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Illu


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Konzert geht unter die Haut

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Intensive Auseinandersetzung - STABAT MATER von Dvorak in der Lübbecker St. Andreaskirche aufgeführt. CS


Man konnte es schon vor dem ersten Ton ahnen: Diese Aufführung berührt. Niemand, der diese Musik an sich heranlässt, kommt ungeschoren davon. Über 100 Musizierende und vier Solisten unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Heinz -Hermann Grube schufen ein großes Klangerleben, interpretierten große Musik und zogen die Konzertbesuchenden hinein in den verzweifelten Schmerz einer Mutter, die ihr Kind verloren hat. Zugleich deutet diese Musik auch dieses Erleben. Wer den Schmerz erlebt, wer hindurchgeht durch die Verzweiflung, der kommt verwandelt daraus hervor. Dieses Stück am Sonntag „Kantate“ aufzuführen zeigt, wie sehr die Aufforderung zum Singen kein Gefühl außen vor lässt.

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Hohe Intensität, ein ausdrucksstarker Chor, ein vitales Orchester und der feine Klang der solistischen Stimmen schufen ein Ganzes, facettenreich vor allem durch die Holzbläser gestaltet, deren Melodien immer wieder hervorstachen. Manchmal sanft, manchmal atemlos malte die Musik Gefühle in die Herzen, die den Schmerz, den Zorn und die Auswegslosigkeit erahnen lassen. Immer wieder trägt die Musik die Gefühle. Geht es zunächst um die trauernde Mutter, so wird danach der Wunsch nach Mitgefühl stark, zunächst mit Maria, dann mit Christus selbst, der allein der Grund von Erlösung sein kann. Die Solisten Catalina Bertucci, Janina Hollich, Stephen Chambers und Andreas Jören vertieften den Eindruck großer Innigkeit bis zur Gänsehaut. Immer wieder traten sie in unterschiedlicher Besetzung vor das Publikum und bereicherten das Stück durch feine Klangfarben. Das gewaltige Orchester ging bis an die Grenzen des Klangraumes. Man konnte ihm nicht ausweichen. Der große Chor nahm mit hinein in das Mitgefühl.
Man kann erahnen, dass Dvorak den Schmerz kannte, vielleicht ließ er sich von seiner Musik auch trösten, er verlor selbst alle seine Kinder.
Ob der mittelalterliche Text die Gefühle des neuzeitlichen Menschen wiedergibt, ist fraglich, auch wenn er durch die Übersetzung viel von der Fremdheit verliert, die Musik führt durch den Schmerz in die Christusfrömmigkeit, mit der wir leben und sterben können. Dramatisch das 10. Stück, dass mit einem nicht enden wollenden Amen das Konzert beendet. Amen! So sei es!

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Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch! Mit stehendem Applaus bedankte sich das Publikum für dieses Konzert. Die Solisten und Heinz-Hermann Grube schienen freudig überrascht über diese Begeisterung. CS




Lübbecke(WB). Der Inhalt des mittelalterlichen Gedichtes »Stabat Mater« ist am Sonntagabend in der Andreaskirche musikalisch interpretiert worden. Hier haben Sänger mit Sopran- und Tenorstimmen, Chorgesang und Orchesterklang eine Geschichte über die Leiden Jesu erzählt.

Vor vollen Rängen griffen Kantorei und Sinfonieorchester Lübbecke zu Gesangbuch und Geigenbogen. Schon zu Beginn des Konzerts wurde die Kirche mit einer Melodie aus dutzenden Stimmen erfüllt, die durch das Gotteshaus drangen und die Zuschauer andächtig verstummen ließen.

Vor der Kanzel dirigierte Kreiskantor Heinz-Hermann Grube die Musiker. Er erklärte, was es mit »Stabat Mater« auf sich hat: »Hinter der schwülstigen Sprache steht doch die schlichte Frage, wie wir Zugang finden können, zu dem, was am Kreuz geschehen ist.«

Begleitet wurde das Werk von Antonín Leopold Dvořák. Der tschechische Komponist hatte einst selbst den Tod seines Kindes verarbeiten müssen. Das mag wohl der Grund sein, warum die Vertonung des Gedichtes in die Tiefen der Gefühlswelt zu dringen schien. Berührend war der Gesang der Kantorei, der tröstend wirkte wie ein Wiegenlied.

Im Gegensatz dazu erfüllte das Solo des Tenors Stephen Chambers in Kombination mit dem Männerchor die Kirche mit einer Grausamkeit, wie sie durch die gewaltsame Kreuzigung von Jesus in der Bibel beschrieben wird.

