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Cello Karfreitag

STILLE TÖNE

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Der Altar der St. Andreaskirche ist leer. Weder Blumen noch Kerzen schmücken den Steinblock. Die Konzertbesucherinnen und Besucher spüren Kahlheit, bekommen eine Ahnung von der kalten, ungemütlichen, fast unnahbaren Atmosphäre, die das Kreuz heute umgibt. Die Glocken schweigen.
Die Stille ist schwer zu auszuhalten. Endlich Cellomusik. Sigurd Müller gibt dieser Unnahbarkeit einen Klang. „Sanft trauernd“, beschreibt  Kirchenmusikdirektor Heinz-

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Hermann Grube den Ton, der die Besucher erwartet, „ruhig, demütig mit Freude durchmischt“. Vier Stücke, vier Zugänge zu einer im eigentlichen Sinne be-sinnlichen Musik, der Einladung, bei den Tönen zu bleiben, sich nicht zufriedenzugeben mit Ablenkung und heiterem Danebenstehen. Kommen die Stücke von Gabrielli und Bach von weit her und übersteigen Gefühl und Verstand, so klingen bei Weinberg und Koeppen zeitgenössische Emotionalität und Leidenschaft an.

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Das Ricercar Nr. 7 von Domenico Gabrielli stimmt mit klarer Struktur in die Ordnung ein, die die Hörer mitnehmen. In diesen Tönen versiegen die Wörter.
Bachs Suite Nr. 2 ist wie ein Gebet, eine Meditation, die sich ganz dem Augenblick ergibt: dieser eine Atemzug. Die Musik erhält den Geruch der Kirche. Es ist manchmal schwer, bei den Tönen zu bleiben, führen sie doch in die Ausweglosigkeit des Moments, in Abgründe.
Mieczyslaw Weinbergs Sonate lässt Melancholie spüren. Kraftvoll und vollmächtig klingen die Töne in den Kirchraum und zeugen durch fremd vertraute Tonfolgen von der tief entwaffnenden Versöhnung. Diese gibt es aber nicht umsonst. Da wird tiefe Emotionalität hörbar, manchmal bis zur Raserei verdreht, quälend und verletzend, als ob eine Kompanie im Gleichschritt lärmt. Leidenschaftlich ist auch die Spanische Fantasie von Gabriel Koeppen. Zuversichtlich wehen Töne in Moll herüber. Rhythmisch wirkt es wie das Vorspiel auf ein Fest.

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Müller beherrscht das Cello mit großer Finesse. Das Schwere wirkt spielerisch; auch Kontrapunkt und Fuge erhalten in ihrer Kompliziertheit erstaunliche Selbstverständlichkeit.
Die musikalischen Kleinode wurden unterbrochen von Lesungen. Heinz-Hermann Grube las Texte von Dietrich Bonhoeffer, Hilde Domin, Hans Dieter Hüsch und ein sehr eindrückliches Gebet, das aus einem KZ überliefert ist.
Die Musik zum Karfreitag hatte den Untertitel:“ Musik für Violoncello in „d“. Es wundert nicht, dass Sigurd Müller die Konzertbesuchenden mit einem „D“ des Cellos entließ.



Besinnliches in Wort und Musik

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Konzert zum Karfreitag: Sigurd Müller am Violoncello und ein rezitierender Kantor Heinz-Hermann Grube
trafen bei einer Aufführung in der St.-Andreas-Kirche den richtigen Ton
Von Stephan Pfeiffer
Lübbecke. C-Dur kennt mancher noch aus dem Flötenunterricht, und fröhlich erklingen viele Kinderlieder in dieser Tonart. Verändert sich der wichtige dritte Ton in der Tonleiter, erhält man "Moll", und schon wird der Charakter eines Stückes weicher, mitunter ernster. "Musik zum Karfreitag" lautet der Titel des Cellokonzertes, das Sigurd Müller am Hohen Freitag gab, dem Tag, an dem Christen weltweit dem Kreuzestod Jesu Christi gedenken. Für sein Violoncello-Solo wählte er deshalb vier Stücke in "D-Moll", einer Tonart, welche als ernst und doch feierlich gilt. 

