Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Offene Kirche in Rahden

Das Gotteshaus neu entdecken
Rahdener möchten St.-Johannis-Kirche auch werktags öffnen




VON JOERN SPREEN-LEDEBUR

Rahden. Sie ist das Wahrzeichen Rahdens und ein historisch bedeutendes Bauwerk. Gegründet 1353 von Bischof Gerhard von Minden ist die Rahdener St.-Johannis-Kirche seit mehr als sechs Jahrhunderten ein Ort, den Gläubige aufsuchen. Werktags stehen sie allerdings oft vor verschlossenen Kirchentüren. Das aber soll sich ändern.
Das Presbyterium der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde und auch Pfarrer Stefan Thünemann haben einen großen Wunsch: Sie möchten das Gotteshaus im Herzen der Stadt auch werktags öffnen.
Die Pr. Ströher Immanuel-Kirche, die Espelkamper Thomaskirche und die Börninghauser Ulricus-Kirche sind bereits täglich geöffnet – und zwar mit offiziellem Signet der Landeskirche. In geringerem Umfang sind die mit Banner ausgestatteten Kirchen in Pr. Oldendorf und Schnathorst ebenfalls offen. Andere Kirchen wie etwa die Stiftskirche Levern sind auch ohne Signet und Banner offen.
Egal ob Signet oder Banner – das stehe auf einem anderen Blatt, meint Pfarrer Stefan Thünemann. „Unser Wunsch ist es, die Kirche zu öffnen.“ Der sakrale Raum solle nicht nur sonntags genutzt werden. Schließlich suchten viele Menschen auch werktags einen Ort der Stille und der Ruhe. Allein der Gedanke, dass eine Kirche geöffnet sei und man hineinkomme, der komme gut an.
Mit einer offenen Kirche könne man Menschen einladen, einen Weg zur Kirche und zur Gemeinde neu zu entdecken, meinte Thünemann. Die Bedürfnisse der Menschen hätten sich gewandelt, sagte der Pfarrer. Wenn er in der Kirche zu tun habe, dann lasse er die Tür immer offen. „Und immer wieder kommen Menschen herein.“
Die evangelische Kirchengemeinde sucht nun Bürger, die sich ehrenamtlich bei der Öffnung von St. Johannis einbringen möchten. Ziel sei, noch in diesem Jahr mit einer verkürzten Phase zu beginnen, um erste Erfahrungen zu sammeln, sagte Thünemann. Im kommenden Jahr eine komplette Saison von Ostern bis Erntedankfest zu öffnen, das sei Ziel, meinte Thünemann.
In Kürze werden sich Interessierte im Rahdener Gemeindehaus treffen, um über das weitere Vorgehen zeitnah zu beraten. Dann kann über Einsatzpläne ebenso gesprochen werden wie über die mögliche Auflage einer kleinen Informationsschrift zu St. Johannis.
Das konkrete Konzept für eine Öffnung von St. Johannis werde von denen erarbeitet, die sich daran beteiligten. Thünemann: „Es ist mir ganz wichtig, dass das der Kreis der Ehrenamtlichen entscheidet.“ Für das Presbyterium sei die Öffnung des Gotteshauses ein großes Anliegen. Als ein „hervorragendes Beispiel“ für eine geöffnete Kirche nannte der frühere Rahdener Pfarrer Körling Lansky die Stiftskirche in Levern.
Dort gebe es schriftliche Informationen und auch eine kleine Ecke für Kinder.
Die Evangelische Kirche von Westfalen hatte die Aktion „Offene Kirchen“ vor sechs Jahren in Paderborn gestartet, sagte Pfarrer Andreas Isenburg. Er ist in der Landeskirche zuständig für die Aktion und stellte sie in St. Johannis vor. In der Landeskirche gebe es derzeit offiziell 156 offene Kirchen mit verlässlichen Öffnungszeiten in der Woche.
In die Kirchen kämen Menschen, die sich für die Geschichte des Bauwerks interessierten, einen Ort der Stille und Besinnung suchten, die bei Trauer Schutz in der Kirche suchten oder mit der Kirche verbunden seien. Aber auch Menschen, denen die Kirche fern sei, hätten so die Chance, sich in Ruhe umzusehen.
Wer sich als Freiwilliger bei der Aktion engagieren wolle, der solle sich auf keinen Fall überfordern. Niemand müsse die Kirchengeschichte auswendig lernen oder Seelsorge übernehmen. Aufgeschlossen sein, sich Zeit für Gespräche mit Gästen nehmen – das sei wichtig. Auch ältere Menschen, die nur noch wenige oder keine Angehörigen mehr hätten, würden sich über ein kurzes Gespräch sehr freuen, hat Isenburg beobachtet.
Mit einer Befürchtung räumte Isenburg in Rahden auf: Diebstahl. Das komme in offenen Kirchen nur ganz selten vor. Ihm seien aus den vergangenen sechs Jahren nur drei Fälle bekannt geworden.

Ein nächstes Treffen für Interessierte, die sich bei der Aktion beteiligen möchten, findet am Dienstag, 22. Juni, um 18 Uhr im Gemeindehaus am Kirchplatz statt. Dazu sind alle Interessierten eingeladen. Eingeladen seien auch Menschen, die nicht in Rahden wohnten, an der Aktion aber teilnehmen wollten, betonte Thünemann.
Vorstellung: Mit dem Angebot könne man Menschen auch einladen, den Weg zur Kirche neu zu entdecken, sagte Andreas Isenburg.


