{=webseitetitle=}

Illu

Sie befinden sich hier: / Gemeinsame Dienste / Gehörlosenseelsorge


Inhalt

Gehörlosenseelsorge

Bericht der Gehörlosenseelsorge im Kirchenkreis Lübbecke



1 Rückblick auf die letzten zwei Jahre 2006/2007



1.1 Die wichtigste Veränderung

Seit Beginn meiner Tätigkeit als Gehörlosenseelsorger im Kirchkreis Lübbecke Januar 2003 hat sich in der Gehörlosenseelsorge und damit auch in der Gehörlosengemeinde im Kirchenkreis Lübbecke einiges verändert.
Eine ganz zentrale Veränderung ist das Selbstverständnis der gehörlosen Menschen in unserer Kirche.
In der Vergangenheit erlebten gehörlose Menschen Kirche stets als die Kirche der Hörenden, es wurde „Lautsprache gesprochen“, nur wenige Gebärden verwendet, die Gebärdensprache nur in Ansätzen. Es war die kirchliche Kultur hörender Menschen, in der gehörlosen Christinnen und Christen lebten. In den letzten Jahren hat sich dies deutlich verändert.

Der HERR sprach: Wer hat dem Menschen den Mund geschaffen?
Oder wer hat den Stummen oder Gehörlosen oder Sehenden oder Blinden gemacht?
Habe ich's nicht getan, der HERR?  2.Mose 4,11

Gehörlose Menschen in unserer Kirche wollen sich vollständig als von Gott geliebte Geschöpfe begreifen können. Gehörlosigkeit ist nach 2.Mose 4,11 keine Strafe oder auferlegtes Leid. Hier wird deutlich, Gehörlose sind ebenso ein Teil der Schöpfung wie die Hörenden, denn Gott selber hat sie geschaffen. Die kommunikativen Einschränkungen und Benachteiligungen, die Gehörlose in ihrer Lebenswelt erleben, sind nicht von Gott gewollt. Sie entstehen immer dann, wenn keine gebärdensprachliche Kommunikation mit Hörenden möglich ist. In der Beziehung zu Gott sollen die Einschränkungen keine Rolle spielen. Gottes Liebe gilt den Gehörlosen genauso uneingeschränkt, wie allen anderen Menschen.
Dass Gott alle Menschen gleich liebt, war den Gehörlose auch schon in der Vergangen­heit gesagt worden. Aber die Form der Gottesdienste vermittelte ihnen etwas anderes. Sie fühlten sich in der Kirche eher als Gäste, nicht als Glieder. Gott war einer, zu dem man „sprechen“ soll. Mit Gott im Gebet zu gebärden, war lange Zeit eine eher fremde Vorstellung.
Viele der älteren Gemeindeglieder erzählen heute inzwischen mit einem Lächeln von ihrer Trauung, bei der sie nichts oder nur wenig verstanden. Erst bei den Traufragen bekamen sie z.B. durch Kopfnicken ein Signal, sprachen laut „Ja“ und waren damit kirchlich getraut.
Heute ist das gottesdienstliche Leben der Gehörlosengemeinde ein lebendiges und wachsendes. Alle Gottesdienste werden in Gebärdensprache gefeiert, auch die Taufen, Trauungen und Beerdigungen. Das Wort Gottes wird nun „gesehen“ und in der gebärdensprachlichen Predigt ausgelegt. Die Liturgie der Gottesdienste entspricht in fast allen Teilen der der Hörenden, aber durch die Gebärdensprache entsteht ein direkter Zugang. So wird jeder Gottesdienst nicht nur „beobachtet“, sondern gemeinsam gefeiert. An die Stelle der Orgelvorspiele traten mit dem Beamer projizierte Bildanimationen zu den Themen des Kirchenjahres. Eine wachsende Sammlung von Gebärdenliedern, die wir in den Gottesdiensten miteinander gebärden, machen die Gehörlosengottesdienste lebendig und geben ihnen einen eigenen Charakter.
Eine gehörlosengerechte, visuell geprägte Spiritualität ist entstanden.
 

