Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Weihnachtsoratorium an St. Andreas - Ein Fest für die Sinne

Pfarrerin i. R. Christine Scheele



Lübbecke, den 23. Dezember 2025

Wer den geistlichen Gesang schätzt, der war bei dem Konzert an St. Andreas gut aufgehoben. Der Kantorei Lübbecke gelang gemeinsam mit dem Orchester Opus 7 und den Solisten Anna-Sophie Brosig, Anna Schort, Mirco Ludwig, Heiko Schulz eine meisterliche Aufführung des bekannten Weihnachtsoratoriums. Hohe Konzentration, genaue Intonation und viel Gefühl machten die barocke Musik zu einem Erlebnis. Die Konzertbesuchenden wurden hineingezogen in wunderschöne Musik mit Chorälen, Orchestermusik und Solostimmen und waren zugleich Teilnehmende der guten Botschaft: Gott wird Mensch!

Es begann mit Pauken und Trompeten und einem unwiderstehlichen Gotteslob. Da war aber entgegen der Ankündigung kein Lallen und erst recht kein matter Gesang, sondern strahlender Dank, dass Gott die Welt und den Menschen nicht sich selbst überlässt. Zaghafte Selbstoptimierung war nicht nötig. Die Hörenden wurden mitgenommen in das unterscheidend Christliche. Gott wird Mensch in dem Kind in der Krippe. Der Tenor Mirko Ludwig erzählte die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium, und man wurde wieder zurückversetzt in Kindertage, wo man gute Geschichten immer und immer wieder hören wollte. „Erzähl die Geschichte von Jesus noch einmal“ hätte man sagen mögen. Heiko Schulz interpretiert als Bass das Geschehen und gewährte der Hörgemeinde einen vorsichtigen Blick in die Krippe. Es ist ein Heilsgeschehen. Anna Schors wunderschöne Altstimme besang in Arien und Rezitativen zart und klar die Sehnsucht einer Liebenden.

Anna-Sophie Brosig sang sich engelwärts ins Weihnachtsgeschehen und zeigte im Duett mit dem Bass wie intensiv und schön Mitleid und Erbarmen Gottes sein können. Da war sehr viel Lieblichkeit und Sanftheit in den Stimmen.
Basso Continuo und Streicher bildeten das musikalische Gerüst, in dem sich die Sängerinnen und Sänger sicher bewegen konnten. Holzbläser vertieften den emotionalen Zugang. Ihre Melodien zogen die Aufmerksamkeit der Hörenden auf sich. Es wurde leicht, sich für die emotionale Seite zu öffnen.

Der Chor sang sich vielstimmig in die Herzen der Besuchenden. Vielstimmig und einstimmig zugleich. Sie waren Teil des Ganzen. Vielleicht schlug ihr Herz im selben Takt. Ob im strahlenden „Jauchzet, frohlocket“, im zitternden „Wie soll ich dich empfangen“ und im vollkommenen „ Ich will dich mit Fleiß bewahren“ vor dem Höhepunkt des 3. Teils. Immer waren hohe Konzentration, Klarheit und Schönheit zu hören. Die Konzertbesuchenden konnten andächtig dabei sein.

Diese wunderbare Einstimmung auf Weihnachten ermöglichte eine kleine Person mit großer Ausstrahlung. Die Dirigentin Rina Sawabe führte mit kleinen Bewegungen Chor, Orchester und Solisten. Der Taktstab gab deutliche Anweisungen aus der rechten Hand, die linke Hand warb ständig um Genauigkeit und Präzision, mit ihren zarten Fingern hatte sie die Musikerinnen und Musiker im Griff, ohne sie zu vereinnahmen. Sie wusste genau, was sie wollte und lud die Musizierenden ein, sich ganz einzubringen. Diese folgten der Einladung. So wurde diese schöne Klangwelt möglich. Vom krachend Durchdringenden zur sanften Zartheit. Und dann wurde es zwischen den Stücken ganz still. Vielleicht war es der Augenblick für den Atem Gottes.

Ihr Vorgänger Heinz- Hermann Grube musizierte anders außergewöhnlich. Er zog Publikum und Musiker mit seiner großen musikalischen und theologischen Begeisterung in seinen Bann. Rina Sawabe zeigte in ihrem ersten großen Konzert ihr ganz eigenes Profil voller Hingabe und Demut.

Allen Kirchenkritikern zum Trotz, bleibt das Evangelium die beste Botschaft, die das Leben zu bieten hat. Von Relevanzverlust kann keine Rede sein. Das Weihnachtsoratorium ist eine Ansage gegen die Vergleichgültigung der Wahrheit. Wer die Wahrheit erkennen möchte, sollte es hören. Es gibt einen Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge. Denn“Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar!“(Ingeborg Bachmann)