"Schwermut, mit Freude durchmischt", umriss Kantor Heinz-Hermann Grube ihren Klangcharakter. Eine passende Auswahl der Stücke sei geboten, denn "Musik am Karfreitag möchte den richtigen Ton treffen", sagte Kirchenmusikdirektor Grube, der zwischen den Werken vier Texte rezitierte.

Die Textauswahl hob die Versöhnung der Welt mit Gott hervor

Mit der "Ricercar Nr. 7" von Domenico Gabrielli eröffnete der Künstler sein Konzert in St. Andreas und verblieb mit der folgenden "Suite Nr. 2, BWV 1008" von Johann Sebastian Bach im Barock. Zwischen beiden Vorträgen las Kantor Grube aus einem Text Dietrich Bonhoeffers: "Ecce homo - sehet welch ein Mensch! In ihm geschah die Versöhnung der Welt mit Gott. Nicht durch Zertrümmerung, sondern durch Versöhnung wird die Welt überwunden." 

Danach trug Grube "Ecce Homo" der Lyrikerin Hilde Domin vor: "Weniger als die Hoffnung auf ihn. Das ist der Mensch einarmig immer. Nur der gekreuzigte. beide Arme weit offen. Der Hier-Bin-Ich." 

Mit seiner Textauswahl hob Heinz-Hermann Grube deren gemeinsamen Leitgedanken hervor: Die Versöhnung der Welt mit Gott. Am Tag voller Trauer werde durch den Tod der Frieden zwischen Gott und Mensch möglich: "Versöhnung und Heil hat die Welt bitter nötig. Gott hat sie uns geschenkt. Das kann, muss und wird unser Leben bestimmen", sagte der Kantor.

Nach den Cellostücken des ausgehenden 17. und frühen 18. Jahrhunderts wagte der Künstler den Sprung in die Moderne. Dieser gelang und Müller überzeugte mit der "Sonate Nr. 1, op. 72" von Mieczyslaw Weinberg und der "Spanischen Fantasie" von Gabriel Koeppen. 

Mit den wütenden, tiefen Doppelgriffen und dissonanten Glissandi in Weinbergs Allegro schuf er den ernsten Höhepunkt im letzten Drittel seines Konzertes. Vorher stellte er die Fünf-Ton-Motive der Sonate vor und machte dadurch das Adagio, Allegretto und Allegro im Cello-Solo des polnischen Komponisten für sein Publikum fassbarer. 

Statt einer Zugabe nahmen die Zuhörer ein D mit nach Hause

Den Schluss bildete die "Fantasie" des Hamburger Komponisten. Dort arpeggiert der Daumen im Andante spanisch anmutende Dreiklänge, und der Bogen schlägt in schnellen 64-teln einen typischen Kastagnettenrhythmus. 

"Friede sei den Menschen, die bösen Willens sind, und ein Ende sei gesetzt aller Rache. All das Gute soll zählen und nicht das Böse", heißt es in einem jüdischen, aus dem KZ überlieferten, Gebet, welches Heinz-Hermann Grube las. Mit einem Segenswunsch von Hanns Dieter Hüsch entließ der Rezitator die Zuhörer: "Er sei mit uns wenn wir unter den Verlierern sind und gebe uns die Kraft zur Demut, die Kraft am Ende aufzustehen für einen neuen Anfang. Wer anders könnte uns zu neuem Lachen führen, zu neuer Hoffnung und Freude, Immer wieder nach tausenden von Jahren, als Gott der Herr."

Sigurd Müller beendete die geschmackvolle Konzertlesung mit einem Bogenstrich auf einer Leerseite seines Instrumentes und gab den Besuchern statt einer Zugabe den Ton "D" mit auf ihren Nachhauseweg.