1.2 Gottesdienste der Gehörlosengemeinde

Im Mittelpunkt des gemeindlichen Lebens der Gehörlosengemeinde steht der monatliche Gehörlosengottesdienst in der Andreaskirche in Lübbecke. Im Anschluss daran findet die traditionelle Gemeindeversammlung im Andreas-Gemeindehaus statt.
Dank der langjährigen, freundlichen Aufnahme in der Andreas-Kirchengemeinde Lübbecke ist die Andreaskirche und das Gemeindehaus zur kirchlichen Heimat der Gehörlosengemeinde geworden. Die Besucherzahlen des Gottesdienstes liegen im Durchschnitt bei 25 Personen, das sind etwa ein Drittel der Gemeindeglieder. An der jährlichen Weihnachtsfeier in der Adventszeit nehmen in der Regel über fünfzig Besucher teil.
Gottesdienste an den kirchlichen Festtagen, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten sind für eine Gehörlosengemeinde keine Selbstverständlichkeit.
Nur wenn der monatlich Gottesdiensttermin (vierter Sonntag im Monat) auf ein solches Fest fällt, hatten wir die Gelegenheit zum Festgottesdienst einzuladen. Ab 2008 bieten wir im Rahmen der Gehörlosenseelsorge in der Region Ostwestfalen Festgottesdienste zu den Hauptfesten am Ostersonntag, Pfingstsonntag und am zweiten Weihnachtstag an. Dazu werden alle ostwestfälischen Gehörlosengemeinden eingeladen.



1.3 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Zu den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zählen eine Gemeindesprecherin und ein Gemeindesprecher sowie eine Stellvertreterin, die organisatorische Aufgaben übernehmen und als Vertreter der Gemeinde regelmäßig an den westfälischen Gemeindesprecherversammlungen teilnehmen.
Ähnlich der Presbyterwahl werden die Gemeindesprecher alle vier Jahre neu gewählt bzw. im Amt bestätigt.
Wir haben darüberhinaus einen Kreis von Helferinnen und Helfern, die die Veranstaltungen mit dem Gehörlosenseelsorger vor- bzw. nach bereiten.



1.4 Seelsorge

Neben Gottesdienst und Gemeindeaufbau bildet die diakonisch orientierte Seelsorge mit den gehörlosen Gemeindegliedern einen wichtigen Bestandteil der Arbeit.
Diakonisch orientiert ist die Gehörlosenseelsorge, weil meist mit Seelsorge viele lebenspraktische Hilfen verbunden sind, die weit in den Bereich des diakonischen Handelns hineinreichen. Seelsorge mit Gehörlosen bedeutet in vielen Fällen, bei Problemen zu helfen, die aufgrund der Kommunikationseinschränkungen entstehen.
So sind ein Arztbesuch, ein Brief vom Vermieter oder ein Konflikt am Arbeitsplatz für Gehörlose oft viel schwieriger zu bewältigen als für Hörende. Entweder fehlen notwendige Hintergrundinformationen oder weil die Kommunikation mit den beteiligten hörenden Personen in der Regel nur bruchstückhaft gelingt. Die daraus resultierende Unsicherheit, Sorge oder Angst sind meist der Motor, sich an den Seelsorger zu wenden und um Hilfe zu bitten. Im Laufe meiner Tätigkeit im Kirchenkreis Herford habe ich die Gehörlosen allmählich kennen gelernt und es ist ein Vertrauensverhältnis entstanden, auf dem diese Art von Seelsorge basiert. Daher gab es zahlreiche Termine, bei denen ich Gehörlose zum Beispiel zum Arzt, ins Krankenhaus, ins Pflegeheim bei Operationen und Untersuchungen, zu Anwälten, zum Arbeitgeber, zu Ämtern, zu Elternsprechtagen oder zu Beratungsstellen, etc. begleitete. Geburtstagsbesuche gehören selbstverständlich auch zur Seelsorge dazu.
Seelsorge ist in diesen Situationen zwar oft auch Kommunikationshilfe. Viel wichtiger sind dabei allerdings Bestärkung, Unterstützung und manchmal auch stellvertretendes Handeln, wenn die Gehörlosen darum bitten und vorher ihre Interessen mit dem Seelsorger besprochen haben.
Ein Teil der Seelsorge betrifft nicht nur die Gehörlosen selber, sondern auch die hörenden Angehörigen. Kinder gehörloser Eltern zum Beispiel wenden sich teilweise mit ihren seelsorglichen Anliegen ebenfalls an den Gehörlosenseelsorger.

