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Afrikatag

"Ökumenischer Afrikatag" mit Ex-Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung


Zuwanderungsgesetze erforderlich/ intensive Unterstützung Afrikas nötig / eigenes Verhalten ändern / klare Absage gegen das Festungsdenken

Von Ralf Kapries

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Espelkamp. Mit den Ursachen für die Flucht vieler Menschen vom afrikanischen Kontinent über das Mittelmeer nach Europa beschäftigte sich am Samstag ein "Ökumenischer Afrikatag" im Evangelischen Schulzentrum Espelkamp. Als Ursache wurden der Klimawandel, globale Ungerechtigkeit und fehlende Lebensperspektiven festgestellt. Eingeladen hatten der Evangelische Kirchenkreis, das katholische Dekanat Herford-Minden sowie das Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung der Evangelischen Kirche von Westfalen (möwe).

Dabei wurde deutlich, dass die westlichen Länder - allen voran die USA, aber auch die europäischen Länder - ihren gehobenen Lebensstil und ihren Wohlstand vor allem zu Lasten Afrikas pflegten. Es sei daher nicht nur ein Gebot der christlichen Nächstenliebe, sondern vor allem ein Gebot der Fairness, mehr für die betroffenen Länder zu tun. Es könne nicht das Ziel sein, Europa zu einer Festung auszubauen, um die Flüchtlinge daraus fern zu halten.

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Professor Alexander Lohner von "Misereor", dem nach eigenen Angaben heute weltweit größten Entwicklungshilfswerk der katholischen Kirche, sprach eingangs über "Klimawandel und Fluchtursachen in afrikanischen Staaten - europäische Verflechtungen und Verpflichtungen“. Die globale Erwärmung bringe große Risiken insbesondere für die Menschen, die in jetzt schon heißen und wasserarmen Gebieten der Erde wohnten, wärmeliebende Schädlinge wie Zecken, Borkenkäfer und Krankheitserregern (Malaria) verbreiteten sich. Die Trockengebiete in Afrika und Asien, Lebensraum von etwas zwei Drittel der Weltbevölkerung, breiteten sich aus. Wasser werde dort immer knapper.
"Alle Länder, die im Zuge der Industrialisierung zu Wohlstand gekommen sind und Massenarmut überwinden konnten, haben intensiv Kohle, Öl und Gas genutzt," erklärte Professor Lohner. "Daher verzeichnen solche Länder in diesem Zeitraum auch hohe C02-Emissionen pro Person." Als eine wesentliche Ursache für den Welthunger führte er unseren Fleischkonsum an. Ein Drittel der Weltgetreideernte würden zu Tierfutter verarbeitet, während Millionen Menschen an Hunger stürben. Nur 10 Prozent des verfütterten Getreides werde in Fleischmasse umgewandelt, die restlichen Nahrungskalorien gingen verloren. Nur 47 Prozent der weltweiten Getreide-Ernte diene der menschlichen Ernährung, der Rest werde für Tierfutter, Sprit und Industrierohstoffe verbraucht. Die Produktion von Agrotreibstoffen sei eine weitere Ursache für den weltweiten Hunger. Dieser entstehe auch durch das Verschwenden von Nahrungsmitteln - 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel landeten pro Jahr weltweit im Müll), insgesamt solle man besser auf regionale Vermarktung setzen.

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In einem weiteren Einführungsvortrag ging Heidemarie Wieczorek-Zeul, auf "Klimawandel und Fluchtursachen aus entwicklungspolitischer Sicht" ein. Die SPD-Politikerin war von 1998 bis 2009 Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und zeitgleich Gouverneurin der Weltbank und Mitglied des Verwaltungsrats der Kreditanstalt für Wiederaufbau, so dass sie den Zusammenhang zwischen Entwicklungspolitik und Finanzwirtschaft herstellen konnte. Wieczorek-Zeul erinnert daran, dass nach Ansicht der UN der Zugang zu Wasser zu den häufigsten Konfliktursachen auf der Welt zählt. Obwohl Afrika am wenigsten zum Klimawandel beigetragen habe, sei es am stärksten von den Folgen betroffen - ganze 3 Prozent der weltweit verursachten Treibhausemissionen würden durch Afrika verursacht, aber die dramatischsten Auswirkungen erlebten wir gerade dort. Der UN-Klimarat verweise auf eine wahrscheinlich um das fünffache zunehmende Wüstenbildung bis 2050, wofür die dortigen Bauern um die 30 Prozent zusätzliches Wasser benötigten, wobei diese Ressource aber zurück gehe. Daher sei eine drastische Reduzierung der CO2-Emissionen in den Industrie- und Schwellenländern, insbesondere China, nötig. Völlig unakzeptabel findet Wieczorek-Zeul, dass sich die USA unter ihrem derzeitigen Präsidenten Völlig aus der Umsetzung und Finanzierung dieser Ziele zurück ziehen.

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Zu den “Fluchtursachen made in Europe" zählen die Exportgewinne der Industrie zu Lasten der afrikanischen Landwirtschaft. Steuervermeidungstricks der in Afrika wirtschaftenden Agrarunternehmen müssten abgeschafft werden, denn das enthalte den dortigen Staaten jährlich geschätzt bis zu 200 Milliarden US-Dollar - ein Mehrfaches der Entwicklungshilfe, die sie erhielten - vor. Dagegen könne ein öffentlich zugängliches Register geschaffen werden, in dem die Eigentumsverhältnisse der dort handelnden Unternehmen offen gelegt würden und welche Steuern sie in dem jeweiligen Land zahlten.

