Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke
  • Presbyterium: v.l.n.r. Renate Schillak, Christiane Lohmeyer (stellv.Vorsitzende), Inge Dennenmoser, Heinirch Nunnenkamp, Karin Rieke, Ewald Schwenzfeger, Gudrun Scholle (Kirchmeisterin) und Antje Tittmann. Vositzende Pfrn. Antje Kastens (feht leider auf dem Foto)
  • Der Altarraum in Pr. Oldendorf
  • Gospelwettbewerb in Pr. Oldendorf

Karte Pr. Oldendorf


Evang.-Luth. Kirchengemeinde Pr. Oldendorf

Spiegelstraße 1b
32361 Pr. Oldendorf
Tel: 05742/5929

Ev. Kindertageseinrichtung "Baum des Lebens"

Schulstraße 23
32361 Preußisch Oldendorf - Getmold
Tel: 05742 - 2780

Ev. Kindergarten "Wunderwelt"

Spiegelstr. 4
32361 Pr. Oldendorf
Tel: 05742 - 2819

Ansprechpartner

Gemeindebüro Pr. Oldendorf
Pfarrer Michael Weber

Kirche Pr. Oldendorf

Südschiff vor 100 Jahren eingeweiht

VON HANS-JOACHIM KARRASCH Pr. Oldendorf (nw).