1.5 Öffentlichkeitsarbeit

Die Gehörlosengemeinde lebt als eine kleine Minderheit unter den Hörenden. Viele Hörende wissen wenig oder nichts über Gehörlose, ihre Sprache und Kultur. Missverständnisse oder Unwissenheiten der Hörenden erschweren den Gehörlosen oft die ohnehin schon schwierige Situation.
Benachteiligung und Diskriminierung geschehen selten aus böser Absicht, sondern aus Unwissenheit oder Gleichgültigkeit, sind aber alltäglicher Bestandteil des Lebens gehörloser Menschen. Daher ist ein wichtiger Bereich der Gehörlosenseelsorge die Aufklärungsarbeit in der kirchlichen und kommunalen Öffentlichkeit.
Berichte und Interviews in Presse und Lokalfunk sowie Vorträge in Gruppen und Kreisen der hörenden Gemeinden wie auch die Zusammenarbeit mit Schulen gehören dazu.
Durch Information und Aufklärung soll die Anerkennung der Gehörlosen als sprachliche Minderheit und die Gleichberechtigung gefördert werden. In diesem Zusammenhang fanden mehrere gemeinsame Gottesdienste von Hörenden und Gehörlosen statt. Auch beim ökumenischen Gemeindefest in Lübbecke ist die Gehörlosengemeinde dabei.


1.6 Landesbeauftragung für Gehörlosenseelsorge

Im kommenden Jahr 2009 besteht die große Chance, die Landesbeauftragung für die Gehörlosenseelsorge in Westfalen in den Kirchenkreis Lübbecke zu holen, da ich als Nachfolger für den im nächsten Jahr scheidenden Landesbeauftragten, Pfarrer Benno Weiß aus Siegen, von der Landeskirche vorgeschlagen worden bin. Es handelt sich um eine halbe Pfarrstelle, die von der Landeskirche finanziert wird. Bisher war die Landesbeauftragung mit der Gehörlosenseelsorge in den Kirchenkreisen Siegen und Wittgenstein und der Region Südwestfalen verknüpft worden. Nun besteht die Chance, die Landeskirchliche Beauftragung mit der Gehörlosenseelsorge in den Kirchenkreisen Herford und Lübbecke und der Region Ostwestfalen zu verknüpfen.
Dies ist allerdings nur möglich, wenn dazu eine halbe Pfarrstelle errichtet wird, mit der ich dann den Dienst meiner bisherigen Beauftragung im Entsendungsdienst fortsetzen kann.

Die Gehörlosenseelsorge in den ostwestfälischen Kirchenkreisen hat sich in den letzten zehn Jahren in vielerlei Hinsicht zu einem blühenden, wachsenden Arbeitsfeld entwickelt. Nicht zuletzt ergab sich dadurch auch immer wieder eine Vorreiterrolle innerhalb der westfälischen Gehörlosengemeinden. Dazu passt die Verbindung mit der Landesbeauftragung gut. Wie auch in vielen anderen Bereichen der Landeskirche kann Lübbecke in Kooperation mit Herford und den übrigen Kirchenkreisen der Region Ostwestfalens durch die Verknüpfung einer halben Pfarrstelle mit der Landesbeauftragung der Gehörlosenseelsorge auch auf diesem Gebiet innovativ und zukunftsweisend sein.

Christian Schröder



Suchen und Finden




Unsere Gottesdienste

Dieses Bild ist nicht vorhanden.

EINFACH FR3I - Reformationsjubiläum 2017

Dieses Bild ist nicht vorhanden.

Presbyterien im Lübbecker Land 2016

Dieses Bild ist nicht vorhanden.

Flüchtlingsarbeit im Ev. Kirchenkreis Lübbecke

Dieses Bild ist nicht vorhanden.
 

SEPA-Bankverbindungen des Ev. Kirchenkreis Lübbecke

 

      Dieses Bild ist nicht vorhanden.


TelefonSeelsorge Ostwestfalen

Dieses Bild ist nicht vorhanden. 

Unsere Landeskirche

Dieses Bild ist nicht vorhanden.

Klicken Sie »hier» :


Das Sonntagsblatt "Unsere Kirche"


geistreich


E-wie evangelisch

Dieses Bild ist nicht vorhanden.
klicken sie hier!