Das Flüchtlingsproblem solle nach dem Willen der Politik zurzeit möglichst verlagert und aus dem Bewusstsein verdrängt werden. Das sei auch eine Form des Mauerbaus. "Wir brauchen aber keine Festung, sondern ein offenes und der Welt zugewandtes Europa." Wir bräuchten eine Möglichkeit geregelter Zuwanderung und dafür ein entsprechendes Gesetz. Die Festung sei das unsicherste, was in einer globalen Welt möglich sei. "Solidarität und Nächstenliebe sind das Wichtigste, das wir tun können," erklärte die Sozialdemokratin. Es sei notwendig, entschlossen gegen dieses Festungsdenken vorzugehen.

In den anschließenden Gesprächsrunden und Arbeitskreisen konnten die rund 50 Teilnehmenden weitere Fragen zum Gehörten stellen, Erfahrungen eines Flüchtlingsbegleiters anhören, an einem afrikanischen Musikworkshop teilnehmen, mehr über die Armutsbekämpfung in Namibia erfahren oder den Berichten Sabrina Wilkenings oder Laura Fe Massenberg aus Lübbecke zuhören, die beide ein Freiwilliges Soziales Jahr in Ghana beziehungsweise Namibia verbracht haben.

»Nur die Spitze des Eisbergs«
Ökumenischer Afrikatag zum Thema »Flucht« in Espelkamp

Cornelia Müller

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Espelkamp(WB). Aus welchen Gründen riskieren Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer ihr Leben?
Das Dekanat Herford-Minden, der Evangelische Kirchenkreis Lübbecke und „MÖWe“ (Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung) haben am Samstag einen Afrikatag veranstaltet, um dieser Frage auf den Grund zu gehen.
Der Ökumenische Afrikatag begann mit zwei Vorträgen, die sich mit dem Thema aus entwicklungspolitischer Sicht beziehungsweise aus Sicht einer Nicht-Regierungsorganisation (NGO) befassten. Hochkarätige Referenten waren die ehemalige Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und Prof. Dr. Alexander Lohner vom katholischen Hilfswerk »Misereor«. Verschiedene Workshops boten anschließend die Möglichkeit, einzelne Aspekte weiter zu vertiefen.
Professor Lohner nannte erschreckende Zahlen. So seien laut Jahresbericht des UN-Flüchtlingskommissariats im vergangenen Jahr weltweit 65,6 Millionen Menschen auf der Flucht gewesen – so viele wie nie zuvor. Dabei ist die von Europa wahrgenommene »Flüchtlingsflut« nur die Spitze des Eisbergs: »Zwei Drittel aller Flüchtlinge sind Binnenflüchtlinge«, unterstrich er. Die Ärmsten der Armen hätten nicht die Möglichkeit, ihr Land zu verlassen.
Verursacht oder verstärkt werde die Not, die Menschen zur Flucht treibt, durch die Auswirkungen des Klimawandels, nämlich durch die Zunahme von Dürreperioden und Extremniederschlägen, Verödung und Flutkatastrophen. »Es ist ganz klar, wer die Hauptverursacher sind: die zwanzig Prozent der Menschen, die in den Industriestaaten leben. Es ist daher eine Frage der Gerechtigkeit, nicht nur der Mildtätigkeit, dass wir den Betroffenen helfen müssen,«, sagte Professor Lohner.
Als Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (1998 bis 2009) habe sie selbst die Erfahrung gemacht: »Es geht. Man kann etwas tun. In einer gemeinsamen Aktion kann man etwas bewegen«, bestätigte Heidemarie Wieczorek-Zeul. Gute Beispiele seien der 1999 beschlossene Schuldenerlass und der 2002 gegründete globale Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria. »Mit 30 Milliarden US-Dollar haben wir 20 Millionen Menschen gerettet. Wenn wir damals nicht gehandelt hätten, hätten wir noch mehr Staaten, die innergesellschaftlich zerfallen wären.«
Obwohl Afrika am wenigsten zum Klimawandel beigetragen habe, sei es heute am stärksten davon betroffen, machte auch Wieczorek-Zeul noch einmal deutlich. Die Wüstenbildung nehme zu, es gebe mehr Mangelernährung, mehr Hitzetote, mehr klimabezogene Erkrankungen (Malaria). Der Zugang zu Wasser werde zur häufigsten Konflikt- und Kriegsursache. Eine nachhaltige Entwicklung sei deshalb das Gebot der Stunde. Entsprechende Beschlüsse seien von der UN bereits 2015 gefasst worden, aber »diese Beschlüsse müssen auch umgesetzt werden«.
Statt dessen sei die Diskussion über den Zusammenhang zwischen Migration und Entwicklung über Jahre hinweg verdrängt worden, kritisierte Wieczorek-Zeul. Sie sprach sich für die Möglichkeit einer geregelten Zuwanderung aus und betonte: »Wir brauchen keine Festung Europa. Die Festung ist das Unsicherste in einer globalen Welt. Ein solidarisches, offenes Europa bietet auf Dauer die beste Sicherheit.«

WB 19.9.
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