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Aus der Hinterstube in die City

Von Karsten Schulz

Espelkamp. Nach fast 40 Jahren - der runde Geburtstag wird kommendes Jahr gefeiert - ändert sich einiges in der Eine-Welt-Arbeit der ev. Martins-Kirchengemeinde. Es gibt sie fast so lange, wie die Gemeinde überhaupt besteht. Sie sei in dieser Form im Kirchenkreis Lübbecke ein-malig, sagen Pfarrer i. R. Ernst Kreutz sowie Margarete und Günter Lückemeier im Gespräch mit der NW übereinstimmend. Schließlich werde ihr Laden inzwischen aus der ganzen Region in Anspruch genommen, worüber sich die Ehrenamtlichen sehr freuen.

So stehen sie mit ihren Produkten regelmäßig bei Festen der Gemeinde und des Ludwig-Steil-Hofes sowie beim Cityfest zur Verfügung. Aber auch Nachbargemeinden werden mit Waren versorgt: Bad Holzhausen hat sogar einen kleine Verkaufsstand im dortigen Schreibwarengeschäft eingerichtet, der aus Espelkamp beliefert wird. Wie auch Isenstedt-Frotheim,, Gehlenbeck, Pr. Ströhen und andere Gemeinden. Mal werden sie direkt gebracht, mal von dortigen Gemeindemitgliedern aus Espelkamp abgeholt.

Grund genug für die Martins-Kirchengemeinde einen Antrag an den Kirchenkreis auf Unterstützung zu stellen. Ernst Kreutz erläutert, dass aufgrund dieser Entwicklung die Arbeit nicht mehr nur ehrenamtlich weitergeführt werden könne. Der Verkauf im Laden und in der Öffentlichkeit soll weiterhin auf ehrenamtlicher Basis laufen. Aber der Einkauf, das Auspacken und Auszeichnen, die Abrechnungen und die Versorgung der Nebenstellen, das benötige eine fest angestellte Kraft.

Für einige Arbeiten steht kein Jüngerer zur Verfügung

"Die Mitarbeiter, die diese ganz wichtige Arbeit bisher geleistet haben sind inzwischen über 80 Jahre alt und haben einen umfangreichen Dienst geleistet, für die kein Jüngerer zur Verfügung steht", sagt Kreutz. Deshalb sei in dem Antrag an den Kirchenkreis der Wunsch geäußert worden, eine Kraft auf 450-Euro-Basis zu finanzieren, die mit den Ehrenamtlichen die Arbeit weiterführt und ausbaut: "Das ist unser größter Wunsch für die nächste Zeit. Ohne diese Hilfe bekommen wir Probleme."

Das ist aber nicht alles, was sich im kommenden Jahr ändern soll. Denn mit der Fertigstellung des neuen Thomas-Gemeindezentrums, das sich zur Breslauer Straße hin öffnen wird, bekommt der Undugu-Laden, bisher im "Hinterstübchen" im Haus der Gemeinde untergebracht, ei-nen Platz in der ersten Reihe nahe der Einkaufsstraße. Damit erhalte er eine größere Öffentlichkeit und bessere Zugänglichkeit. Kreutz: "Schön wäre dann eine möglichst tägliche Öffnungszeit, die es der Bevölkerung leichter macht, dort vorbeizukommen."

Über diese Entwicklung freut sich das Undugu-Team sehr, zumal sich in den vergangenen Jahren auch die Akzeptanz der Produkte immer weiter erhöht habe.

Als vor 40 Jahren alles anfing, gab es nur einen Tapetentisch bei Gemeindefesten und einmal im Monate am ersten Samstag vor der Freiherr-vom-Stein-Apotheke eine Ver-kaufsaktion. Brigitte Schubel hatte seinerzeit die Initiative ergriffen und die Arbeit mit engagierten Mitarbeitern weiter ausgebaut. Der erste Name "Dritte-Welt-Stand" fand Anstoß bei den Partnern aus Tanzania, die in der Abstufung erste, zweite und dritte Welt eine Diskriminierung sahen. Das Wort "Undugu" (Geschwisterlichkeit, Partnerschaft) in ihrer Sprache Kisuaheli wurde der neue Name, heute: "Eine-Welt-Laden/Undugu". Schließlich erhielt man einen Raum im Martinshaus.

Der Laden ist dienstags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Außerdem am 2. Samstag nach dem Gottesdienst.

Pfarrer Kreutz und Familie Lückemeier sehen hinter ihrer Arbeit einen geistlichen Impuls. Denn beim bekanntesten Gebet, dem "Vater unser" das Wort "unser" herausgehoben, ebenso wie bei "Unser täglich Brot gib uns heute".

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© 2017 Neue Westfälische
14 - Lübbecker Land, Samstag 02. September 2017

 


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