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Lübbecke, den 22. Juli 2026
Es ging ein Zauber von dem Orgelkonzert aus, mit dem Kreiskantorin Rina Sawabe den Orgelsommer des Kirchenkreises Lübbecke eröffnete. Das Programm bot einen Überblick über die deutsche Orgelmusik vom Barock bis zur Frühmoderne. Bekannte Werke nahmen die Zuhörenden mit in den Atemraum des Glaubens.
Neu war der musikalische Ausdruck – eine unüberhörbare Feinsinnigkeit, gepaart mit Perfektion und einer beeindruckenden Farbvielfalt. Die Orgel klang wie ein Chor, der der Dirigentin genau folgte. Es gab keinen Eigensinn – weder bei den Pfeifen noch bei der Organistin. Es schien, als seien die Töne und die Organistin eine Einheit im Klang geworden.
„Viel Spaß beim Zuhören!“, wünschte Rina Sawabe dem zahlreich erschienenen Publikum zum Auftakt des Orgelsommers im Kirchenkreis Lübbecke. Und es war tatsächlich ein beeindruckendes Konzert. Die Klangreise führte vom Barock bis zur Frühmoderne, von Matthias Weckmann über Johann Sebastian Bach bis zu Josef Gabriel Rheinberger und Sigfrid Karg-Elert.
Die Konzertgäste gewannen einen Eindruck davon, wie einfühlsam eine Orgel gespielt werden kann, wie versöhnlich und tief berührend sie klingt. Facettenreich, kraftvoll und zugleich feinsinnig eröffnete sich eine große Bandbreite an Stimmungen. Das Konzert war kurzweilig und abwechslungsreich. Mit Entdeckerfreude ließ sich die Entwicklung des Orgelspiels nachverfolgen und die Klangwelt zum Lobe Gottes erleben.
Viele Werke hatten ihren liturgischen Ort im Gottesdienst, insbesondere im Zusammenhang mit dem Psalter. So verwundert es nicht, dass das Gebetbuch der Bibel innige Zwiesprache mit Gott hörbar machte. Andere Werke zeichneten die Entwicklung der Musikgeschichte nach.
Es begann mit dem Praembulum primi toni a 5 von Matthias Weckmann. Mit ihm krochen die Vibrationen durch die Füße den Körper hinauf. Von Anfang an war die Klangfülle zwischen feinen, leisen und kraftvoll durchdringenden Tönen hörbar. Dies setzte sich in Dieterich Buxtehudes Praeludium D-Dur fort. Wie ein Tanz kam das Werk daher – präzise, spielerisch und zugleich kraftvoll unschuldig.
In der Mitte des Programms standen Bachs Triosonate in d-Moll und das Choralvorspiel zu „Schmücke dich, o liebe Seele“. Eine feine Melodie mit Echo war zu hören, wie ein vielstimmiger Chor. Die Töne wirkten manchmal mühsam und schleppend, fast wie gekaut, dann wieder von großer Leichtigkeit. Die Bach'sche Ordnung wurde zum lebendigen Spiel – mitreißend und vollkommen.
Mit dem Choralvorspiel betraten die Töne „das Heilige“, das das Herz berührt. Die Vorbereitung auf das Abendmahl, der liturgische Ort dieses Werkes, klang andächtig und zurückhaltend. Diesem Vorspiel hatte Sawabe eine Interpretation von Johannes Brahms gegenübergestellt. Hörbar wurde ein hochromantisches, großes Gefühl voller tiefer Andacht. Mit Felix Mendelssohn Bartholdy wurde es noch einmal kraftvoll, festlich und feierlich. Zugleich wurde eine Suche nach Orientierung spürbar. Vom Taumel bis zu festen Schritten führte der musikalische Weg – ein Weg, den man nur Schritt für Schritt gehen kann.
Einen zweiten Höhepunkt gestaltete Sawabe mit der Orgelsonate von Josef Gabriel Rheinberger über das Magnificat „Meine Seele erhebt den Herrn“. Die Hörenden wurden mitgenommen in eine große Tiefe. Fast wie eine Zähmung wilder Klänge entwickelte sich eine feine Melodie, die zaghaft und vorsichtig daherkam – eine behutsame Annäherung an etwas, das größer ist als man selbst. Der Klang wirkte unwiderstehlich. Hier war Gotteslob zu hören, das keinen Widerspruch duldete.
Den fulminanten Abschluss bildete Sigfrid Karg-Elerts Choralimprovisation zu „Nun danket alle Gott“ – kraftvoll und mitreißend. So klingt Erlösung. Das Publikum dankte mit lang anhaltendem stehendem Applaus und brachte damit seine Wertschätzung und seinen Respekt gegenüber der Organistin zum Ausdruck.
Es war ein musikalisches und geistliches Fest. Das Konzert wirkte musikalisch präzise und zugleich feinfühlig. Es gab Augenblicke, hinter denen alles verschwand und nur noch die Musik blieb. Zugleich war es ein geistlicher Höhepunkt – eine Predigt ohne Worte. „Nun danket alle Gott“: Dieses Konzert gab Raum für den Atem Gottes, der die Welt ohne Worte zusammenhält.

