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„Mühen der Anfangszeit haben sich gelohnt“

Alt-Espelkamp. „Es ist so voll wie damals.“ Gemeindepfarrerin Gisela Kortenbruck strahlte schon am Morgen über das ganze Gesicht. Bereits zum Festgottesdienst war das Espelkämper Paul-Gerhardt-Haus bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch am Nachmittag war das Areal um das Gotteshaus dicht besiedelt. Denn mit zahlreichen Gemeindemitgliedern wurde das 25-jährige Bestehen jenes Gebäudes gefeiert, das der Bevölkerung seit einem viertel Jahrhundert eine kirchliche Bleibe bietet. Ein buntes Gemeindefest für alle Generationen, ein Tag mit vielen Begegnungen, freudigem Wiedersehen und ganz, ganz vielen Erinnerungen.

Der Gebäudekomplex mit dem 1992 neu errichteten Paul-Gerhardt-Haus und dem direkt damit verbundene Dorfgemeinschaftshaus, das in der alten Schule sein zu Hause fand, hätte das Areal zum Herzen der Altgemeinde werden lassen. „Ein Ort, an dem man sich trifft, gesellige Stunden verbringt, aber auch gemeinsam trauert, Trost erfährt, frohe Stunden verbringt, musikalische und kulturelle Interessen pflegt“, erinnerte Pfarrerin Kortenbruck im Gottesdienst und präsentierte stolz den symbolischen Schlüssel, den Architektin Anke Kükelhan vor 25 Jahren zur Einweihung übergeben hatte.

Nicht nur das Zusammenwirken von Kirche und Kommune habe etwas ganz besonderes hervorgebracht, betonte auch Pfarrer Werner Milstein, der als damaliger Gemeindepfarrer den Bau in langen Gesprächen mit der Stadt auf den Weg gebracht hatte und am Sonntag als Gast zurückkehrte. Nicht umsonst trage das Gebäude den Namen Paul Gerhardts, denn Kirchenmusik besäße hier, nicht zuletzt wegen der hervorragenden Akustik, einen großen Stellenwert. Keine Frage, dass die christliche Zusammenkunft am Morgen und die Andacht zum Ausklang des Festtages am Nachmittag mit Liedern gesäumt waren, denen die Texte des evangelisch-lutherischer Theologen innewohnten.

Auch wenn der Posaunenchor mangels Besetzung zum Festgottesdienst nicht spielfähig war, besaß das Programm mit der Kantorei Rahden, Kantor Thomas Quellmalz an der Orgel im Gottesdienst und Sabine Matthäus im parallel gehaltenen Kindergottesdienst sowie am Nachmittag mit „Bines Tonleiterspatzen“ sowie dem Gospelchor Rahden und der Trommelgruppe – beide unter Leitung von Andrea Erdbrügger –musikalische Glanzpunkte. Die Eskari-Gruppe präsentierte ein kurzes plattdeutsches Theaterstück, in dessen Mittelpunkt natürlich ein Pastor stand und als geheimer Überraschungsgast erhielt Leverns Pfarrer i.R. Wilhelm Dullweber, eigens kurzfristig von einem Termin in Papenburg angereist, in seiner Paraderolle als Nachtwächter großen Applaus, als er aus dem Leben der Hüter der späten Stunden zu Luthers Zeiten plauderte.

Auch außerhalb des Bühnenprogramms gab es einiges zu erleben: Beim Lutherquiz warteten mit einem Besuch des Rahdener Eiscafes, einem Frühstück im Creativ Cafe und einem Essen auf dem Spargelhof Winkelmann – jeweils für vier Personen - tolle Preise auf die zum Ende des Nachmittages geehrten Gewinner. Im Dorfgemeinschaftshaus konnten sich Interessierte an einer alten Druckpresse versuchen und als Erinnerung den Druck einer „Lutherrose“ mit nach Hause nehmen. Die Chronikgruppe hatte zudem an Stellwänden eine Ausstellung vorbereitet, die den Werdegang und die Einweihung des Paul-Gerhard-Hauses dokumentierte. Mit einem Bildvortrag erinnerten Pfarrerin Kortenbruck und ihr Kollege Milstein ebenfalls an jene bedeutungsvolle Zeit, die das kirchliche und gesellschaftliche Leben Alt-Espelkamps bis heute geprägt hat. Mit Hüpfburg, Kistenklettern mit dem CVJM, dem Spielmobil sowie einem Luftballonkünstler kam auch bei den jungen Gästen keine Langeweile auf. In Sachen nahrhafte Stärkung ließ das große Kuchenbüffet aus unzähligen Tortenspenden nach Herzhaftem zur Mittagszeit keine Wünsche offen.

„Die Mühen von damals haben sich gelohnt“, stellte Pfarrer Milstein in seinem Grußwort sichtlich bewegt und zufrieden fest, nachdem er den schwierigen Weg von der Lösungsfindung bis zur Einweihung skizzierte. Zweifel, ob dieses neue kirchlich-weltliche Heim das Gemeindeleben negativ verändern könnte seien schon damals schnell verflogen. „Das Haus lebt von der Gegenwart, die wir gestalten.“ Es sei ein Haus für ein Dorf, dass sich weiter entwickele, eine Vernetzung von Kirche und Begegnungsstätte, aber auch ein Brückenschlag zur Rahdener Nachbarkommune, stellte Espelkamps Bürgermeister Heinrich Vieker stolz heraus. „Jung an Jahren, aber doch so wichtig in seiner Bedeutung für die Gemeinde, die Stadt und ihre Identität“, gratulierte Ortsvorsteher Wilfried Windhorst. Sport, Glaube, Gemeinschaft verbinde hier Generationen so Reinhard Rödenbeck für die Dorfgemeinschaft und wünschte sich, „dass unsere Kirche, das Paul-Gerhardt-Haus, auch weiterhin im Dorf gelassen wird.“ „Ich bin sehr, sehr glücklich, dass wir uns in einer solch produktiven Gemeinschaft zusammengefunden haben“, dankte Pfarrerin Kortenbruck den vielen engagierten helfenden Händen, die den Festtag unvergessen gemachten, und setzte sogar noch einen drauf: „Nach letzten Prüfungen des Presbyteriums ist das Haus jetzt komplett abbezahlt.“ Schon jetzt freue man sich, im kommenden Jahr wieder einen Grund zum Feiern zu haben: da ein Jahr später montiert, feiert die Orgel erst im kommenden Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum.

Eindrücke des Gemeindefestes (alle von Anja Schubert)

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Text und Bilder: Anja Schubert

 


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