Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Frauenhilfe Tonnenheide feierte mit Festgottesdienst 40-jähriges Bestehen

„Frauen der ersten Stunde“ für ihre Treue geehrt



(Text und Foto: Anja Schubert)

TONNENHEIDE. „Es war eine völlig neue Form der Zusammenkunft in unserer Ortschaft. So lebendig, und man hatte die Gelegenheit, sich viel in geselliger Runde zu erzählen“, erinnert sich Anna Schmidt an das erste Treffen der Tonnenheider Frauenhilfe am 24. November 1969. Als eine von fünf noch lebenden „Frauen der ersten Stunde“ denkt die 95-Jährige gerne an die Anfänge zurück. Über die letzten vier Jahrzehnte hat sich in der christlichen Frauenarbeit viel bewegt, doch die Gemütlichkeit, bei einem „Tässchen Kaffee“ zu plauschen, ist bis heute nicht verloren gegangen. In einem Festgottesdienst anlässlich des 40-Jährigen Bestehens hielt Pfarrerin Micaela Strunk-Rohrbeck am Sonntag Rückschau von den Anfängen bis zur Gegenwart. Für ihr treues Engagement über 40 lange Jahre hinweg wurden die fünf „Mitbegründerinnen“ vom Landesverband geehrt. Und auch die Lesungen der Vorstandsmitglieder sowie die Predigt von Pfarrerin Strunk-Rohrbeck zeigten auf, dass schon in der Bibel Frauengestalten vorbildhaft die christliche Frauenarbeit vorantrieben.
Bereits eine Woche nach der Einweihung der Christuskirche am 16. November 1969, die im vergangenen Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feierte, und mit der das eigenständige kirchliche Leben in Tonnenheide begann, wurden die erste Frauenhilfestunde und auch ein Abendkreis ins Leben gerufen. Ihre eigentliche Arbeit nahm die Frauenhilfe im Januar 1970 auf, ist seitdem untrennbar mit dem Gemeindeleben verbunden. Rund 70 Frauen nutzten diese neue Begegnungsform, sich in geselligem Rahmen über christliche und andere Themen auszutauschen, sich über das Leben, Probleme und Nöte vor Ort und in der Welt Gedanken zu machen, sich für das Gemeinwohl zu engagieren, wo es nur ging. „Federführend war in den ersten Jahren Gemeindeschwester Aleida, die mit ihrem resoluten Einsatz für den neuen Frauenkreis zu einer „Legende“ im Tonnenheider Gemeindeleben wurde. Später kümmerten sich Pfarrer Karl-Heinz. Röhling und seine Frau Heinke um die Frauenhilfe.
Andacht, Würdigung der Geburtstagskinder und Kaffeetrinken sind noch heute die Grundbestandteile der Frauenhilfe, bevor ein kirchliches oder gesellschaftspolitisches Thema in den Mittelpunkt gestellt wird. Auswärtige ReferentInnen sind des öfteren zu Gast.
„Die Hilfe von Frauen für Frauen ist seit mehr als 100 Jahren ein Wesenszug der evangelischen Frauenhilfe in Deutschland, seit 40 Jahren auch in Tonnenheide“, erläutete Pfarrerin Strunk-Rohrbeck weiter. „Krankenbesuche, Haussammlung, in Zeiten des Kalten Krieges auch Päckchenpacken für die DDR, Unterstützung christlicher Frauenprojekte des Landesverbandes und in aller Welt waren und sind ihr Wirkungsbereich.“ - Ihr Engagement für das Gemeindeleben - heute nicht mehr wegzudenken. 2002 trat der bis dahin selbstständige Abendkreis der Frauen der Nachmittagsgruppe bei. „Ein Schritt, der den Altersdurchschnitt erheblich verjüngte.“
Der Jubiläumsgottesdienst zollte all denjenigen Frauen Respekt, Dank und Anerkennung, die über die Jahrzehnte den Glauben und das diakonische Handeln in die Familien und in die Gemeinde hineingetragen hatten. Daher ließ es sich auch Gisela Gräber als Vertreterin des Bezirksverbandes Lübbecke nicht nehmen, insbesondere den „Frauen der ersten Stunde“ ihren Dank auszusprechen. Vier von ihnen, Ellen Jäger, Elfriede Fork, Sophie Henke und Anna Schmidt, konnten eine Urkunde des Landesverbandes in Soest als Zeichen des Dankes für vier Jahrzehnte treue Zugehörigkeit entgegennehmen. Minna Schwettmann wird diese Ehrung in den nächsten Tagen zuteil.
Der Festgottesdienst, in dem darüber hinaus die Zwillinge Louis und Jannis Kunter ihre Taufe empfingen, war natürlich auch musikalisch feierlich ausgestaltet. Annette und Kirsten Schepsmeier (Querflöte und Cello) und der Frauenchor Tonnenheide sowie Eva Zakotnik an der Orgel sorgten für eine besinnliche, zu gleich beschwingte klangliche Untermalung. „Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist,...“ – Getreu dem Liedtext von Klaus Peter Hertsch folgend, ist das Vertrauen der Tonnenheider Frauen in den vergangenen 40 Jahren nicht enttäuscht worden. „Denn gerade auf dem platten Land fühlt man sich in der Gemeinschaft Gleichgesinnter äußerst wohl. Das gibt Kraft, aufrecht durch’s Leben zu gehen“, wusste auch die 89-jährige Ellen Jäger zu berichten.