© 2010 Neue WestfälischeZeitung für den Altkreis Lübbecke, Donnerstag 10. Juni 2010

Überschaubarer Aufwand
Er begrüße das Vorhaben, die St.-Johannis-Kirche auch werktags zu öffnen, meint der neue Rahdener Ortsheimatpfleger Claus-Dieter Brüning. „Das ist eine gute Sache.“ Als ein Beispiel habe er sich bereits Levern angesehen. St. Johannis sei ein historisches Bauwerk. Es mache Sinn, wenn es zugänglich sei. Wenn die Aktion auf eine breite Basis gestellt werde, dann sei das Erfolg versprechend. Zudem sei der Aufwand für die Mitwirkenden doch recht überschaubar. Er selbst könne sich auch gut vorstellen, bei dem Vorhaben mitzuwirken, meinte Brüning. (-sl-)
Kirche will werktags Türen öffnen
Nächstes Treffen für Interessenten zum Mitmachen ist am 22. Juni in Rahden

RAHDEN Die Türen am Rahdener Wahrzeichen, der St.-Johannis-Kirche, sollen künftig auch werktags geöffnet werden, damit Gläubige nicht vor verschlossenen Türen stehen müssen. Was mit der Immanuel-Kirche in Pr. Ströhen, der Thomaskirche in Espelkamp und der Ulricus-Kirche in Börnighausen bereits vorzüglich mit offiziellem Signet der Landeskirche klappt, wollen das Presbyterium der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde und Pfarrer Stefan Thünemann nun umsetzen.
Dabei ist es Pfarrer Stefan Thünemann egal, ob die Öffnung nun mit Signet oder Banner erfolgt. „Unser Wunsch ist es, die Kirche zu öffnen“, sagt Thünemann, dem die Sonntagsnutzung für das alte Gemäuer zu wenig ist, zumal es immer wieder Menschen gebe, die auch werktags einen Ort stiller Einkehr aufsuchen wollten.
Thünemann verbindet damit auch die Hoffnung, dass die offene Kirche Menschen einlädt, Kirche und damit Gemeinde neu zu entdecken. Schon jetzt lasse er, wenn er in der Kirche sei, auch über die Woche die Tür offen stehen. Was durchaus bei den Menschen ankomme.
Um aber den Wunsch der offenen Kirche an Werktagen realisieren zu können, ist Thünemann auf Hilfe angewiesen. Gesucht werden von der evangelischen Kirchengemeinde Menschen, die ehrenamtlich dabei mitmachen würden. Noch in diesem Jahr würde der Pfarrer gerne starten, um Erfahrungen zu sammeln, wie das Angebot angenommen wird. Im nächsten Jahr, so seine Überlegung, ließe sich die Phase mit den Werktagsöffnungen von Ostern bis zum Erntedankfest erweitern.
Ein ersten Treffen mit Ehrenamtlichen werde es demnächst im Gemeindehaus geben. Dort solle über das weitere Vorgehen gesprochen werden. Darin einbezogen seien Einsatzpläne oder die mögliche Auflage einer kleinen Informationsschrift zu St. Johannis.
Wie genau das mit den Öffnungszeiten aussehen könnte, sollen die Ehrenamtlichen selbst erarbeiten, stellt sich Thünemann vor. Das erleichtere ihnen ihr Engagement, weil sie den Umfang selbst mitgestalten könnten. Thünemann: „Es ist mir ganz wichtig, dass das der Kreis der Ehrenamtlichen entscheidet.“ Die sollten sich auch nicht überfordern und glauben, sie hätten die Geschichte des Hauses auswendig zu lernen oder die Seelsorge zu übernehmen.
Insgesamt sei es ihm und dem Presbyterium wichtig, das Gotteshaus quasi „anzubieten“. Gefallen hat dem früheren Rahdener Pfarrer Körling Lansky die Art und Weise, wie die Leverner mit der Öffnung ihrer Kirche umgehen. Dort gebe es schriftliche Informationen und eine kleine Ecke für Kinder, lobte er.
Vor sechs Jahren war quasi die Aktion „Offene Kirchen“ der Evangelischen Kirche von Westfalen in Paderborn eingeläutet worden, sagte Pfarrer Andreas Isenburg, in der Landeskirche zuständig für die Aktion. Die könne derzeit auf 156 offene Kirchen mit verlässlichen Öffnungszeiten verweisen.
Bekannt sei, dass Menschen die Kirchen aufsuchten, die sich für die Geschichte des Bauwerks interessierten oder einen Ort der Stille und Besinnung für alle Lebenslagen suchten.
Wer gerne mitmachen möchte, kann sich zum nächsten Treffen am Dienstag, 22. Juni, um 18 Uhr im Gemeindehaus am Kirchplatz einfinden. Angesprochen seien auch jene, die zwar nicht in Rahden wohnten, an der Aktion aber teilnehmen wollten, sagte Stefan Thünemann.
Werben für die offene Kirche: die Pfarrer Stefan Thünemann (Rahden) und Andreas Isenburg (von der Landeskirche).DK 10.6.2010