Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Frauenhilfen des Kirchenkreises beim Herbsttreffen

„Außer Norm“ - 200 Frauen der Frauenhilfen und Abendkreise richteten beim Herbsttreffen zu Erntedank den Blick auf die Verschwendung von Lebensmitteln

Text und Fotos: Anja Schubert



Levern. Erntedank führt uns eine unglaubliche Vielfalt von Früchten und Gemüse, von Formen und Farben vor Augen. Doch viele dieser Nahrungsmittel landen jeden Tag auf dem Müll. Das Herbsttreffen der Frauenhilfen und Abendkreise des Kirchenkreises Lübbecke, das mit einem Abendmahlsgottesdienst in der Leverner Stiftskirche begann, stellte am Mittwochnachmittag unter dem Motto „Das Lob der krummen Möhre“ die Verschwendung von Lebensmitteln in den Mittelpunkt.



„Ein schrumpliger Apfel, eine Paprika, die nicht gerade gewachsen ist, zu kleine Pflaumen und krumme Möhren. Obst und Gemüse, das keiner will, weil in der heutigen Überflussgesellschaft jeder nur das Beste“, warfen die Pfarrerinnen Sabine Heinrich und Heidrun Rudzio mit den rund 200 Frauen einen Blick auf den vom Bezirksvorstand liebevoll aufgebauten Gabentisch. Dieser war reich mit Feldfrüchten bestückt, die als „außer Norm“ deklariert, noch vor dem Weg in die Supermärkte entsorgt, auf dem Acker liegen gelassen oder untergepflügt werden, obwohl sie anderswo Leben retten könnten. „Von den in Europa weggeworfenen Lebensmitteln könnten alle Hungernden der Welt satt werden – nicht weniger als dreimal“, machten die Pfarrerinnen aufmerksam. „Wir leben im Paradies, aber jedes Paradies hat Regeln und Grenzen, insbesondere in der heutigen Konsumgesellschaft. Die Paradiesgeschichte der Bibel werde zur Parabel der heutigen moderne Wirklichkeit: „Lebensmittel sind genügend da, ausreichend für alle. Doch weil Einzelne alles haben wollen, verlieren alle. Die ständig verfügbare und uneingeschränkte Fülle an Lebensmitteln, die in den Industrienationen vorgehalten werde, produziere Hunger in anderen Teilen der Welt. „Es ist fragwürdig, wenn der eine Teil der Menschheit so viel Lebensmittel wegwirft, dass der hungernde andere Teil davon satt werden könnte." Die Farben des Regenbogens spiegelten sich in der Vielfarbigkeit der Erntegaben wider und seien Symbol für die Güte Gottes.



Die Pfarrerinnen und auch die Mitglieder des Bezirksvorstandes forderten dem Erntedankgedanken folgend dazu auf, mit Lebensmitteln bewusster umzugehen, geplanter einzukaufen und das eigene Einkaufsverhalten zu hinterfragen. „Denn in Zeiten des Preiskampfes der Supermärkte ist nicht immer das Schöne das wertvolle Gesunde.“ Es sei fraglich, ob der Mensch oder der Kommerz im Mittelpunkt stünde: „Zahle ich mehr für die Makellosigkeit gespritzter Produkte oder für Früchte aus gesundem Anbau?“ Regionale Produkte vom Erzeuger zu kaufen, sei verantwortungsbewusster als sich vom Schein schöner Werbung blenden zu lassen, so der Appell der Seelsorgerinnen. Auch auf das zwischenmenschliche Miteinander sei die Paradiesgeschichte übertragbar. „Nicht jeder, der uns schön verpackt, gestylt entgegenkommt, ist auch ein hilfsbereiter Mensch.“



Nach dem Abendmahlsgottesdienst, der auf Wunsch der Frauen bereits zum zweiten Mal als Herbst-Auftaktveranstaltung zu Erntedank stattfand, folgte im benachbarten Hotel Meyer-Pilz mit ausgiebigem Klönen bei Kaffee und Kuchen, Musik und Gesang der gesellige Teil des Nachmittages. Um verantwortungsvolleres Konsumbewusstseins in den eigenen vier Wänden zu leben, wurde ein Infoblatt an die Frauen verteilt, das neben Tipps zum Einkaufsverhalten auch Rezepte zur Resteverwertung enthielt.
Den nächsten Termin, an dem alle Kreise in großer Runde zusammenkommen, konnten die Frauen gleich notieren: „Das Frühlingstreffen wird am 30. April 2014 im Birkenhof in Frotheim stattfinden“, so Bezirksvorsitzende Gisela Gräber. Das Thema lautet dann: „Wir sind nicht arm, wir haben nur wenig Geld.“