Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Die neuen Heilsversprechen der Ernährungspäpste



Birgit Reiche referiert beim Landfrauennachmittag über gesunde Ernährung

Cornelia Müller

Alljährlich am ersten Montag im Februar veranstaltet der Bezirksvorstand der Frauenhilfe im Kirchenkreis Lübbecke den Evangelischen Landfrauennachmittag. Dieses Mal drehte sich alles um gesunde Ernährung.
Pfarrerin Heidrun Rudzio eröffnete den Nachmittag mit einer Andacht zu 2 Kön 4,38-41: „Elisa kümmert sich nicht nur um das seelische, sondern auch um das leibliche Wohl seiner Schüler. Gott geht es immer darum, dass es dem Menschen im Ganzen gut geht“, sagte Rudzio. „Gut für andere und für mich selbst zu sorgen: Das ist im Sinne Gottes.“
Doris Speckmeier, stellvertretende Vorsitzende des Kreislandfrauenverbands, wandte sich in ihrem Grußwort vor allem gegen die zunehmende Verschwendung von Lebensmitteln. „Wir sollten uns beim Verzehr der Lebensmittel auf unsere Sinne verlassen, auf unsere Achtung vor der Natur und vor denen, die täglich dafür arbeiten, dass wir satt werden“, sagte sie.
Und was kommt uns in den Sinn, wenn wir an gesunde Ernährung denken? Gisela Gräber und Margret Angelbeck hatten ein kurzes Anspiel vorbereitet, in dem sie eine ganze Reihe von Stichworten nannten: Lebensmittelallergien und Zusatzstoffe, Mogelpackungen und Lebensmittelskandale, Fertiggerichte und Gemüse aus dem eigenen Garten.
Vieles davon fand sich auch in dem Vortrag „Wie gesund sind unsere Lebensmittel?“ wieder, den Pfarrerin Birgit Reiche aus Soest hielt. „Richtige“ Ernährung sei schon in der Bibel immer wieder ein Thema gewesen, sagte sie – in den Speisevorschriften des alten Testaments ebenso wie in den neutestamentlichen Texten, die davon handeln, wie Jesus sich über die Speisegebote hinwegsetzt (Mk 7). „Jesus scheint wirklich gern gegessen, getrunken und gefeiert zu haben,“ konstatierte Reiche.
Anders als in biblischen Zeiten seien ausreichende Nahrungsmittel für uns heute selbstverständlich. „Noch nie gab es eine so große Auswahl an so gut überwachten und hochwertigen Lebensmitteln wie heute. Dafür können wir dankbar sein, das dürfen wir uns schmecken lassen, und zwar mit gutem Appetit“, sagte Reiche. Den selbsternannten „Ernährungspäpsten“ solle man mit gesundem Mißtrauen begegnen: „Ernährungsbücher machen inzwischen ähnliche Heilsversprechen wie Erbauungsbücher: Wer sich nach der jeweiligen Methode ernährt, wird auf Dauer schlank, glücklich, lebt lange und so weiter und so weiter.“ Dabei seien die versprochenen Effekte meist überhaupt nicht nachweisbar. Insgesamt riet Reiche zu mehr „Gelassenheit“ beim Thema Ernährung: „Wir sollten uns nicht so schnell verrückt machen lassen. Und wenn wir in der Fastenzeit bewusst auf etwas verzichten, oder wenn wir versuchen, ein bisschen Winterspeck loszuwerden, sollten wir auch das mit der nötigen Gelassenheit tun. Denn schon Jesus hat uns dazu aufgefordert, nicht sauertöpfisch zu fasten, sondern fröhlich.“


Beim Essen auf Bauchgefühl vertrauen
Nachmittag der evangelischen Frauenhilfe in der Wiehen-Therme Reineberg

Hüllhorst (ditt). Bei Musik und Gesang und mit Kaffee und Kuchen saßen die Frauen aus verschiedenen Orten im Gasthaus Wiehen-Therme Struckmeyer in Reineberg zusammen. Eingeladen hatte die Frauenhilfe des Kirchenkreises .

Gisela Gräber freute sich, viele Frauen begrüßen zu dürfen und führte durch das bunte Nachmittagsprogramm. Zum Thema „Wie gesund sind unsere Lebensmittel?“ hielt Pfarrerin Birgit Reiche aus Soest einen Vortrag und zeigte die Vorzüge verschiedener Lebensmittel und Ernährungsgewohnheiten auf.

„Es gab noch zu keiner Zeit eine so große Auswahl und Vielfältigkeit im Lebensmittelbereich. Früher litten die Menschen unter Mangelerscheinungen, heute türmen sich Diätbücher in den Regalen“, sagte sie. Pfarrerin Reiche wolle die Gefahr von verschiedenen Giften, die man schon in Lebensmitteln nachgewiesen habe, wie Alkaloide, Dioxin oder andere Spuren von Giftstoffen nicht verharmlosen, aber sie betonte, dass sich häufig vor den falschen Dingen gefürchtet würde.

„Achte auf dein Bauchgefühl, und glaube nicht nur den Ernährungspäpsten“, war die Botschaft, die sie mit ihrem Vortrag vermitteln wollte.

Ihr Tipp war, die Ernährungsfragen mit größerer Gelassenheit anzugehen. Sie verwies darauf, dass es noch nie so strenge Lebensmittelkontrollen gegeben habe wie heute und regionale sowie biologische Ernährung nicht falsch sein könne.

Nach dem Vortrag wurde in den Reihen der Frauen heftig diskutiert. Es wurde deutlich, dass Ernährungsfragen die Damen besonders beschäftigen. Themen variierten vom gesunden Rhythmus des Essens, den regelmäßigen Mahlzeiten bis hin zu den vielen schon ausprobierten Diäten. Dabei kam auch die bevorstehenden Fastenzeit zur Sprache. „Wir fasten auch. Hauptsächlich geht es uns aber darum, den Körper einmal für lange Zeit zu entlasten, um Raum zu schaffen, um über den Sinn des Lebens nachzudenken“, erzählte eine Frau.

Pfarrerin Reiche unterstrich, wie wichtig und richtig das sei. „Man kann sich nicht gesund essen, aber man sollte sich unbedingt gesund ernähren“, betonte sie. Niemand könne sein Leben durch Fasten oder gesundes Essen auch nur um einen Tag verlängern. Sie empfahl den Frauen, auch in die Bibel zu schauen. Schon Jesus sei ein Genießer guter Mahlzeiten gewesen. Mit einem Abschluss-Segen und einem gemeinsamen Lied endete der Nachmittag.