all unsere Gemeinden davon profitieren. Wir müssen diese Schätze teilen und mitteilen.“ Man könne von einander lernen und so Überlastungen vermeiden. „Es wird jedoch hier und da auch liebgewordenes geben, auf das in Zukunft verzichtet werden muss“, so Gryczan, sich der damit verbundenen Trauer bewusst.
Bezüglich der Finanzthematik wertete Gryczan die derzeitige Phase als eine, in der trotz Abwärtsbewegung noch Raum zum Luftholen sei. „Wir müssen diese Gelegenheit nutzen, um die Weichen für die Zukunft neu zu stellen.“ Das bedeute neben der Prüfung der Schlüsselaufteilung auch das Nachdenken über die Stärkung der Einnahmesituation jenseits der Kirchensteuer. „Das können Spenden und Fundraising, aber vielleicht auch neue Modelle sein, die wir im Moment noch überhaupt nicht vor Augen haben.“

Thema „Gebäude“: „Auch trotz enger werdender Finanzen brauchen Gemeinde einen Identifikationspunkt für ihren Glauben“, so Gryczan zu dem sich herauskristallisierenden Gefühl. Die Kirche im Dorf als auch in der Stadt gebe den Menschen und insbesondere den Gemeindemitgliedern ein Heimatgefühl. Hinzu komme die historische Bedeutung der Gotteshäuser, die heutzutage vielfach unter Denkmalsschutz stünden. „Die Frage der Wirtschaftlichkeit darf jedoch nicht außen vor gelassen werden.“

Besonders spannende Akzentsetzungen hätten sich beim Themenquerschnitt „Menschen, die in der Kirche arbeiten“ ergeben. „Was eine Gemeinde braucht, sind Gesichter, sind Menschen, die sich mit ihrer Arbeit identifizieren. „Vor Ort in den einzelnen Gemeinden, aber auch zentral wie beispielsweise beim KonfiCastle, der großen Konfirmandenfreizeit von sechs Gemeinden, bei dem Kräfte fruchtbringend gebündelt werden. Sich kennen und einander vertrauen sei für solche eine Kooperation eine grundlegende Voraussetzung. „Kommunikation und Transparenz seien das A und O um gemeindeübergreifend Erfolg zu haben. Und mit 2500 Ehrenamtlichen und 500 Hauptamtlichen habe man ein Riesenteam von Menschen, das etwas bewegen könne. Ein Stadt-Land denken unter den Teilnehmern sei bereits bei der Einstiegsrunde nicht sonderlich herausgestochen. „Die in der Stadt Engagierten zeigten ebenso Einfühlungsvermögen und Verständnis für die Situation auf dem Lande wie anders herum.“

Nach Auswertung der Ergebnisse der Auftaktveranstaltung werde es voraussichtlich im Januar eine zweite große Zusammenkunft aller Mitarbeitenden geben, kündigte Gryczan an. Dann stehe die Leitbildentwicklung im Mittelpunkt. „Es gilt zu klären auf welcher biblischen Grundlage wir zukünftig arbeiten wollen. Dafür kann eine biblische Geschichte oder eine Figur aus der Bibel – wie das Bild des guten Hirten – eine entsprechende Basis sein.“

Auch nach der Auftaktveranstaltung könnten Interessierte noch zum Kreis der Mitarbeitenden hinzustoßen. „Vielleicht fühlt sich der eine oder andere in seinem Metier angesprochen, sich konstruktiv in den Entwicklungsprozess einzubringen.“ Daher sollen die Ergebnisse der Auftaktveranstaltung auch transparent in die Gemeinden kommuniziert werden. „Das Thema Kommunikation wird darüber hinaus ein weiteres sein, dass uns unter dem Aspekt der Mediennutzung im Hinblick auf die Zukunft vertieft beschäftigen wird“, so Gryczan mit Blick auf die Nutzung sozialer Netzwerke.








Kirchenkreis schmiedet Zukunftspläne  Erstes Konzeptionstreffen am Ludwig-Steil-Hof in Espelkamp

Von Cornelia Müller (ein Artikel aus dem Westfalen-Blatt von Montag, dem 19. September 2016)

Espelkamp(WB). Der Evangelische Kirchenkreis Lübbecke macht sich fit für die Aufgaben der Zukunft. Am Samstag fiel der Startschuss für den Prozess der Erstellung einer Kirchenkreiskonzeption.