Nachdem Planung und Finanzierung feststanden, erfolgte im Herbst 1905 die Grundsteinlegung für den Erweiterungsbau der Pr. Oldendorfer St.-Dionysius-Kirche. Es war ein sehr großes Bauvorhaben für die Kirchengemeinde, in der damals die Pastoren August Volkening (1875 – 1907) und Ernst Blankenstein (1894 – 1913) als Pfarrer tätig waren. Das Mittelschiff und das Nordschiff der Kirche waren im Jahre 1510 fertiggestellt worden, wie es die Jahreszahl an einem der Strebepfeiler an der Nordseite der Kirche ausweist. Nach rund 400 Jahren sollte nun das Kirchengebäude durch den Anbau des Südschiffs eine wesentliche Erweiterung erfahren. Die Kirche erwies sich am Ende des 19. Jh. und zu Beginn des 20. Jh. bei den steigenden Zahlen der Gottesdienstbesucher als zu klein. Es gibt eine Innenaufnahme der Kirche aus der Zeit vor 1905, aus der ersichtlich ist, dass die Kirche ohne das große Südschiff und ohne die damals nicht vorhandenen Emporen ziemlich klein ist. Man sieht auf diesem mehr als 100 Jahre alten Foto auch einen Teil der Südinnenwand, die durch ihre Linienführung das Mittelschiff in der Platzkapazität erheblich verringert. Die Kirchenbänke auf der rechten Seite waren im Vergleich zu heute viel kürzer. In der unveröffentlichten Chronik im Lagerbuch der Ev. Kirchengemeinde von 1899/1911, geschrieben von Pastor Ernst Blankenstein, steht über die Grundsteinlegung des Erweiterungsbaus vor 100 Jahren folgender kurzer Abschnitt „Die Grundsteinlegung wurde im Herbst 1905 vollzogen. Pastor Volkening verlas Schriftstellen und fügte einige Worte hinzu. Pastor Blankenstein hielt das Gebet. Der Gesang der Kinder rahmte die ganze Feier ein. Es soll auch hingewiesen werden auf die Niederlegung einer verlöteten Kupferbüchse mit Inhalt in den mit der Jahreszahl 1905 bezeichneten Eckstein am südlichen Eingang.“ Es handelt sich bei diesen protokollarischen Sätzen um die Beschreibung einer gottesdienstlichen Handlung – mit Pfarrern, Presbyterium, Chor, der ganzen Gemeinde, leitendem Baumeister und Ehrengästen –, wie sie bei der Grundsteinlegung einer neuen Kirche stattfindet. Die eingravierte Jahreszahl 1905 ist heute noch ganz klar auf dem Eckstein am südöstlichen Strebepfeiler des Südschiffs erkennbar. Unter diesem Eckstein dürfen wir die „verlötete Kupferbüchse“ mit der Gründungsurkunde vermuten. Unveröffentlichte Chronik klärt den Bauvorgang In der unveröffentlichten Chronik finde ich besonders einige Sätze interessant, hilfreich und erfreulich, die sich mit dem Baumaterial vor 100 Jahren und dem Transport dieses Materials zum Kirchplatz beschäftigen. Da heißt es: „Was das Material angeht, so kamen die Sandsteine von Gehlenbeck, die Bruchsteine vorwiegend aus den Barkhäuser Steinbrüchen, meistens umsonst von den Kolonen (Landwirten) gefahren.
Der Sand zum Mauern kam von der Börninghauser Masch, der zum Verputzen von Frotheim. Der Sand ist ebenfalls meistens umsonst von den Kolonen angefahren worden. Den Kalk lieferte ein Kalkofen in Heddinghausen. Mit der Anfuhr wurde im Sommer 1905 begonnen.“ Das heißt, alles Baumaterial kam aus der hiesigen Gegend von bestimmten, damals ausgewiesenen Stellen und Orten, und unsere Landwirte aus unserer Kirchengemeinde haben mit ihren Fuhrwerken diese Materialien „meistens umsonst angefahren“. Die Zurverfügungstellung von Pferd und Wagen, von Zeit und Arbeitskraft war ihr Spendenanteil am Bau des Südschiffs unserer Kirche. Aber wie wurde dieses große Bauvorhaben eigentlich finanziert? Die Baukostensumme betrug vor 100 Jahren 75.000 Mark. Das war damals eine sehr große Summe. Ein Architekt aus D-Mark-Zeiten hat vor etwa zehn Jahren den Erweiterungsbau einmal durchgerechnet und die Lohn-und Materialkosten für den Bau – einschließlich Emporen und aufwendiger Abbruch- und Abstützarbeiten der Südwand – auf weit über eine Million Mark taxiert! Woher kam das viele Geld? Ich bin fast sprachlos, wenn in der Chronik der Satz zu lesen ist: „Mit einem Kostenaufwand von etwa 75.000 Mark ist die Kirche erweitert und renoviert worden, und die Gemeinde hat nichts dazu zu bezahlen gehabt.“ Die Gemeinde hatte damals einen großen Gönner und Mäzen. Das war August Lüling aus Bückeburg, der der Kirchengemeinde Ende 1904 / Anfang 1905 die ungewöhnlich hohe Summe von 53.000 Mark für die Kirchbau-Erweiterung schenkte. Er lebte von 1832 bis 1907 und war über 30 Jahre der Geschäftsführer und dann auch der Miteigentümer der 1785 in Reims gegründeten Weinfirma Heidsieck & Co, die auch heute noch unter der Firmenbezeichnung Piper-Heidsieck existiert und französischen Champagner herstellt.
Durch diese Firma erwarb er sich ein beträchtliches Vermögen. Er liebte und verehrte seine um 19 Jahre ältere Schwester Sophie, die mit dem Oldendorfer Apotheker Georg Philipp Ernst Hartmann verheiratet war. Von seinem Altersruhesitz Bückeburg besuchte er sie in Oldendorf immer wieder und entwickelte auch ein besonderes Verhältnis zur Kirche in Oldendorf. Pastor Volkening sagte von ihm: „Er hat Oldendorf lieb gehabt“. Als Lüling den hohen Betrag der Kirche geschenkt hatte, sagte Volkening später bei der Einweihung: „Kein Mensch hatte ihn darum gebeten, sondern er hat es ganz freiwillig getan“. Pastor August Volkening war mit 20.000 Mark der zweite große Spender. Er hatte eine wohlhabende und reiche Frau, Adele Bartels aus Gütersloh, geheiratet. Sie war aus vollem Herzen damit einverstanden, diesen hohen Betrag für die Kirchbau-Erweiterung zu stiften. Solch eine große Summe kann man nur spenden, wenn man das Geld hat und wenn man seine Kirche liebt im Sinne des biblischen Wortes „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.“ Alte Ansicht: So sah die Pr. Oldendorfer Kirche im Jahr 1905 von innen aus. Sehr gut zu sehen sind die hochgestellten Stuhlreihen (r.), der wunderschöne Altar und die alten Bänke.