Solo mit ganz viel Tiefe
Karfreitagsmusik in St. Andreas: Sigurd Müller spielt Violoncello

Eva-Kristina Rahe
Lübbecke(WB). Der Karfreitag ist in der christlichen Tradition ein stiller Feiertag, an dem des Kreuzestodes Jesu Christi gedacht wird. An diesem Tag finden in der Kirche keine großen Festakte statt, es ist vielmehr ein Tag der Trauer, des Gedenkens und der Entbehrung. In dieser Tradition stand auch die »Musik am Karfreitag« in der St.-Andreas-Kirche in Lübbecke – mit einem überzeugenden Solokonzert.
Sigurd Müller spielte am Violoncello ein ganzes Konzertprogramm in der Tonart d-Moll und wurde von Kreiskantor Heinz-Hermann Grube begleitet, der passend zur Musik ausgewählte Texte vortrug.
»Die Musik am Karfreitag möchte den richtigen Ton treffen«, erklärte Heinz-Hermann Grube die Eigenheiten. Die Bedeutung von d-Moll sei hierbei maßgeblich. An Beispielen erläuterte Heinz-Hermann Grube anschaulich das Besondere dieser Tonart. Die Musik bekomme damit etwas Ruhiges, Angenehmes und Zufriedenes, sei aber auch wehmütig und traurig.
Sigurd Müller eröffnete das Konzert mit einem Stück von Domenico Gabrielli aus dem 17. Jahrhundert, gefolgt von einem Text von Dietrich Bonheoffer. Damit wurde das Thema der Karfreitags-Musik sofort anschaulich, nämlich die Liebe Gottes und die Vergebung der Sünden durch die Kreuzigung Jesu Christi. Im Anschluss spielte Sigurd Müller die Suite Nr. 2 BWV 1008 von Johann Sebastian Bach. Hier kann das Violoncello seine ganze Vielfalt und Kraft zeigen. Mit tiefen Tönen begann das Stück, den Kirchenraum zu durchdringen, zunächst dramatisch, dann leicht und traurig zugleich.
Die Kirche war an diesem Tag wie in jedem Jahr an Karfreitag nicht geschmückt. Der Altar nackt, der Raum leer, nur das Kreuz und seine Schatten an der Wand gestalteten den Chorraum. Das Violoncello als Soloinstrument passte sehr gut zur kargen Kirche. Es ist eher ein kantiges Instrument, nicht so lieblich wie die Geige. Da es im Chorraum nichts Anderes gab, als Sigurd Müller und sein Instrument, musste der Zuhörer sich vollkommen darauf einlassen.
Eine besondere Herausforderung dabei war das Stück Sonate Nr. 1 op. 72 von Mieczyslaw Weinberg. Sigurd Müller spielt es voll Schmerz und Leid. Es schien ein einziges Zweifeln zu sein. Schon die Hinleitung zu der Sonate war bestürzend:  Heinz-Hermann Grube las ein jüdisches Gebet, aus dem Konzentrationslager überliefert. »All das Gute soll zählen und nicht das Böse«, heißt es dort zuversichtlich. Spätestens hier wurde klar, dass die »Musik zum Karfreitag« den Zuschauer nicht fröhlich entlassen würde, allenfalls getröstet. Denn nicht nur das Leid, sondern auch das Vertrauen und die Zuversicht auf etwas Neues gehören zum Karfreitag. Mit dem Titel »Sei gut behütet« von Hanns Dieter Hüsch und dem Lied »Spanische Fantasie« von Gabriel Koeppen fand das Konzert einen hoffnungsvollen Abschluss. Trotz des vielen Applauses am Ende gab Sigurd Müller an diesem Tag keine Zugabe. Das beeindruckte Publikum bekam nur einen Ton mit auf den Weg – mit einem klangvollen »d« wurde der Abend beschlossen.


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