Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Ein Abend mit Heinz Erhardt

Gehlenbeck (wk). Nein, es ging nicht um die Frage, warum die Zitronen einst süß und dann sauer wurden: Heinz-Erhardt-Rezitator Herbert Soldato hat bei seinem Auftritt im Gehlenbecker Gemeindehaus eine eher unbekannte, zuweilen ernste Seite des unvergessenen Humoristen präsentiert.

An diesem Abend wollte Herbert Soldato verdeutlichen, dass Heinz Erhardt auch Themen wie das Sterben oder Sozial- und Gesellschaftskritik stets mit einer gelungenen Pointe versehen konnte. In den folgenden Zeilen reimt Heinz Erhardt diese Verse: »Wo bleibt Tod im schwarzen Kleide? Wo bleibt Tod und tötet mich? Oder besser noch: Uns beide. Oder besser: Erst mal dich.«

Von diesem Kaliber hatte Herbert Soldato einige Gedichte im Repertoire, wobei er die unvergleichliche Art und Weise von Heinz Erhardt gekonnt aufgriff. Weitgehend unbekannt war dem Publikum im voll besetzten Gemeindehaus beispielsweise, dass Heinz Erhardt in seinen Gedichten auch die britische Kolonialzeit in Indien oder das Schicksal von Indianern und farbigen Menschen in den USA aufgegriffen hat. Der Humorist übteauch Sozialkritik während der Wirtschaftswunderzeit in Deutschland. Herbert Soldato betonte: »Heinz Erhardt hielt den Menschen den Spiegel vors Gesicht.«

Musikalisch begleitet wurde der Rezitator von Anna Dombrowski am Klavier. Die Melodien, mit der sie den Vortrag des Rezitators veredelte (beispielsweise »Sag mir wo die Blumen sind«) passten zu einem stimmig-gelungenen Abend.

Die Kaktusgruppe der Kirchengemeinde, die zum Erhardt-Abend eingeladen hatte, war nach zwei Stunden voller feinsinnigem Humor ebenso angetan wie das Publikum. »Ein wunderbarer Auftritt«, urteilte eine Zuhörerin. Zum Dank erhielt Herbert Soldato Eintrittskarten für den in der Region recht bekannten Rezitator Frank Suchland, der bald auf Schloss Benkhausen zu hören ist.


Heinz Erhardt-Gedicht im Gehlenbecker Gemeindehaus: Herbert Soldato wurde von Anna Dombrowski begleitet. 

Text und Foto: Kai Wessel 

Westfalen-Blatt vom Dienstag, den 19. April 2016