»Wo stehen wir?«, »Wo wollen wir hin?« und »Wie können wir unsere Ziele konkret umsetzen?«: So lauten die Fragestellungen, mit denen sich der Kirchenkreis bis zum Frühjahr kommenden Jahres in drei Planungsrunden auseinandersetzen will.
»Wir haben die Aufgabe, den Menschen das Evangelium nahezubringen. Aber die Rahmenbedingungen ändern sich und darauf müssen wir reagieren. Deshalb wollen wir uns mit einer neuen Konzeption auf den Weg machen«, sagte Superintendent Dr. Uwe Gryczan.
Zwei Grundprobleme machten den Kirchengemeinden vor allem zu schaffen: die drohende Überforderung von Haupt- und Ehrenamtlichen und die finanzielle Situation. »Im Moment sprudeln zwar die Kirchensteuern, aber das ist nicht mehr als eine willkommene Erholungspause im allgemeinen Abwärtstrend. Wir haben etwa 20 Prozent weniger zur Verfügung als vor 25 Jahren. Wenn man den Kaufkraftverlust einrechnet, sind es sogar mehr als 30 Prozent«, hob Dr. Uwe Gryczan hervor.
Konzentration auf das Wesentliche sei das Gebot der Stunde. »Wir müssen uns fragen: Was können wir gut? Wo sind wir stark? Was wollen wir unbedingt erhalten? Und was können und müssen wir in Zukunft aufgeben?«
Zur Auftaktveranstaltung im Ludwig-Steil-Hof trafen sich 80 Haupt- und Ehrenamtliche und erstellten in unterschiedlichen Arbeitsgruppen so etwas wie eine Momentaufnahme der Situation im Kirchenkreis. Stichwort Gebäude: »Den Menschen im Kirchenkreis liegt viel an den Kirchen und Gemeindehäusern. Sie sollten wenn möglich erhalten werden: Gebäude zu schließen bedeutet Trauerarbeit«, fasste Pfarrer Roland Mettenbrink die Ergebnisse seiner Arbeitsgruppe zusammen.
Stichwort Personal: Kirchengemeinden bräuchten Menschen mit theologischer und seelsorgerlicher Kompetenz, sie bräuchten verlässliche Ansprechpartner. Aber nicht alles müsse in jeder Kirchengemeinde vorgehalten werden: »Es muss nicht immer das Gemeindebüro vor Ort sein, es kann auch mal eine Whatsapp-Gruppe sein«, resümierte Pfarrerin Katrin Berger.
Stichwort Finanzen: Das Thema dürfe zwar nicht aus den Augen verloren werden, dürfe bei der Erstellung einer Konzeption, deren eigentliches Ziel das Weitertragen des christlichen Glaubens sei, aber auch nicht im Vordergrund stehen. Dennoch müsse man in Zukunft vermehrt über die Einnahmenseite, nicht nur über die Ausgabenseite nachdenken, empfahl Jörg Halstenberg. Außerdem müsse man eine grundsätzliche Entscheidung treffen, wie man damit umgehen will, wenn das Geld knapper wird: »Rasenmäher oder Prioritätenliste«.
Die vierte und letzte Arbeitsgruppe befasste sich mit den Stärken der evangelischen Kirche im Kirchenkreis. An erster Stelle nannte Sprecherin Ingrid Hölscher: »Wir sind noch vor Ort.« Außerdem könne der Kirchenkreis stolz auf seine große Vielfalt sein. Aber auch Verbesserungswürdiges fand die Arbeitsgruppe, allem voran die Kommunikation, sowohl untereinander als auch nach außen.
Der weitere Fahrplan sieht vor, dass sich ein zweites Treffen im Januar, das auf diesen Ergebnissen aufbaut, mit der Erstellung eines Leitbildes befasst. Im März geht es dann um die Konkretisierung in einer »Zukunftswerkstatt«. Mit der Auftaktveranstaltung war Superintendent Gryczan schon sehr zufrieden: »Es hat viele kreative Ansätze gegeben: Das wird ein sehr lebendiger Prozess.«














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