Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Matthias Claudius

Mondschein im Herzen.


Eine Audioaufnahme finden Sie «hier« .

Gehlenbecker Kirchenchor führt Ellsel-Singspiel auf.


Cornelia Müller

Sein Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“ gilt als ein Lieblingslied der Deutschen, und er selbst soll „Mondschein im Herzen“ gehabt haben, so jedenfalls hat es ein Zeitgenosse von ihm gesagt. Die Rede ist von Matthias Claudius – Journalist, Dichter und vor allem: Mensch. Der Alsweder Pfarrer Reinhard Ellsel und der Nürnberger Kantor Markus Nickel haben sich dem Menschen Matthias Claudius genähert, indem sie ihn selbst zu Wort kommen ließen: in einem Singspiel, das jetzt in der Gehlenbecker St.-Nikolaus-Kirche aufgeführt wurde.
Die Rahmenhandlung gab ein Brief von Matthias Claudius aus dem Wandsbecker Boten von 1777 vor. Reinhard Ellsel hatte den Text behutsam modernisiert und schlüpfte für das Singspiel „Mondschein im Herzen“ selbst in die Rolle des Verfassers, der seinem Freund Andres (Jürgen Giszas) vergnügt von der Feier seines Geburtstages berichtet. Da kreiste die Weinflasche, da wurde ein Freudenfeuerwerk (bestehend aus einer Wunderkerze) gezündet und wenig deutete darauf hin, dass der Dichter auch die Schattenseiten des Lebens kannte.
Matthias Claudius wusste das Leben zu genießen, aber er war kein Bruder Leichtfuß. Die elf Lieder und Gedichte, die von Markus Nickel vertont und an passender Stelle in die Rahmenhandlung eingefügt worden waren, sprachen eine deutliche Sprache. Claudius besaß eine tiefe Frömmigkeit, die durch nichts zu erschüttern war. Die dunklen Stunden, von denen es nicht wenige gab, konnten ihm nur deshalb nichts anhaben, weil er den Mondschein, der die Nacht erhellt, im Herzen trug. So konnte er jede kleine Freude und überhaupt sein ganzes Leben als Geschenk Gottes begreifen: „Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn ...“
Unter der Leitung von Ingeborg Renz trug der Kirchenchor an St. Nikolaus den bekannten Choral und die übrigen Lieder mit großer Wärme und hörbarer Zuneigung zu ihrem Dichter vor. Einfühlsam begleitet wurde der Chor dabei von Heinz-Hermann Grube (Klavier) und Annette Schepsmeier (Flöte). Und am Ende stimmten auch die Zuhörer gern und tief beeindruckt in die letzte Strophe des „Abendliedes“ ein. Das Singspiel hatte ihnen den Menschen Matthias Claudius ganz nah gebracht. Einen Menschen, der, wie Reinhard Ellsel sagte, „selbst nicht mehr sein wollte, als er war: Von Hauptberuf Mensch und ein Kind Gottes.“
Das Singspiel „Mondschein im Herzen“ ist die vorletzte Veranstaltung im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Evangelischen Kirchenkreises Lübbecke zum 200. Todestag des Dichters gewesen. Den Abschluss bildet ein Fernsehgottesdienst am 16. August in der Alsweder Kirche.

Singspiel von Pastor Reinhard Ellsel über Matthias Claudius

VON IMME LOHMEYER-LOREK

Lübbecke-Gehlenbeck. Ein Singspiel der besonderen Art gab es jetzt in der St. Nikolaus-Kirche in Gehlenbeck zu hören. "Mondschein im Herzen" - nach Matthias Claudius unvergänglichem Abendlied, das noch heute Kinder vorm Zubettgehen vorgesungen bekommen - lautete der Titel des Werkes, das sehr gelungen war und entsprechend von einem großen Publikum gewürdigt wurde. Der Titel bezieht sich auch auf die gesamte Veranstaltungsreihe, die Pastor, Referent und Autor Reinhard Ellsel in Kooperation mit "Kultur plus" zum Claudius-Jahr organisierte.

Ellsel hatte sich bei der Erstellung der Texte auf biografische Daten von Claudius bezogen, insbesondere auf einen Brief aus dem Jahr 1777 an dessen Freund Andres. Sehr ausführlich berichtete der Literat darin über eine Geburtstagsfeier mit vielen Gästen, opulentem Mahl, dem üblichen Small-Talk und einer Opernaufführung seines Vetters. Auf seinen Assoziationen beruhend, wurden thematisch passende Lieder in das Singspiel eingeblendet. Lieder über die Feier, die Erinnerung an seine verstorbenen Kinder und über den innigen Glauben, der den Jubilar Zeit seines Lebens beseelte ("Ich danke Gott und freue mich").

Ellsel verkörperte Claudius in rotem Wams, mal mit Weinflasche in der Hand beim Feiern, mal mit Pistole oder einer Wunderkerze. Sein intensives Studium der Schriften und Briefe des Autors, der in diesem Jahr seinen 200. Todestag feiert, befähigte Ellsel, die Rolle des Claudius glaubhaft und überzeugend zu mimen.

Den Part seines Freundes Andres übernahm Jürgen Giszas als Kulturbeauftragter des Kirchenkreises, der auch einige biografische Daten über Claudius lieferte. Das Abendlied spiegele die wesentlichen Überzeugungen des Lieddichters wider, so Giszas. Krankheit und Tod in seinem Umfeld ließen Claudius zu einem tiefsinnigen Menschen werden, der den Tod als Lehrmeister begriff, der ihm den Blick auf das Wesentliche öffnete.

Die Musik aus der Feder des Nürnberger Kirchenmusikdirektors Markus Nickel umfasste acht Lieder, die das Leben des Protagonisten darstellten. Eine Hymne auf seine Ehefrau Rebecca, die Claudius auch in seiner journalistischen Arbeit beim "Wandsbeker Boten" unterstützte, war das innige "Ich habe dich geliebet und ich will dich lieben". Claudius besang seine Gattin hier als ein Gottesgeschenk. Weiterhin wurde sein Kinderglück in dem freudig-lebhaften "Kommt Kinder, wischt die Augen aus" zum Ausdruck gebracht.

Ein Highlight war sicher der wunderbare langsame Walzer "Ich lag und schlief" über den Todgeweihten, der dann doch gesundete, in der Musik manifestiert durch einen Wechsel von Moll nach Dur. Hier erbrachte der Kirchenchor an St. Nikolaus unter Leitung von Ingeborg Renz eine überragende Leistung. Feinfühlig und nuancenreich erzählten die Sänger das Leben des Jubilars nach. Drei weitere Lieder wurden in ihrer ursprünglichen Version übernommen, der bekannte Choral "Wir pflügen und wir streuen", Claudius wohl berühmtestes Lied "Der Mond ist aufgegangen" und das Lied "Der Winter ist ein rechter Mann". Sehr harmonisch war das Flötenspiel von Annette Schepsmeier, das Kantor Heinz-Hermann Grube am Klavier ergänzte. Der Abend endete, wie sollte es auch anders sein, mit Claudius? Abendlied, dessen Melodie die Flöte bereits zu Beginn des Singspiels vorweggenommen hatte.

Ein gelungenes Experiment, dem Jubilar in Wort und Ton ein Denkmal zu setzen, wie der begeisterte Schlussapplaus des Publikums bestätigte. Als Zugabe sangen dann alle die letzte Strophe des Abendliedes.

NW26.6