Derweil sangen Sopranistin Catalina Bertucci und Altistin Janina Hollich im Duett. Bertucci gelang es, den Schmerz der Mutter stimmlich einzufangen, und auch Hollich sang passend zu der unerbittlich wirkenden Streicherbegleitung des Sinfonieorchesters. Andreas Jören als Solo-Bass komplettierte das Quartett mit einer von Blechbläsern umrahmten Phrase.

An den dramatischen Einstieg schloss sich ein ebenso dramatischer Ausstieg, der den Rahmen des Stücks bildete.

Danach folgte für einige Sekunden Stille, bis begeisterter Applaus losbrach.

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Text und Foto: Jessica Eberle, Westfalen-Blatt am 03. Mai 2018

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Oratorium über den Verlust

Stabat Mater: Die Kantorei St.-Andreas und das Sinfonieorchester Lübbecke führten die Komposition von Anton Dvorak unter Leitung von Heinz-Hermann Grube auf
Von Imme Lohmeyer-Lorek

Lübbecke. Sich an ein so gewaltiges Oratorium heranzuwagen wie "Stabat Mater", dazu gehört schon eine gehörige Portion Mut und viel Geduld beim Proben.

Beides hatten sowohl die Kantorei St.-Andreas sowie das Sinfonieorchester Lübbecke, die mit vier professionellen Gesangssolisten die Komposition von Anton Dvorak unter Leitung von Heinz-Hermann Grube in der St.-Andreas-Kirche aufführten.

Dass außer Dvorak etliche andere namhafte Komponisten das Thema der trauernden Gottesmutter um ihren Sohn inspiriert hat, zeigt seine zentrale Bedeutung im Christentum. Auch wenn für Protestanten die Figur der Maria zu sehr in den Mittelpunkt gerückt wird, so jedenfalls äußern es etliche Kritiker.

Das zentrale Thema der Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen wurde vom Komponisten in vielen Schattierungen geäußert, von stiller Zurückhaltung bis zu massiver Dramatik.

Die Kantorei brachte das Kirchenschiff zum Vibrieren

So begann das Oratorium mit den zarten, seufzenden Klängen von Streichern und Holzbläsern (sehr professionell gespielt), bis alle Instrumente einsetzen und die Pauke das letzte Wort hatte. Das Sinfonieorchester Lübbecke, längst schon durch seine geschliffenen Auftritte bekannt, spielte sehr sicher und musikalisch ausgereift.

Der Chor setzte zu Beginn des Oratoriums mit monotonen Rufen ein, die sich aber schnell in eine lebendige Melodie verwandelten. Im fünften Satz hatte er seinen großen Auftritt mit einem langsamen Dreiertakt wie ein melodiöser Walzer, der dann in einen festlichen Choral überging und wieder im Dreiertakt endete. Die zahlreichen engagierten Sängerinnen und Sänger der Kantorei Lübbecke brachten mit ihrer Stimmgewalt das Kirchenschiff zum Vibrieren, beherrschten aber gleichzeitig die leisen Töne in den innigen Passagen.

Ein hochprofessionelles internationales Gesangsquartett bildete die Krönung der Darbietung, die viele Zuhörer angelockt hatte.

Catalina Bertucci als Sopranistin war wandelbar und hatte eine sehr tragende Stimme. So auch Tenor Stephen Chambers, dessen Stimmvolumen nach seinem schmelzenden Einsatz zu Beginn fast überraschte. Sehr expressiv war das Duo zwischen Alt (Janina Hollich) und Tenor im zweiten Satz über das Leiden eines Unschuldigen für die Sünden seines Volkes.

Zum Zeitpunkt der Todesstunde nahmen sich alle Darsteller zurück, so dass eine kurze, aber wirkungsvolle Zäsur entstand, bevor die Streicher wieder klagend einstimmten. Bassist Andreas Jören sang in seinem Solo im vierten Satz sehr weich und inbrünstig. Trat das Quartett komplett auf, so konnte den Zuhörern schon mal ein Schauer über den Rücken laufen. Das Zusammenspiel der beiden Ensembles mit den Solisten war so harmonisch, dass es ebenfalls professionell wirkte.

Für die eineinhalbstündige meisterhafte Darbietung spendete das große Publikum zum Schluss des Konzerts begeisterten Applaus.

© 2018 Neue Westfälische
14 - Lübbecker Land, Donnerstag 03. Mai 2018

 


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