Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Wenn das Krankenhaus zur Gemeinde wird

Karsten Schulz


 Pfarrerin i. R. Christine Scheele (v. l.), Pfarrer Hagen Schilling, stellv. Superintendentin Barbara Fischer, der neue Krankenhausseelsorger Steffen Bäcker und der Ärztliche Direktor Dr. Bernd Wejda waren beim Einführungsgottesdienst dabei. 

Lübbecke, den 21. Oktober 2025

Bereits seit dem 1. September versieht Pfarrer Steffen Bäcker seinen Dienst als Seelsorger im Krankenhaus Lübbecke. Jetzt wurde der zuvor seit 22 Jahren als Gemeindepfarrer in Bad Holzhausen / Börninghausen tätige evangelische Geistliche mit einem feierlichen Gottesdient in sein neues Amt eingeführt.

Er ist damit direkter Nachfolger von Lea Queer, die übergangsweise nach dem Ruhestand von Christine Scheele das kreiskirchliche Pfarramt vertreten hatte. Bäcker hat eine halbe Stelle übernommen und ist damit für die seelsorgliche Versorgung aller somatischen Abteilungen des Krankenhauses zuständig. Es handelt sich um eine kreiskirchliche Pfarrstelle. Eine weitere halbe Stelle in Trägerschaft der westfälischen Landeskirche ist in der Psychiatrie im "Zentrum für seelische Gesundheit" angesiedelt. Dieser Stelle ist  auch die Betreuung der forensischen Klinik Schloss Haldem zugeordnet.

Bäcker arbeitet in einem kleinen Büro direkt hinter der Patientenbücherei im Verbindungstrakt zwischen der somatischen Klinik und dem "Zentrum für seelische Gesundheit". Doch vor allem ist er montags, dienstags und freitags vormittags sowie mittwochs nachmittags auf den Stationen zu Besuchen unterwegs. Zu seinem "Zuständigkeitsbereich" gehört auch der "Raum der Stille", manche nennen es auch Andachtsraum, nur wenige Meter von seinem Büro entfernt. 

"Es ist schon erstaunlich, welches Vertrauen mir entgegengebracht wird. Es ist gut, dass wir als evangelische Kirche so sichtbar sind. Für mich ist es ein Stück kostbare Unabhängigkeit, die ich zum Wohl der Patienten, aber auch der Mitarbeiter und Verwandten nutzen kann", sagt Bäcker. Die Krankenhausseelsorge sei für ihn wie eine Gemeinde, die er mit allen gerne im Krankenhaus leben möchte. So wird es wieder regelmäßige Gottesdienste von hier aus geben, die dann auch übertragen werden sollen. Jeden Mittwoch um 17 Uhr soll es dieses Angebot zukünftig geben. In der Zeit vor Totensonntag, so Bäcker, soll die Kapelle zu einem Ort der Erinnerung werden.

Warum er als Krankenhausseelsorger arbeiten wollte? Er habe zu den letzten Pfarrern gehört, die im Lübbecker Krankenhaus Gemeindeglieder aus Bad Holzhauen / Börninghausen besucht habe. So sei er mit diesem "besonderen Ort" häufiger in Berührung gekommen, was ihn immer schon stark berührt habe. Nunmehr hätte sich die Personalsituation so ergeben, dass er seinen Wunsch in die Tat umsetzen konnte.

Der 56-Jährige hat in Marburg, Heidelberg und Glasgow studiert, das Vikariat absolvierte er in Tecklenburg und den Probedienst in Westerkappeln. 2003 kam Bäcker in den Kirchenkreis Lübbecke und blieb 22 Jahre Pfarrer in Bad Holzhausen, später kam Börninghausen hinzu.

Im Einführungsgottesdienst wurde Bäcker auch vom Ärztlichen Direktor,  Dr. Bernd Wejda, willkommen geheißen. Dieser wies auf die Notwendigkeit der Krankenhausseelsorge vor allem auch im Hinblick auf die immer weiter zunehmende Leistungsdichte im Krankenhaus hin. Auch die kürzer gewordenen Liegezeiten der Patienten spielten hier eine Rolle. Die Spiritualität bliebe oft auf der Strecke - bei Patienten wie auch beim Personal. Krankenhausseelsorge werde "ganz dringend" benötigt.

Die stellvertretende Superintendentin Barbara Fischer führte den neuen Pfarrer in sein Amt ein und überbrachte Grüße des Kirchenkreises und meinte zusammenfassend: "Das hier ist ein guter Ort für Gottes Wort und sein Wirken." Steffen Bäcker hatte selbst das Schlusswort und freute sich: "Jetzt mache ich etwas Neues. Meine Gemeinde ist nunmehr das Krankenhaus. Ich bin Ihr Pastor."


Pfarrer Steffen Bäcker öffnet die Tür zum "Raum der Stille", der als Andachtsraum und Kapelle genutzt wird.