Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

»Hoffentlich mehr Frieden in der Welt«

Pastorin Gisela Kortenbruck wünscht sich Optimismus für das kommende Jahr


Von Annika Lasarzik
Varl/Sielhorst (WB). Das alte Jahr ist zu Ende gegangen. Das ist Anlass zum Innehalten und zur Rückschau auf die vergangenen Monate. Im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT blickt Pfarrerin Gisela Kortenbruck auf die wichtigsten Ereignisse des Jahres zurück.

Für die Pastorin selbst war es ein besonderes Jahr: Im Herbst 2008 löste sie ihren Vorgänger Werner Milstein ab und übernahm das Pfarramt im Bezirk Rahden-West. Seitdem ist sie in Varl, Varlheide, Sielhorst und Alt-Espelkamp tätig und weiß, was die Menschen bewegt.
»Ich war überrascht, wie offen und vertrauensvoll die Menschen auf mich zugingen«, erinnert sie sich an ihr erstes Jahr. »Es gibt ein reges Gemeindeleben und wenn man gemeinsam etwas erreichen will, dann schafft man das auch.« Ein Beispiel für die konstruktive Zusammenarbeit der Rahdener sei die Eröffnung der Tafel-Ausgabestelle im Sommer. Diese setze ein Zeichen für Solidarität und Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung.
Bevor sie nach Rahden kam, arbeitete Kortenbruck in einer Stadt bei Dortmund - in einem sozialen Brennpunkt mit vielen Problemen. Wie sehr die Tafel auch in Rahden gebraucht wird, hat selbst die erfahrene Pfarrerin überrascht. »Für viele Menschen ist es eine Überwindung, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dass der Besucherandrang trotzdem so groß ist, zeigt, dass es hier soziale Probleme gibt, die man auf den ersten Blick nicht erkennt.« Um so schöner sei es, wie viele Menschen bei der Tafel mitarbeiten oder etwas spenden möchten. Die Kirchengemeinde wolle die Tafel bald durch zusätzliche Beratungsangebote unterstützen.
Es gibt aber auch unschöne Ereignisse, an die sich die Pfarrerin erinnert: »Erschüttert hat mich der Vorfall im November, als ein Mann nachts auf dem Kirchplatz von einer Gruppe Jugendlicher zusammengeschlagen wurde.« Dies passe nicht zu ihrem Eindruck der Rahdener Jugend, denn die sei stets entgegenkommend und freundlich. »Hoffentlich bleibt das ein Einzelfall«, sagt Kortenbruck, die seit 15 Jahren als Pfarrerin tätig ist.
Die schwierige wirtschaftliche Lage war das wichtigste Thema in persönlichen Gesprächen. »Die Stimmung hat sich gewandelt«, sagt die Pfarrerin. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Menschen nun pessimistischer. »Die Sorge um den Arbeitsplatz und die Angst vor sozialem Abstieg ist sehr groß.« Die Schere zwischen Arm und Reich werde größer.
»Wir sollten uns dieser Tendenz bewusst werden und die Schwachen unterstützen«, rät die Geistliche. Der Zulauf bei karitativen Vereinen und der Kirche habe zugenommen: »Der Sozialstaat darf seine Verantwortung jedoch nicht abgeben«, mahnt Kortenbruck. Leistung und soziale Anerkennung seien heute sehr wichtig. Es müsse jedoch auch erlaubt sein, öffentlich Schwäche zu zeigen.
Sie denke dabei auch an die überwältigende Resonanz, die der Freitod des National-Torwarts Robert Enke nach sich zog. »Die große Trauerwelle hat mich überrascht. Endlich wurden Themen wie Depressionen und Suizid, die bisher Tabus waren, thematisiert. Hoffentlich geht die Diskussion im nächsten Jahr weiter.«
Auch die internationale Politik hat Gisela Kortenbruck interessiert mitverfolgt. Erfreulich sei die Auszeichnung Barack Obamas mit dem Friedensnobelpreis. »Frieden stiften durch Toleranz, Offenheit und Kommunikation - es ist sinnvoll, diese Idee zu belohnen«, findet sie.
Positiv sei auch das neue Problembewusstsein für den Klimawandel. Auch wenn der Gipfel in Kopenhagen eher enttäuschend verlaufen sei - man befinde sich dennoch auf einem guten Weg zu mehr Umweltbewusstsein.
»Nächstenliebe, Feindesliebe und der verantwortungsvolle Umgang mit Gottes Schöpfung - diese christlichen Werte sollten in der Gesellschaft wieder an Bedeutung gewinnen«, hofft die Pfarrerin. Jeder Einzelne könne dies bereits im kleinen Rahmen, im täglichen Umgang miteinander umsetzen und damit viel bewegen.
Ins neue Jahr geht Pastorin Gisela Kortenbruck mit Zuversicht und Vorfreude: »Ich fühle mich sehr wohl in Rahden und freue mich schon auf die geplanten Veranstaltungen, etwa die Konfirmandenarbeit, die wir mit vielen Aktivitäten wie der Aktion ÝRahden geht badenÜ im Sommer gestalten, und eine CVJM-Jugendfreizeit nach Korfu.«
Auch musikalische Highlights, darunter ein Auftritt des »Scala-Chors« im Frühjahr, stünden im Kirchenjahr 2010 auf dem Programm.
WB Artikel vom 02.01.2010