Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Offene Kirche in Rahden

„Es bringt allen was“
St. Johannis: Rahdener ziehen positive Bilanz der „offenen Kirche“

VON JOERN SPREEN-LEDEBUR



Rahden. Sie ist ein Wahrzeichen Rahdens. Inmitten des geschäftigen Stadtkerns ist die 1353 gegründete St.-Johannis-Kirche seit Jahrhunderten ein Ort des Glaubens. Mittlerweile ist das Gotteshaus nicht mehr nur zu den Gottesdiensten geöffnet.
Viele Kirchen in Westfalen zählen inzwischen zu den offenen Kirchen. Manche haben dafür ein Signet bekommen, das am Mauerwerk angebracht ist. Manche sind, wie etwa in Levern, einfach so an Werktagen zur stillen Einkehr geöffnet.St. Johannis als offene Kirche auch außerhalb der Gottesdienste – diesen Wunsch hatten in den vergangenen Jahren viele Menschen gehegt. Im vergangenen Jahr hatte die evangelische Kirchengemeinde das dann umgesetzt. Verlässlich ist die Kirche seitdem zwischen Mai und dem Erntedankfest geöffnet. Bei diesem Projekt kann die Gemeinde auf die Unterstützung von Freiwilligen setzen. Sie übernehmen Schichten und machen die offene Kirche so erst möglich.
Nach dem etwas verkürzten Premieren-Jahr 2010 endete nun die erste „komplette“ Saison von St. Johannis als offener Kirche. Zum Saisonschluss hat Pfarrer Stefan Thünemann eine erste Bilanz gezogen – und ist sichtlich angetan. Gut 600 Menschen nutzten seit dem 31. Mai die „offene Kirche“. „Das ist eine ganz tolle Bilanz“, freut sich der engagierte Seelsorger. Unter ihnen waren auch knapp 240 Kinder. Kindergärten und Schulen nutzten die Möglichkeit, das Gotteshaus zu besuchen, so Thünemann.
Erstmals bot die Gemeinde den Besuchern heuer die Möglichkeit, Teelichter entzünden zu können. Davon sei rege Gebrauch gemacht worden, sagte Thünemann. Und noch etwas freut ihn. Gäste spendeten für die Arbeit der offenen Kirche oder für St. Johannis 150 Euro. „Das ist sehr viel.“
Die freiwilligen Helfer, die sich für das Projekt engagieren, teilen sich die Schichten auf und führen Buch darüber. Nur bei knapp einem Viertel der insgesamt 160 Schichten seien keine Besucher verzeichnet worden – an regnerischen Tagen etwa. Von den insgesamt 85 Öffnungstagen sei St. Johannis nur an fünf Tagen doch geschlossen gewesen, da keine Mitarbeiter zur Verfügung standen.
Thünemann hat jetzt das Buch durchgeblättert, in dem die Mitarbeiter ihre Eindrucke aus den jeweiligen Schichten aufgezeichnet haben. Beim Durchblättern ist es nicht geblieben, Thünemann hat es intensiv gelesen. „Es ist zum Teil sehr rührend, was dort steht.“
Die Mitarbeiter schreiben von Gesprächen mit Besuchern, darunter Gäste aus den Niederlanden oder einem Wanderer auf großer Tour. Eine Frau stand vor dem Altar, vor dem sie Mitte der 1950er Jahre geheiratet hatte. Ein Großvater war mit seinem Enkel zu Gast. Zwei Mädchen aus Rahden setzten sich ans Klavier und spielten spontan ein kleines Konzert im Kirchenschiff.
Viele Besucher, so ist zu lesen, verharrten in stiller Einkehr. „Das haben wir oft“, meint Thünemann. Wenn mal kein Besucher in St. Johannis war, dann genossen die Mitarbeiter die Stille und die Zeit im Gotteshaus. Auch das geht aus Aufzeichnungen hervor. „Es bringt allen was“, meint Thünemann. Für alle sei das ein Gewinn.
Ein großes Lob zollt er allen, die sich auch in diesem Jahr ehrenamtlich für das Projekt einsetzten. Ein Gesicht in einer offenen Kirche zu sehen, das sei ganz wichtig: „Eine offene Kirche, in der man willkommen geheißen wird.“
Im kommenden Jahr gehts ins dritte Jahr der offenen Kirche. Weitere Mitwirkende sind im Team gern gesehen. Wer dabei sein wolle, der müsse vor allem Zeit mitbringen, erklärt der Seelsorger. „Das ist das wichtigste.“ Man müsse zuhören können und die Bereitschaft haben, auf Menschen zuzugehen.
Zum Konzept der offenen Kirche in Rahden gehört es, dass zum Abschluss der Saison eine andere offene Kirche besucht wird. Dazu werden die Mitglieder des Teams von St. Johannis nun von Thünemann eingeladen. Besuchen werden sie am Donnerstag, 27. Oktober, die Stiftskirche in Levern.
Das mittelalterliche Gotteshaus und den historischen Ortskern mit seinen Stiftsgebäuden werden Mitglieder des Heimatvereins Levern den Gästen aus Rahden während einer Erlebnisführung vorstellen.



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13 - Lübbecke (Altkreis), Samstag 08. Oktober 2011