Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Gottes Wort ist Kraftstoff fürs Leben


Anja Schubert

Rahden. Da kommt doch echt einer in die Kirche und sucht eine Tankstelle! - So geschehen am Sonntagmorgen im Regionalgottesdienstes in der St.-Johanniskirche in Rahden. Ein Scherz? Mit Nichten – dem guten Mann konnte dort bestens geholfen werden.
Dieses kleine Anspiel von Holger Müller-Lorenschat und Sonja Wiebke zum Auftakt des zentralen Gottesdienstes aller Rahdener Ortschaften, gehalten von Pfarrer Hanns Meiners, Pfarrerin Wirwe Grau-Wahle und Superintendent Dr. Uwe Gryczan, machte deutlich, worum es im Lutherjahr geht: „Gottes Wort ist Kraftstoff für unser Leben“, stellte Pfarrer Meiners in seiner Begrüßung heraus und ging in seiner Bildhaftigkeit noch weiter: „Jeder kennt sie, die ‚drei von der Tankstelle’. Die gibt es in abgewandelter Form auch hier in der Kirche.“ Damit meinte er jedoch nicht sich selbst und seine beiden Kollegen, sondern die drei „Gestalten“ des Wortes Gottes: Jesus am Kreuz als Mensch gewordenes Wort Gottes, davor die aufgeschlagene Bibel als Schrift gewordenes Wort und darüber in einer Linie die Kanzel als verkündigtes Wort Gottes.
Sowohl Meiners als auch Grau-Wahle und Superintendent Gryczan in seiner Predigt stellten die Perspektiven heraus, die sich den Menschen durch die Übersetzung der Bibel ins Deutsche eröffnete. Der Reformator stellte die Heilige Schrift in den Mittelpunkt, als Instanz, an der sich alles – Kirche und Glaube - messen lassen musste. Die Übersetzung habe vielen Menschen das Lesen der biblischen Geschichten ermöglicht. Die Bibellektüre sei das markanteste Merkmal des Protestantismus. „Die Bibel ist Grundlage für unseren Glauben, die Kraftquelle unseres Lebens, denn die Geschichten spenden Kraft, machen den Menschen Mut, spenden Zukunft, dadurch, dass sie von Erfahrungen anderer Menschen mit Gott handeln.“ Ohne Druck, Gewalt oder Zwang könnten sie das Gewissen der Menschen schärfen und Hilfe bei Entscheidungen geben. Im Unterschied dazu könne das Wort von Menschen zerstören, verwies Gryczan auf die Macht von Menschen, die die Auslegung von Worten negativ nutzten. „Da wird gehetzt, diffamiert, Angst verbreitet, Tatsachen verdreht. Was man früher Lüge nannte, wird heute als alternative Fakten bezeichnet“, warnte er.
Heute befände man sich in der komfortablen Situation, sehr vielfältigen Zugang zu den biblischen Schriften zu haben - gedruckt in Buchform, über das Internet oder als kostenlose App für das Smartphone. Gryczan freute sich ebenso wie Meiners über die vor einigen Wochen von der Landeskirche erhaltene neue Altarbibel, die am Sonntag offiziell in den Dienst gestellt wurde.
Geprägt war der Gottesdienst von einer aufbauenden Grundstimmung, zu der das Liedgut aus dem modernen Gesangbuch „Zwischen Himmel und Erde“ und „mal eben“ von Thomas Quellmalz angestimmte Kanons einen nicht unerheblichen Teil beitrugen. Der Kantor am Klavier sowie die Kantorei sorgten für eine harmonische Ergänzung der zentralen besinnlichen Zusammenkunft, die mit anschließendem Kirchcafé ausklang.