Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

"Local Heros" in Gehlenbeck


Unbequeme, aber liebenswerte Persönlichkeit
„Kaktus-Gruppe“ eröffnet ihre Reihe „Local Heroes“ im Gehlenbecker Gemeindehaus mit Addi Alexis Schaefer




VON CHRISTIANE TIETJEN

Lübbecke-Gehlenbeck. Die Kaktus-Gruppe der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Gehlenbeck hatte zur Eröffnung ihrer Reihe „Local Heroes“ den bekannten Kulturschaffenden und Rezitator Addi Alexis Schaefer eingeladen. Das Anliegen der zehnköpfigen Gruppe: Menschen zusammenzubringen, die wenig „Draht“ zur Kirche haben.
Trotz ihres stacheligen Namens verstand es „Kaktus“ mit seinen Interviewern Hannes Steen und Eckhard Brune am Samstag, Nähe zu schaffen. Für die Musikuntermalung sorgte Christoph Kämper mit Gitarre und Gesang. Ein griechischer Touch mit Oliven, Rotwein und Ouzo durfte da nicht fehlen, schlägt doch das Herz des Eingeladenen schon lange für die Lebensart der Hellenen.
„Heroes – Helden“, Addi Schaefers Gesicht verzieht sich zu einem Grinsen, „damit habe ich so meine Probleme. Aber man sagt ja auch ironisch: Du bist mir einer schöner Held.“ Alles Pathetische liegt ihm nicht, dem Urgestein aus Sachsen. Die schlagwortartig nach dem Alphabet gestellten und mit einem Satz zu beantwortenden Fragen führen hinein in eine vielleicht unbequeme, aber doch liebenswerte Persönlichkeit. A wie Alexis Sorbas - „wunderbarer Kerl“, G wie Gott – ich glaube, obwohl es mir manchmal schwerfällt, und das hat wiederum mit K wie Krankheit zu tun – eine Tunnelfahrt! Z wie Zeit – dazu ein Zitat von Erhard Kästner: Die Zeit ist wie eine Strickleiter, die dir zugeworfen wird.“
Frappierend dann die Eigenschaften dies Sternzeichens Löwe, dem Schaefer angehört, verlesen von Eckhard Brune. „Wo haste das denn her?“ schmunzelt der als extrovertiert, eitel, gern im Rampenlicht stehend Charakterisierte. Er soll schnell ausrasten können, der Löwe, ein wertvoller Freund sein, und ein großes Durchhaltevermögen haben. Wenn man Schaefers Biografie betrachtet, auf die er bildhaft und plastisch Streiflichter wirft, ist diese Standfestigkeit wie ein Leitfaden.
Der Weg nach Gestringen ist schnell erzählt: Sporthochschule Köln, Ausbildung zum Sonderschullehrer an der Akademie Kettwig – 1963 bezieht Addi Schaefer die ofenlose Lehrerwohnung in der Alten Schule mit dem Türmchen. Ostwestfälische Vorurteile lassen ihn eine Außenseiter-Rolle einnehmen als „langhaariger Affe“, in der er sich aber beständig durchsetzt mit bahnbrechenden Projekten wie Kleinkunst-Brettlbühne, Zirkus Krönchen, Nacht der Komödianten.
Ein Begriffe-Ratespiel mit dem Stichwort „Seemannsgarn“ lässt ihn in einer Improvisation als Geschichtenerzähler aufleuchten, am Ende der Veranstaltung noch gesteigert durch den glänzend vorgetragenen „Schischiphusch“ von Wolfgang Borchert.
Name ist Programm: Die „Kaktus“-Mitarbeiter Hannes Steen (l.) und Eckhard Bruhne (r.) stellten dem „Local Heroe“ Addi Schaefer bei Mineralwasser, Cola und Wein auch herausfordernde, spitz formulierte Fragen. FOTO: CHRISTIANE TIETJEN


© 2010 Neue Westfälische
Zeitung für den Altkreis Lübbecke, Mittwoch 02. Juni 2010