Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Harmonischen Klangrahmen geschaffen -


Der Männer- und der Frauenchor setzten mit „Jubilate“ zum gemeinsamen Vorschlussakkord an. Foto: Schubert
Anja Schubert

Als eine ganz besondere Einstimmung auf das Heilige Fest könnte man wohl das Konzert bezeichnen, bei dem am Sonntagabend in der Tonnenheider Christuskirche traditionsreiches deutsches Weihnachtsliedgut auf gefühlvolle weißrussische Weisen traf. Der Männerchor „Sangeslust Tonnenheide“ und der Frauenchor bildeten einen klangvollen Rahmen für das Gesangsensemble „Kressiva“, dass mit seinen inbrünstigen Folklore und Weihnachtsliedern aus der Heimat Funken auf das Publikum überspringen ließ.


Leidenschaftlich und ergreifend: „Kressiva“ versprühte mit Melodien aus der Heimat Funken der Begeisterung im Publikum. Foto: Schubert

„Die Idee zu dem gemeinsamen Adventskonzert entstand während einer Weißrussland-Reise von MGV-Schriftführer Dieter Echmann und Mitgliedern der Tschernobyl-Kinderhilfe Minden“, erläuterte Martina Höfel von der Kinderhilfe, die das Konzert mit Dolmetscherin Olga Serjogina moderierte, zwischen den Liedern die Entstehung dieses Projektes. Die Auftritte Kressivas in Deutschland gingen bis in die frühen Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zurück. Mit Benefizkonzerten hilft das Ensemble bis heute den Geschädigten und auch der Erlös des Konzertes fließt in die Tschernobyl-Kinderhilfe Minden sowie die Multiple-Sklerose -Stiftung in Minsk, weswegen die Besucher des eintrittsfreien Konzertes für eine Spende gerne mal etwas tiefer in die Tasche griffen.
Der Männerchor Tonnenheide unter Leitung von Helga Wöstehoff eröffnete in dem weihnachtlich geschmückten Gotteshaus stimmgewaltig den musikalischen Reigen. „Hoffnung auf Friede“, „Advent, du stille Zeit“ und „Heilige Zeit“ legten einen besinnlichen Grundstein für die weißrussische Antwort Kressivas mit romantischen russischen Weisen. „Schwarze Augen“ und „Abendglocken“ mag so manch einer neben „Hörst du“ und „Tum Balalaika“ schon einmal gehört haben, und insbesondere der leidenschaftlichen Stimme Jelena Tschumakowas, die sich zudem als hingebungsvolle Geigenvirtuosin erwies, konnte sich keiner entziehen. Ebenso der bestechenden Mehrstimmigkeit und dem anmutenden Erscheinungsbild des in Landestracht aufspielenden Ensembles um Gründer Anatolij Kasak. „Deutschland erfahren“ hatte das Quartett auch besinnliches deutsches Weihnachtsliedgut im Gepäck. Mit „Es kommt ein Schiff geladen“, Maria durch ein’ Dornwald ging“ und „Kommet ihr Hirten“ eroberte Kressiva die Herzen des Publikums, dass die weißrussischen Gäste nicht ohne mehrere Zugaben entließ.
Auch wenn der Auftritt der Kinder des DRK-Kindergartens krankheitsbedingt entfallen musste, bekamen die Besucher eine Vielfalt der Stimmen geboten, der eine harmonische, vorweihnachtliche Grundstimmung innewohnte. Der Frauenchor unter Leitung von Urte Dankmann glänzte mit Liedern wie „Das ist ein köstlich Ding“ und „Ein freudenreicher Tag“. Als sich verstärkendes Klangvolumen erlebten die Zuhörer das „Jubilate“ als Gemeinschaftslied beider Chöre, was sich nur noch durch ein gemeinsames „Alle Jahre wieder“ aller Akteure und Konzertbesucher steigern ließ.
Der berührende Auftritt von Kressiva wird den begeisterten Konzertbesuchern wohl noch länger im Gedächtnis bleiben, obwohl sich die Organisatoren ein wenig mehr Besucher gewünscht hätten. Ungemütliche Witterung und etliche Wahlmöglichkeiten zur Gestaltung des zweiten Adventssonntags ließen ein dicht gefülltes Kirchenschiff vermissen. Umso enger wurde beim anschließenden geselligen Beisammensein mit Getränken und Keksen zusammengerückt und mit den Gästen aus Weißrussland über deren Ziele und die Arbeit der Tschernobyl-Kinderhilfe informiert. „Jedes Jahr kommen rund 30 Kinder aus der Tschernobyl-Region in Gastfamilien in unseren Mühlenkreis, um sich zu erholen“, so Martina Höfel. „Und wenn sie wieder nach Hause fahren, sind sie gesundheitlich und mental gestärkt, kehren selbstbewusst in ihre Heimat zurück. Vielfach sind es Kontakte, die bestehen bleiben.“