Evangelischer Kirchenkreis Lübbecke

Die Heilende Kraft des Trauerns



 Das Alsweder Ensemble „Flötissimo“: Irmgard Buchholz, Almut Tecklenburg, Beate Voß, Petra Biermann Häseker, Christiane Kiunka, Gudrun Niemann, Dirk Berens, Merrit Wiehe.


Wandlungsgeschichten des Lebens

Über die heilende Kraft der Trauer


Cornelia Müller

Seit 1992 gibt es in der Evangelischen Kirchengemeinde Gehlenbeck einen Arbeitskreis „Helfen und Begleiten“. Seine Mitglieder entlasten pflegende Angehörige, begleiten Sterbende und besuchen Trauernde. Gemeinsam mit dem Alsweder Ensemble „Flötissimo“ haben sie unter der Leitung von Irmgard Buchholz einen „Abend mit Musik und Poesie“ in der St. Nikolaus-Kirche ausgerichtet, der unter dem Thema „Wandlungsgeschichten des Lebens“ stand.
Das Programm war eine Einladung, „sich gemeinsam auf den Weg zu machen durch die Berg- und Tal-Fahrten des Lebens“, wie Irmgard Buchholz sagte. Viele der ausgewählten Lieder handelten deshalb vom Reisen, vom Weg „über sieben Brücken“ und vom Mut, immer wieder neu den Aufbruch zu wagen.
Passend dazu griffen die „Wandlungsgeschichten“, die die Mitglieder des Arbeitskreises vortrugen, die unterschiedlichen Stationen eines Lebens auf. Das begann mit einem Dialog nach Henry Nouwen, in dem ungeborene Zwillinge im Bauch der Mutter darüber diskutieren, ob es überhaupt ein Leben nach der Geburt gibt. Vom Ende der Schulzeit und vom Erwachsenwerden handelte der Text „Wünsche an meine Zukunft“ von Annika Vahle, und auch die letzte Station, der Tod, wurde nicht ausgeklammert. Er begegnete in Mascha Kalékos eindringlichem „Memento“: „Den eignen Tod, den stirbt man nur; doch mit dem Tod der anderen muss man leben.“
„Wir wollen Mut machen, der Trauer Raum zu geben und die Wandlungen des Lebens anzunehmen“, sagte Helga Finke, Mitglied des Arbeitskreises „Helfen und Begleiten“. „Vielleicht kann der Abend helfen, unser eigenes Leiden in einem anderen Licht zu sehen, den Lebensfaden neu zu knüpfen“, hoffte Irmgard Buchholz. Der Ton der Veranstaltung war deshalb trotz des ernsthaften Themas eher heiter. „Flötissimo“ steuerte eine ganze Reihe schwungvoller Lieder bei und lud zum Mitsingen ein, denn: „Singen tut gut“.
Statt dem Schwarz der Trauer bestimmte also lebensfrohe Farbigkeit den Charakter des Abends – und auch der Komiker Karl Valentin kam zu Wort: „Wer am Ende ist, kann von vorn anfangen, denn das Ende ist der Anfang von der anderen Seite."