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Kirchenmusik

Chöre treffen die Entscheidung

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Kirchenmusik: In der evangelischen Martinsgemeinde Espelkamp soll im Sommer über die künftige Gestaltung entschieden werden. Kantoren im Kirchenkreis möchten Schwerpunkte setzen

Von Joern Spreen-Ledebur

Espelkamp. Die großen Konzerte der Kantorei mit Klassikern der Kirchenmusik etwa von Bach, Mendelssohn-Bartholdy oder Mozart in der Thomaskirche waren über Jahrzehnte kulturelle Höhepunkte in Espelkamp. Angesichts des demografischen und des gesellschaftlichen Wandels steht die Kirchenmusik in der evangelischen Martinsgemeinde vor Veränderungen. Im Sommer dürften wichtige Entscheidungen fallen.

"Wir sind auf einem spannenden Weg", merkt Hans-Jörg Schmidt an, Vorsitzender des Kirchenmusik-Fördervereins. Wohin der Weg führe, das sei noch offen. "Aber wir kennen die Zwänge." Seit gut zwei Jahren gebe es Gespräche - zunächst in einer kleinen Arbeitsgruppe. "Wie können wir die Kirchenmusik in Espelkamp gestalten", das sei die Frage gewesen. Dabei, so schildert es Hans-Jörg Schmidt, spielten zwei Punkte wichtige Rollen.

»So wirkt sich der gesellschaftliche Wandel aus«

Das eine ist der demografische Wandel. Die Chöre würden älter und nachrückende junge Sänger könnten den Weggang von älteren Sängern nicht in vollem Umfang kompensieren. Die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, sei außerdem geringer geworden. "So wirkt sich auch der gesellschaftliche Wandel aus", merkt Schmidt im Gespräch mit der Neuen Westfälischen an. "Es gibt Nachwuchsprobleme", sagen Schmidt und Kantor Tobias Krügel.

Der zweite Punkt bei den Beratungen sei die besondere Situation des Kantors in Espelkamp, was die Finanzierung der Stelle angehe. Der Kantor, erinnert Schmidt, sei nicht bei der Kirchengemeinde angestellt. Seit zwölf Jahren finanziere der Förderverein die Stelle. Die Re-Finanzierung stehe auf verschiedenen Säulen.

Wegen des Wandels stelle sich die Frage der inhaltlichen Konzeption. Es gelte, die Singfähigkeit zu erhalten und Angebote zu schaffen, die langfristig seien - "alles im Rahmen der tatsächlich gegebenen Möglichkeiten", sagt Schmidt. Gebe es nicht genug Sänger, dann schränke das die Wahl der Werke ein.

"Es schließt zumindest die großen Werke aus", ergänzt Tobias Krügel. Vom gesanglichen Vermögen der Sänger hänge ab, was er machen könne. Im Bereich der Kantorei heiße das konkret, dass die Besetzung gerade in den Männerstimmen zurückging. "Sehe ich den Chor als ganzes, dann sind Werke wie ,Paulus? oder das Weihnachtsoratorium nicht mehr machbar. Das kann die Kantorei in ihrer jetzigen Besetzung nicht mehr stemmen."

"Das ist der inhaltliche Zwang", gibt Schmidt zu bedenken. Das andere sei der formelle Zwang: Wesentlich für die Bezahlung der Kantorenstelle sei, dass der Kantor Musikunterricht im kirchlichen Schulzentrum in Espelkamp gebe. Diese Stunden wurden aufgestockt. "Das wiederum bedeutet, dass weniger Arbeitszeit des Kantors für die klassische Kirchenmusik zur Verfügung steht", betont Schmidt. Rund ein Drittel der Arbeitszeit entfalle auf den Unterricht in den Schulen. "Die Finanzierung der Stelle ist gesichert - mit dem Wermutstropfen ,weniger Stunden für Kirchenmusik?." Das sei voriges Jahr im Förderverein geklärt worden, dem Arbeitgeber Krügels. Eine inhaltliche Konzeption erarbeiteten Vertreter der Chöre, der Gemeinde und des Fördervereins.

"Wie wir mit der reduzierten Arbeitszeit des Kantors für die Kirchenmusik und den vorhandenen Chorstrukturen das bestmögliche Angebot erstellen, das ist schon die Herausforderung der vergangenen beiden Jahre", erinnert der Fördervereins-Vorsitzende.

"2018 ist das Jahr, in dem die Umsetzung greift", macht Kantor Tobias Krügel deutlich. Er verweist auf eine Konzeption zur Kirchenmusik für den gesamten Kirchenkreis. Idee der drei hauptamtlichen Kirchenmusiker sei es, Zentren zu schaffen.

»Aber das entscheiden die Chöre selbst«

Der klassische Bereich könnte in Lübbecke bei Heinz-Hermann Grube angesiedelt werden, die Bläser bei Thomas Quellmalz in Rahden und die populäre Musik in Espelkamp bei Tobias Krügel. "Die jeweiligen Kantoren wären in ihren jeweiligen Bereichen Ansprechpartner im Kirchenkreis." Das, so sieht es Krügel, könnte in Espelkamp bedeuten, dass der Chor "Vokal Fatal" mehr Gewicht bekommen könnte als in der Vergangenheit.

Was nun mit der Kantorei wird? "Die Entscheidung treffen die Chöre im Sommer", antwortet Krügel. Ab April probten beide Chöre zusammen. Himmelfahrt stehe eine Fahrt in die schwedische Partnerstadt Boras an und bei der Einweihung des Thomas-Gemeindezentrums werde es einen gemeinsamen Auftritt geben. Im November stehe ein Rock-Requiem an, das beide Chöre gemeinsam aufführen.

Die Chöre würden gemeinsam proben und dann schaue man, ob es einen zusammengelegten Chor geben könnte oder ob die Kantorei und "Vokal Fatal" doch weitgehend selbstständig blieben. Krügel: "Aber das entscheiden die Choristen selbst." Ein Zwei-Chöre-Modell wäre denkbar. Schwerpunkt in Espelkamp solle aber die populäre Musik werden.



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Populäre Musik ist mehr als Gospel

Die Hochschule für Kirchenmusik in Herford hat einen Standort in Witten. In Herford liege der Schwerpunkt bei der klassischen Kirchenmusik, in Witten bei populärer Kirchenmusik, sagt Kantor Tobias Krügel. "So in der Art möchten wir das im Kleinen auch bei uns machen." Es solle einen klassischen und einen populären Schwerpunkt geben.

Kirchliche Popularmusik sei mehr als Gospel, betonen Tobias Krügel und hans-Jörg Schmidt. Es gebe Jazz, Pop und Rock und das könne auch mit älterer Literatur verbunden werden. Es könne ein Projekt sein, ein modernes Oratorium zu machen. "Das Rock-Requiem ist ein Schritt in diese Richtung."

Krügel und Schmidt hoffen, dass durch die Tätigkeit des Kantors im Schulzentrum auch junge Menschen Interesse an dieser Musik finden. Vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen und demografischen Wandels könnte es eher gelingen, für populäre Werke Nachwuchs zu gewinnen, sind sich Krügel und Schmidt einig. Die Hürde könnte niedriger sein als etwa bei klassischer Chor-Literatur.

Alle Projekte sollten auch künftig offen sein für "Choristen auf Zeit".
nw 12.1


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