Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

„Ein Netz, das uns alle trägt“

Karsten Schulz


 Ein Ensemble aus Kirchenmusikern des Kirchenkreises hatte sich zum Konzert am Pfingstsonntag in der St.-Andreas-Kirche zusammengefunden.

Lübbecke, den 13. Juni 2025

„Und: Was glaubst du?“ Diese Frage versucht der Evangelische Kirchenkreis Lübbecke anlässlich 1700 Jahre Nizäisches Glaubensbekenntnis mit ganz unterschiedlichen Veranstaltungsformaten zu beantworten. Über die Pfingstfeiertage gab es mehrere Ereignisse rund um die St.-Andreas-Kirche in Lübbecke und in Bad Holzhausen, die sich an alle Christen wandten und ein sehr großes Echo fanden.

Am Pfingstsamstag gab es in Bad Holzhausen eine große Konfirmanden-Aktion unter der Überschrift „Glauben ist wie…“. Rund 60 Jugendliche aus dem Kirchenkreis Lübbecke haben sich unter der Anleitung der Pastorinnen Kristina Laabs und Hilke Vollert sowie einiger Ehrenamtlicher mit der Frage beschäftigt, was es für sie bedeutet, an Gott zu glauben. Elemente des Vormittags kamen auch im Gottesdienst am Montag zur Sprache. Gleichzeitig übte in Lübbecke ein ökumenischer Projektchor unter der Leitung von Heinz-Hermann Grube. Rund 50 Sängerinnen und Sänger probten Musik, die dann am Montag auf dem Marktplatz in Lübbecke zu hören war.

Am Pfingstsonntag gab es ein Konzert mit Interviews in der St.-Andreas-Kirche unter dem Motto „Glaubensweisen“. Das Programm stellte eine Verbindung her zwischen dem alten Bekenntnis und dem christlichen Glauben heute.

Beeindruckend war der Einzug einer Gruppe singender Menschen, die in Form einer Schola gregorianische Weisen interpretierten. Jeanette Krügel, Ute Helling, Gabi Schnabel, Bärbel Kuhlemann, Helga Amberg, Tobias Krügel, Thomas Quellmalz und Heinz-Hermann Grube bildeten als Kirchenmusiker das Ensemble. Es standen insgesamt fünf Bearbeitungen auf dem Programm. Eine absolut perfekte Intonation zeichnete den Klangkörper aus – obwohl die Musiker in dieser Konstellation nur für „Glaubensweisen“ einmalig zusammengekommen waren.

Pfarrer Steffen Bäcker, Ökumene-Beauftragter des Ev. Kirchenkreises, interviewte anschließend Sonia Tarigan aus Indonesien und Yoram Karusya aus Tansania zum Leitthema „Und: Was glaubst du?“. Beide haben eine sehr unterschiedliche Prägung und wuchsen in sehr verschiedenen Kulturen auf. Sie erzählten, wie sie zum christlichen Glauben gekommen waren. Bei einem kurzen Stück, zu dem Yoram Karusya seine Gattin auf die Bühne holte, verwandelte sich die gut besuchte Andreaskirche in einen großen tansanischen Chor.

Das Duo „Storch & Storch“, begleitet von Pit Witt am Klavier, präsentierte Musikstücke, die heute aktuell sind. Heinz-Hermann Grube drückte es so aus: „Man kann auch in weltlichen Texten Gott sprechen hören. Sie bewegen uns als Glaubende.“ Gänsehautmomente gab es mit „Fragile“ von Sting, „Make You Feel My Love“ von Adele oder auch „Keep Me in Your Heart for a While“ von Lisa Bassenge.

Steffen Bäcker interviewte anschließend Gabi Schnabel und Sebastian Schröder als Engagierte in der katholischen bzw. evangelischen Kirchengemeinde zu aktuellen Themen und fragte sie beispielsweise auch, warum man sich in einer christlichen Gemeinde engagiert. Als Abschluss trat der Chor „One Voice“ aus Espelkamp unter der Leitung von Tobias Krügel mit Werken auf, die eine moderne Glaubensinterpretation darstellten und somit den musikalischen Zeitzyklus beendeten.

Mehrere Hundert Menschen kamen am Pfingstmontag auf dem Lübbecker Marktplatz zusammen, um am ökumenischen Open-Air-Gottesdienst teilzunehmen. Mitgewirkt haben der Projektchor mit mehr als 50 Sängerinnen und Sängern sowie ein Bläserchor – beide mit Teilnehmenden aus dem gesamten Kirchenkreis. Am Gottesdienst waren ferner der katholische Pfarrer Karl-Heinz Graute sowie Geistliche und Ehrenamtliche der ev. und katholischen Gemeinden beteiligt.

Die stellvertretende Superintendentin, Pfarrerin Barbara Fischer, begrüßte die vielhundertköpfige Besucherschar und wollte wissen, woher die Menschen alle kamen. Viele hatten den Weg von außerhalb des Kirchenkreises nach Lübbecke gefunden. Ebenso waren zahlreiche katholische Christinnen und Christen sowie Mitglieder der Neuapostolischen Gemeinde und der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) erschienen. Ökumene-Beauftragter Steffen Bäcker appellierte an alle Anwesenden: „Wir müssen, wie die Vertreter seinerzeit beim Konzil in Nizäa, wieder mehr miteinander reden.“

Beeindruckend war ein kleines Theaterspiel der evangelischen Jugend, die die Geschichte des „Menschenfischers“ Jesus erzählte. Sie verbanden später mehrere Seile zu einem großen Netz – zu einem „Netz, das uns alle trägt“. Zwei Kinder ließen sich mittragen. Die Gottesdienstbesucher, die an Tischen saßen, wurden dazu animiert, sich „Schlüsselerlebnisse“ zu erzählen, um sich so kennenzulernen.

Und zum Schluss gab es sogar spontanen Applaus für die Predigt von Professor Dr. Okko Herlyn aus Duisburg, der auch als Kabarettist bekannt ist, für seine Aussage: „Es erfordert Mut, christliche Zivilcourage und eine kräftige Prise Heiliger Geist, um gegen das Unrecht in der Welt anzutreten.“



Heinz-Hermann Grube (r.) und der kreiskirchliche Ökumene-Beauftragter Pfarrer Steffen Bäcker (sitzend) moderierten den Abend in der St. Andreaskirche.


Mehrere hundert Gottesdienstbesucher hatten sich Pfingstmontag zum Open-Air-Gottesdienst auf dem Lübbecker Marktplatz eingefunden.


Das Netz des Glaubens, das von Gottesdienst-Besuchern gebunden wurde, trägt auch diese beiden Kinder.


Ein Projektchor mit Sängerinnen und Sängern aus dem gesamten Kirchenkreis Lübbecke begleitete den Gottesdienst musikalisch.